Eishockey
Wie Servette im Playoff-Final gegen Zug ein ungeschriebenes Gesetz missachtet - und seinen besten Spieler zu wenig schützt

Verteidiger Santeri Alatalo ist für den Final heute Abend gesperrt – kein Problem, sondern ein gutes Omen für die Zuger.

Klaus Zaugg
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Zugs Santeri Alatalo (rechts) muss mit drei Spielsperren rechnen.

Zugs Santeri Alatalo (rechts) muss mit drei Spielsperren rechnen.

Patrick Straub

Servette ist das robusteste welsche Team der Playoff-Geschichte. Also seit 1986. Wenn nun dieses Servette über Zugs Härte klagt, dann ist das ein grosses Kompliment.

Keine Frage: Der Check von Santeri Alatalo gegen Servettes Henrik Tömmernes war ein grobes Foul. Selbst Schiedsrichterchef Andreas Fischer sagt selbstkritisch: «So ein Foul darf nicht übersehen werden.» Aber es gibt ja noch die Bildermaschinen. Und so ist Zugs eingebürgerter Finne von den «Video-Richtern» nachträglich einer Bestrafung zugeführt worden. Er ist für den dritten Final heute Abend erst mal gesperrt und muss mit drei Sperren rechnen. Wird Zug heute Meister, dann muss er die restlichen Sperren im Herbst bei seinem neuen Arbeitgeber Lugano absitzen.

Wer gewinnen will, muss wichtige Spieler schützen

Die «Video-Richter» haben also reagiert. Aber Servette hat zuvor auf dem Eis nichts unternommen. Das könnte sich als einer der entscheidenden Punkte in diesem Final erweisen. Henrik Tömmernes ist Servettes wichtigster Spieler. Er ist das offensive und defensive Nervenzentrum der Mannschaft. Also sind die Zuger auf dem Eis hinter ihm her wie der Teufel hinter einer armen Seele. Das gehört zum Eishockey. Das muss so sein, wenn die Zuger Meister werden wollen. Wer Meister werden will, muss seinen wichtigsten Spieler schützen. Er kann diesen Schutz nicht in blindem Vertrauen den Schiedsrichtern überlassen. Die Refs haben einen gesundheitsgefährdenden Angriff auf den «Beckenbauer des Genfer Hockeys» übersehen. Härte ist ein legales Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele. Und weil die Schiedsrichter eben nicht alles sehen, gibt es auch ungeschriebene Eishockey-Regeln. Wer eine Meisterschaft gewinnen will, muss diese kennen und befolgen. Und diese sagen: Lass es niemals zu, dass deine wichtigsten Spieler regelwidrig attackiert werden.

Wer auf eine solche Aktion nicht reagiert, hat resigniert

Aber Servette hat den Angriff auf Henrik Tömmernes einfach hingenommen. Ohne nennenswerte Reaktion auf dem Eis. Nach den ungeschriebenen Gesetzen hätten sich mindestens zwei oder drei Genfer auf Santeri Alatalo stürzen müssen. Mit dem Risiko, dass es Spielsperren absetzt. Wer einen gegnerischen Spieler nach einer solchen Aktion ungeschoren davonkommen lässt, wer nicht heftig reagiert, wirft das Handtuch. Resigniert. Büsst seine Präsenz auf dem Eis ein.

Servette war im Viertelfinal härter als Gottéron. Das ist weiter nicht überraschend. Gotté­ron ist unter Christian Dubé das weichste Team der Liga geworden. Servette war im Halbfinal nicht härter als die ZSC Lions. Aber mindestens so robust und leidenschaftlich. Das ist die eigentliche Überraschung: Das neue Zug ist im Final böser, härter als Servette.

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