Corona-Rettungspaket

Eishockey-Hilfspaket: Opium fürs Volk, Medizin fürs Hockey

Ob Hockeystars wie die Zuger Leonardo Genoni (Torhüter) und Gregory Hofmann (Topskorer) auf Lohn verzichten werden?

Ob Hockeystars wie die Zuger Leonardo Genoni (Torhüter) und Gregory Hofmann (Topskorer) auf Lohn verzichten werden?

Das 75-Millionen-Hilfspaket fürs Profi-Eishockey ist ein politisches Meisterstück.

Die Hilfsgelder sind ein Meisterstück der hohen ­Politik: Es handelt sich offiziell um ein Kredit-Paket in der ­Gesamthöhe von 75 Millionen. Es gibt theoretisch strenge Auflagen und das Geld aus den öffentlichen Kassen muss zurückbezahlt werden. Sogar eine ­Solidarhaft ist vorgesehen: Zahlt ein Klub den Kredit nicht zurück, ­haftet die Liga. Also denkt das Volk: So ist’s recht! Unser Steuerbatzen wird nicht für ­Löhne «missbraucht».

Das ist politisches Opium für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Aber es gibt keine Garantie, dass beanspruchte Kredite je vollständig zurückbezahlt werden. Wer weiss denn schon, wie die Welt aussieht, wenn in zehn ­Jahren die letzten Rückzahlungsfristen auslaufen? Mit etwas Boshaftigkeit dürfen wir das Hockey-Hilfspaket als Subventionen im Schafspelz von Krediten bezeichnen. Aber eben mit einer ganz bitteren Pille für die Hockey-­Bürogenerale: Die Landesregierung hat in offizieller Mission moniert, Spielerlöhne seien zu hoch. Eine solche Einmischung in den Profisport hat es in der Geschichte unseres Sportes noch nie gegeben. In einer Absichtserklärung haben sich die Klubs gar dazu verpflichtet, die Löhne in den nächsten drei Jahren um 20 Prozent zu senken. Was für ein Kniefall vor der Politik!

Zum ersten Mal Gedanken an eine Lohnobergrenze

Diese bundesrätliche Lohnrüge tut der Kaste der Hockey-Jungmillionäre und Funktionäre weh, dem Eishockey gut, gefällt dem Volk und führt nun zu einem höchst ­bemerkenswerten Schritt: Die Liga arbeitet unter dem Schock der ­Virus-Krise zum ersten Mal konkret an einem «Salary-Cap». Also an einer Lohnobergrenze, die, wenn sie denn im August von den Klubvertretern tatsächlich beschlossen wird, 2023 oder 2024 in Kraft treten wird. Dann dürfen die Klubs für Spielerlöhne nur noch eine durchs Reglement festgesetzte Maximal-Summe ausgeben.

Unsere höchste Fussball-Spielklasse ist im internationalen Vergleich eine Ausbildungsliga mit bescheidenem ­Salärniveau (die Durchschnittslöhne im Hockey sind höher) und ist wirtschaftlich und sportlich von den Topligen der Welt so weit entfernt wie eine 1. August-Rakete vom Mond.

Auch Simon Moser (links) vom SC Bern soll zu den Spitzenverdienern im hiesigen Eishockey zählen.

Auch Simon Moser (links) vom SC Bern soll zu den Spitzenverdienern im hiesigen Eishockey zählen.

Unsere höchste Eishockey-Liga ­hingegen lockt weltweit nach der NHL am meisten Zuschauer an, zahlt nach der NHL und der russischen KHL die höchsten Löhne und ist sportlich eine der besten Ligen der Welt. Das Spieler-Angebot ist so knapp, dass es inzwischen zu einer Lohn-Hochkonjunktur gekommen ist, die nur noch durch einen künstlichen Eingriff in den Markt korrigiert werden kann. Klug und gut also hat der Bundesrat sein Hilfspaket mit einer Lohnrüge kombiniert.

Meistgesehen

Artboard 1