Das entscheidende Tor von Umtiti in der 51. Minute:

WM 2018: Frankreich 1:0 Belgien

Didier Deschamps ballt die Fäuste, schreit seinen Jubel in den Himmel von St. Petersburg. Es ist vollbracht, seine Franzosen stehen im WM-Final. 1:0 besiegen sie Belgien im ersten Halbfinal.

Es ist ein verdienter Sieg in einem Spiel, dessen Intensität beeindruckend war. Kampf, Wille – das sind die Ingredienzen, die Frankreich ins Endspiel führten. Dazu ist das Team hervorragend eingestellt von Trainer Deschamps. Es lebt auch davon, dass jeder Akteur zu jeder Zeit weiss, was sein Nebenmann tut.

Samuel Umtiti schiesst kurz nach der Pause das goldene Tor. Er trifft nach einem Eckball von Griezmann per Kopf. Es ist der eine Treffer, der diesem stabilen Team reicht. Danach konzentriert es sich ganz auf die Defensive.

Belgischer Sturmlauf bleibt aus

Belgien ist zwar bemüht. Einmal köpft Fellaini knapp daneben. Aber der grosse Sturmlauf bleibt gleichwohl aus. Es ist ein enttäuschendes Ende dieser WM für ein Belgien, das sich selbst als reif genug für den Titel vermutete. Keine einzige wirklich gute Torchance erarbeitet sich das Team. Das magische Duo Hazard und De Bruyne kommt zu selten zur Geltung.

So gross der Frust über den verpassten Coup in Belgien, so gross der Jubel in Frankreich. «Unaufhaltsam», titelt «L’Equipe», die Sport-Bibel des Landes, unmittelbar nachdem die dritte Finalteilnahme feststeht. Ob gegen England oder Kroatien, klar ist jetzt schon: diese Franzosen sind im Final zu favorisieren. Es lockt der zweite WM-Titel.

Ein Weltmeister als Trainer

1998, an der WM im eigenen Land, da stand Trainer Deschamps noch auf dem Platz. Zinédine Zidane war der Held, seine beiden Tore ebneten den Weg zum Triumph über Brasilien.

2006 endete die Karriere eben jenes Zidane nach seinem Kopfstoss im Final an Marco Materazzi mit einer roten Karte. Italien siegte danach im Penaltyschiessen.

Jetzt, 20 Jahre nach dem Triumph zu Hause, besitzen «Les Bleus» eine Mannschaft, die von vorne bis hinten herausragend funktioniert. Angefangen beim starken Torhüter Lloris, über die Innenverteidigung, die fast jedes Luftduell gewinnt und Gespür für den Raum beweist.

Die Aussenverteidiger sind nicht nur stabil, sondern schalten sich immer wieder in den Angriff ein. In der Mitte räumen Pobga, Matuidi und Kanté alles ab, vor allem versperren sie dem Gegner den direkten Weg zum Tor. Belgien kommt nur über aussen in die gefährliche Zone – und auch das nur sehr selten.

Auf dem Weg zur Legende

Im Sturm schliesslich überzeugt das magische Duo Griezmann/Mbappé. Der eine hat eben dem grossen FC Barcelona einen Korb gegeben, ist eine Mischung aus Künstler und Arbeiter. Der andere, 19-jährig erst, berauscht mit seinem Tempo und seiner Ballbehandlung die Welt. Da darf man auch über ein, zwei unnötige Aktionen ganz am Schluss der Partie hinwegsehen.

Bleibt Giroud, der Mann aus Chambéry, seltsam glücklos mit dem Ball, aber doch so wertvoll für das Team mit seinem Arbeitsethos. Er ist das beste Beispiel für die gerne gebrauchte Formulierung «der Stürmer ist der erste Verteidiger».

Vor zwei Jahren endete der EM-Final zu Hause für Frankreich mit einer riesigen Enttäuschung, die Portugiesen siegten 1:0 nach Verlängerung. Jetzt scheint die Zeit reif für den grossen Wurf dieser Generation.

Und Deschamps, der Trainer, kann am Sonntag (Spielbeginn 17 Uhr) zur Legende werden. Erst der Deutsche Franz Beckenbauer und der Brasilianer Mario Zagallo haben es vor ihm geschafft, als Spieler und Trainer Weltmeister zu werden. Den zweiten Final-Teilnehmer ermitteln am Mittwochabend ab 20 Uhr England und Kroatien. Diese Partie findet, wie auch das Endspiel, im Moskauer Luschniki-Stadion statt.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Liveticker WM-Halbfinal Frankreich - Belgien