Eishockey-WM
Silberhelden – diese Spieler haben an der WM besonders überrascht

Nicht nur die NHL-Spieler haben an der Weltmeisterschaft in Dänemark tragende Rollen gespielt, sondern auch NLA-Vertreter.

Marcel Kuchta
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Viel wurde im Zusammenhang mit dem Gewinn der Schweizer WMSilbermedaille über den Einfluss der NHL-Profis gesprochen. Die acht Spieler im Kader, die derzeit in der besten Liga der Welt spielen, haben dem Team sehr viel Klasse verliehen. Aber im Windschatten der Stars aus Nordamerika wie Roman Josi, Nino Niederreiter, Timo Meier, Sven Andrighetto oder Kevin Fiala gab es einige, in der einheimischen NLA engagierte Spieler, die ein bärenstarkes Turnier absolvierten und ein wertvoller Bestandteil des Schweizer Kollektivs wurden:

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Leonardo Genoni (30)

Der Goalie des SC Bern hatte einen schwierigen Start ins Turnier und rutschte in der Hackordnung hinter Reto Berra zurück. Als sich Berra vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich verletzte, übernahm aber Genoni die Zügel und steigerte sich zu einem der besten Torhüter des Turniers.

Seine Leistungen im Viertelfinal gegen Finnland, im Halbfinal gegen Kanada und im Final gegen Schweden verdienten das Prädikat «Weltklasse». Beinahe hätte er die Mannschaft sogar zum WM-Titel gehext.

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Enzo Corvi (25)

Der Mittelstürmer des HC Davos ist der Mann mit der unglaublichsten Biografie aller Schweizer Nationalspieler. Noch vor sieben Jahren war er in der 2. Liga beim EHC Chur engagiert, ehe ihn Kult-Trainer Arno Del Curto nach Davos lockte und ihn dort zum NLA-Spieler formte.

An der WM in Dänemark zeigte Corvi an der Seite von seinem Jugendfreund Nino Niederreiter nun auch auf internationalem Niveau teilweise überragende Darbietungen und wurde mit 9 Punkten (4 Tore, 5 Assists) gar Schweizer WM-Topskorer (zusammen mit Niederreiter). Er spielte so gut, dass er mit Sicherheit Aufnahme in die Notizbücher der NHL-Talentspäher gefunden hat. Es wäre keine Überraschung, wenn schon im Sommer Offerten aus Nordamerika auf den Tisch seines Agenten flattern würden. Sein Vertrag in Davos läuft im kommenden Jahr aus.

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Michael Fora (22)

Den Captain des HC Ambri-Piotta hatte man nicht auf der Rechnung als Teil des WM-Kaders. Doch der stämmige Verteidiger überstand im April einen Kaderschnitt nach dem anderen und durfte die Reise nach Dänemark schliesslich mitmachen. Dort war er nicht etwa nur Statist, sondern mauserte sich, je länger das Turnier dauerte, umso mehr zu einem sicheren Wert in der Schweizer Defensive. Für sein Alter erstaunlich abgeklärt und mit immer tieferer Fehlerquote. Auch bei ihm dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, ehe die NHL-Teams ihr Interesse bekunden.

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Tristan Scherwey (27)

Der Stürmer des SC Bern ist in unserer Liga bekannt als Energiespieler, der die Gegenspieler mit harten Checks aus der Balance zu werfen vermag. Nun zeite er auch bei seiner ersten WM-Teilnahme viele bemerkenswerte Leistungen. Scherwey ist ein schneller, dankbarer, harter Arbeiter für den Checker-Block, der in den K.o.-Spielen den gegnerischen Stars aus Finnland, Kanada und Schweden das Leben immer wieder schwermachte. Schoss dazu im Halbfinal gegen Kanada das wegweisende 1:0. Man würde ihn gerne einmal in der NHL am Werk sehen.

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Grégory Hofmann (25)

Der Flügelstürmer des HC Lugano war der torgefährlichste Spieler der letzten NLA-Playoffs (14 Tore in 18 Spielen). Nun hat er endlich auch mal auf internationalem Niveau sein Können unter Beweis gestellt. Seine Schnelligkeit und sein Schuss bewegen sich schon fast auf Weltklasse-Niveau. Sein Zweikampf- und Defensivverhalten sind aber immer noch teilweise gravierende Schwachpunkte. Kann er die ausmerzen, dann wäre er bereit für noch höhere Aufgaben.