Kommentar
Eine europäische Eliteliga gegen die Werte des Sports

Zwölf superreiche Fussballklubs möchten eine europäische «Super League» gründen. Dieses Vorhaben hätte einen Verlierer: den Fussball.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Ein Banner gegen die Super League vor dem Anfield Stadium in Liverpool.

Ein Banner gegen die Super League vor dem Anfield Stadium in Liverpool.

Bild: Jon Super/AP

Es sind Pläne, die den Fussball auf den Kopf stellen sollen: Die zwölf reichsten Klubs aus England, Spanien und Italien wollen eine eigene europäische «Super League» gründen und damit die Champions League der Uefa konkurrenzieren. Die Bekanntgabe der neuen Eliteliga erfolgt just an dem Tag, an dem die Uefa einer Reform der Königsklasse zustimmt, welche die Topteams weiter bevorzugen möchte. Doch die Reform geht für sie offenbar nicht weit genug.

Dass es bei den Plänen zu einer eigenen Liga nur um Geld geht, steht ausser Frage. Das Prinzip: Mehr Kohle für weniger Vereine. Doch diese neue Liga würde auch jeglichen Werten des Sports widersprechen. Statt eines offenen Wettbewerbs wie in Europa üblich, müssten sich die Gründungsmitglieder nicht mehr qualifizieren. Sie könnten aus der Eliteliga nicht absteigen oder eine Qualifikation verpassen. Das widerspricht dem sportlichen Gedanken.

Real Madrids Präsident Florentino Pérez will die europäische Super League.

Real Madrids Präsident Florentino Pérez will die europäische Super League.

Emilio Naranjo / EPA

Überraschend kommt das Vorhaben derweil nicht. Seit Jahren werden die reichen Klubs immer reicher, der Wettbewerb ist im europäischen Profifussball faktisch ausser Kraft gesetzt. Dass Real Madrid eine Qualifikation zur Champions League verpassen könnte, ist schon heute utopisch. Und doch zementiert eine eigene Eliteliga, in der die Gründungsmitglieder immer teilnehmen, die Verhältnisse definitiv. Es wäre die Zerstörung eines über Generationen gewachsenen Systems. Der Fussball würde zum Verlierer.