Eishockey
Der NLB-Meister-Pokal zu Besuch im Spital

Auf diese Episode der Feierlichkeiten hätten die Spieler gerne verzichtet: Sie haben gestern den NLB-Meisterpokal ins Spital Langenthal getragen. Ans Bett ihres Leitwolfes Jeff Campbell.Der Ausfall von Langenthals Topskorer Jeff Campbell senkt die Aufstiegschancen markant.

Klaus Zaugg
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Trotz Wadenbeinbruch: Jeff Campbell nimmt die Glückwünsche von Johann Schneider-Ammann entgegen.

Trotz Wadenbeinbruch: Jeff Campbell nimmt die Glückwünsche von Johann Schneider-Ammann entgegen.

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Bevor Jeff Campbell in den Operationssaal gerollt wurde, wünschten ihm die Mitspieler noch einmal alles Gute, und sie hatten den «Meister-Chübel» mitgebracht. Im Laufe des Nachmittags ist der Kanadier operiert worden und gegen 18 Uhr erwachte er aus der Narkose. Mit Schrauben ist sein Wadenbeinbruch fixiert worden. Es wird mindestens drei Monate dauern, bis alles verheilt ist.

«Man darf die Frage schon stellen, ob ein solcher Check zu diesem Zeitpunkt notwendig ist..»

Die Szene, die jetzt für die anstehende Liga-Qualifikation gegen Ambri alles verändert, spielte sich 41 Sekunden vor Schluss der Partie gegen Lausanne ab (4:1). Lausannes tumber Haudegen Josh Primeau, ein Kanadier mit Schweizer Lizenz, zuvor kaum eingesetzt, checkte Jeff Campbell in die Bande. Eine solche Aktion, wenn alles entschieden ist, das Spiel und die Serie, gehört zum Übelsten, was es im Eishockey gibt.

Unabhängig davon, ob es ein Foul oder kein Foul ist oder eine Verletzungsabsicht dahintersteckt. Schiedsrichterchef Reto Bertolotti war im Schoren und hat die Szene gesehen. «Es war ein harter, aber fairer Check. Doch die Frage darf man schon stellen, ob denn eine solche Aktion zu diesem Zeitpunkt noch notwendig ist ...»

Aufstieg: Bewilligung mit Auflagen

Wer sportlich den Aufstieg geschafft hat, ist noch nicht oben: Erst wenn die Lizenz-Kommission der Nationalliga grünes Licht gegeben hat, ist der Aufstieg in die NLB oder in die NLA vollzogen. Vor Jahresfrist ist ja den Huttwil Falcons der NLB-Aufstieg aus formellen Gründen verweigert worden. Die Langenthaler haben alle Gesuche fristgerecht eingereicht und die Lizenz-Kommission hat sich zu einem Entscheid bequemt. Sie sagt: «Langenthal darf aufsteigen, aber ...» Das bedeutet: Eine Aufstiegsbewilligung mit Auflagen. Diese Auflagen betreffen die Verbesserungen der Infrastruktur des Stadions und finanzielle Garantien. Theoretisch wird die Aufstockung des Budgets von heute rund 3,5 auf 5,5 Millionen verlangt. Sollten die Langenthaler die Liga-Qualifikation gewinnen und auf den Aufstieg verzichten - diese Option hält sich Präsident Stephan Anliker offen -, steht die Liga vor einem Problem: Dann müsste nämlich Ambri absteigen und Lausanne dürfte, weil es den NLB-Final verloren hat, nicht aufsteigen. Wir hätten dann, zumindest nach Reglement, eine NLA mit elf Teams.(kza)

SCL muss gegen Ambri auf den besten Skorer verzichten

Diese Aktion verändert die ganze Liga-Qualifikation. Die Langenthaler müssen gegen Ambri auf den besten Skorer verzichten. Die beste NLB-Sturmreihe (Stefan Tschannen, Jeff Campbell, Brent Kelly) gibt es so nicht mehr. Einen Ersatzausländer hat der SC Langenthal nicht und muss deshalb nur mit einem Ausländer gegen Ambri (darf zwei seiner acht lizenzierten Ausländer einsetzen) antreten.

«Wir sind während der ganzen Saison von schwerwiegenden Verletzungen verschont geblieben», sagt Geschäftsführer Gian Kampf. «Nicht auszudenken, wenn wir beispielsweise Jeff Campbell schon in den Viertelfinals verloren hätten. So gesehen hatten wir Glück. Aber es bleibt nach einer solchen Aktion einfach ein bitterer Nachgeschmack.»

«Unser Ziel war der Halbfinal»

Sportlich ist die Ausgangslage durch den Ausfall von Campbell fast hoffnungslos. Sportchef Reto Kläy sieht noch ein Problem. «Wir müssen erst herausfinden, ob wir gegen Ambri noch einmal die gleichen Emotionen entfachen können.

Während der ganzen Saison war die Liga-Qualifikation gar nie ein Thema. Keiner von uns hat sich je vorstellen können, dass wir auf einmal um den Aufstieg in die NLA spielen dürfen, und jetzt noch ist es eigentlich ausserhalb jeder Vorstellungskraft, dass wir in die NLA aufsteigen könnten. Unser Ziel war der Halbfinal.»

Es ist noch offen ob alle auslaufenden Verträge verlängert werden

So oder so: Die Liga-Qualifikation ist für den SC Langenthal eine aufregende Ehrenrunde. Und der tüchtige Sportchef hat soeben auch noch einen wichtigen Transfer getätigt: Silvan Lussy (31) verlässt Fribourg-Gottéron. Der kräftige Defensivstürmer (186 cm/86 kg) mit der Erfahrung aus 251 NLA-Spielen hat für drei Jahre beim SC Langenthal unterschrieben. Er ist nach Rumpelflügel (187 cm/91 kg) Stephan Moser (26) vom HC La Chaux-de-Fonds der zweite wichtige Zuzug für nächste Saison.

Auch wenn noch offen ist, ob alle auslaufenden Verträge (u.a. mit Nicolas Steiner, Tim Weber und Yves Müller) verlängert werden: Der Kern der Mannschaft (inklusive Trainer Heinz Ehlers) steht für nächste Saison unter Vertrag (Kelly und Campbell bis 2014, Tschannen bis 2017). Eine Wiederholung der grandiosen Saison 2011/12 ist sehr gut möglich. Zumal ja Jeff Campbell, der bis dahin in zwei Jahren noch keine Partie verpasst hatte, beim ersten Spiel im nächsten Herbst wieder dabei sein wird.

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