Fussball

FCB oder FCZ? Riana Fischer steckt zwischen zwei Welten

Von der Arbeit direkt ins Training. Trotzdem kam ein Leben als Profi für Riana Fischer nie in Frage.

Von der Arbeit direkt ins Training. Trotzdem kam ein Leben als Profi für Riana Fischer nie in Frage.

Riana Fischer (20) ist Tochter von FCB-Trainer Urs Fischer und FCZ-Spielerin. «Basel und Zürich – das grenzt an Hass!», sagt sie. Trotzdem geht sie entspannt damit um, dass ihr Vater jetzt beim Zürcher Rivalen arbeitet.

Basel gegen Zürich. Es ist das ewige Duell der Rivalen. Immer speziell. Aber nun noch etwas spezieller. Urs Fischer, FCZ-Legende, trifft als Trainer des FC Basel zum ersten Mal auf «seinen» Verein.

Ganz Fischer-frei ist der FCZ aber keineswegs. Dafür sorgt Fischers Tochter Riana. Sie ist Innenverteidigerin bei den FCZ-Frauen. Im Frühling wurden die Zürcherinnen zum vierten Mal in Serie Meister. Urs Fischer sagte kurz nach seiner Ernennung zum FCB-Trainer: «Nun darf ich wie meine Tochter auch erleben, wie es ist, beim Serienmeister zu arbeiten.»

Vollzeitjob neben dem Fussball

Wir treffen Riana Fischer auf der Sportanlage Heerenschürli in Zürich Schwamendingen. Dort, wo die FCZ-Frauen trainieren und ihre Heimspiele bestreiten. Es ist kurz vor 17 Uhr, die Sonne brennt vom Himmel wie so häufig in diesem Sommer, als sie vorfährt. Sie ist direkt gekommen von der Arbeit. Als Kauffrau arbeitet sie in einem Vollzeitpensum bei der Gemeinde Buchs. Morgens um 7 Uhr beginnt die Arbeit. Unmittelbar danach geht es zum Training. Vier Mal pro Woche. Profi sein? «Das kam für mich nie in Frage. Ich brauche die Abwechslung», sagt sie.

21 Jahre alt wird Riana Fischer im kommenden Oktober. Sie ist eine aufmerksame Zuhörerin und sympathische Erzählerin. Ihr Lachen verrät eine tiefe Zufriedenheit. Eine knallig türkise Uhr ziert das Handgelenk. Auf dem Nacken hat sie dezent die Worte «forever young» tätowiert, «ich hoffe, mein Geist bleibt immer frisch», sagt sie.

Wie hat die Tochter reagiert, als ihr der Papa vom Angebot des FC Basel erzählt hat? «Eigentlich dachte ich ja, mein Papa wolle mir nur mein repariertes Auto ins Büro zurückbringen. Wir standen auf dem Parkplatz und plötzlich sagte er: ‹Du, Basel hat angerufen.› Ich fragte zurück: ‹Wie jetzt, als Trainer? Schon definitiv?› ‹Nein, aber das könnte schon ein Zeichen sein.›»

Der FCB - das höchste aller Gefühle

Obwohl am Ende alles sehr schnell ging, war es eine intensive Zeit für Urs Fischer. «Er konnte einige Tage nicht schlafen bis zur definitiven Entscheidung», erinnert sich Tochter Riana. Auch sie macht sich Gedanken, wie ein FCZ-Urgestein in Basel wohl ankommt. «Basel und Zürich – das grenzt manchmal an Hass. Andererseits: Wenn der FCB anklopft, ist das doch in der Schweiz ohne Frage das höchste aller Gefühle. Und am Ende ist es ja doch ‹nur› ein Job. Ich bin jedenfalls sehr stolz auf meinen Vater. Sein Werdegang ist eindrücklich.»

Als Tochter eines Profis, «da liegt der Fussball im Blut», sagt Riana Fischer, als sie die Geschichte ihrer Karriere zu erzählen beginnt. Am Ursprung ihrer Fussball-Begeisterung steht indes nicht der Vater. «In unserer Wohnsiedlung spielte ich stets mit einigen Jungs Fussball. Sie waren mit der Zeit alle im Fussballklub. Schliesslich fragten sie mich, ob ich nicht auch kommen wolle. Ich ging, damals sechsjährig, zu den F-Junioren von Zürich Affoltern.»

Irgendwann zu alt für den Bubenfussball

Später wechselt die gesamte «Siedlungs-Bande» zum FCZ, zu den Letzi-Kids. «Wir dachten alle: Wow, FCZ, das muss ein Traum sein!» Riana Fischer bleibt stets das einzige Mädchen im Team. Bald wäre der Wechsel zur U14 angestanden, die letzte Stufe, wo Mädchen und Buben zusammen spielen. Zeit für den Übertritt in den Frauenfussball. Riana hat eine Anfrage des SV Seebach, dem Vorgängerverein der FCZ-Frauen. «Ich war überhaupt nicht begeistert. Ich wollte nur mit Buben spielen. Selbst ich dachte: Nein, Frauen können doch nicht Fussball spielen!», erzählt sie.

Sie geht trotzdem ins Probetraining. Und ist hellbegeistert. Bald ist die Episode zehn Jahre her. Und Riana Fischer längst routinierte Innenverteidigerin. Selbst die Position scheint also in der Familie zu liegen. «Mein Papa war ja eher noch Libero», sagt sie, «und ich bin über die Jahre immer weiter nach hinten gerutscht. Früher war die Offensive meine Welt.» Wenn immer es geht, nimmt sich Urs Fischer Zeit, um die Spiele seiner Tochter zu sehen. Verteilt der Vater dann Tipps? «Wenn, dann kommt die Initiative von mir aus.»

Anders als ihr Vater ist Riana Fischer Linksfüsserin. Und für die Standardsituationen zuständig. Zumindest von der rechten Seite. Welches Spiel bleibt einer Dauer-Meisterin denn speziell in Erinnerung? «Im letzten Spiel der vorletzten Saison gelang mir gegen Luzern als Verteidigern ein Hattrick, ein Tor war ein direkt verwandelter Eckball. So etwas bleibt.»

Ansonsten liegt die grösste Herausforderung beim FCZ in der Champions League. Das nächste Ziel: Einmal einen Viertelfinal zu erreichen. In der letzten Saison scheiterten die Zürcherinnen im Achtelfinal knapp an Glasgow.

Mit Männern aufs Feld

Es war ein Spiel, das auch aus anderen Gründen Schlagzeilen schrieb. Der FCZ suchte für das Spiel «Begleitmänner», die mit den FCZ-Frauen vor dem Anpfiff auf das Feld liefen. «Erst dachten wir: Einfallsreich, aber speziell – wer will sich denn da überhaupt anmelden?», erinnert sich Riana Fischer. «Als wir dann vom doch ziemlich grossen Interesse hörten, änderten wir unsere Meinung natürlich.»

Dass die Akzeptanz des Frauen-Fussballs in den letzten Jahren massiv gestiegen ist, kann Riana Fischer nur bestätigen. Dumme Sprüche über ihre Tätigkeit als Fussballerin? «Die gibt es nie!» Mit der Frauen-WM in Kanada in diesem Sommer haben die Fussballerinnen noch einmal an Aufmerksamkeit und Sympathien gewonnen.

FCB oder FCZ?

Alsbald drängt die Zeit. Das Training beginnt gleich. Eine Frage noch. Natürlich muss sie sein. Wenn der FC Basel gegen den FCZ spielt, für wen schlägt ihr Herz – für den Papa oder den eigenen Verein? «War ja klar, dass diese Frage kommt», sagt sie und lacht. Es ist das einzige Mal an diesem Frühabend, dass sich Riana Fischer schwertut, eine Antwort zu finden.

Kleine Entscheidungshilfe: Einigen wir uns auf Unentschieden? «Wenn es so rauskommt – auch gut. Ich werde mir das Spiel auf jeden Fall anschauen. Der Bessere soll gewinnen, wer auch immer das ist.»

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