Langlauf-WM
Dario Cologna ist kein Medaillenkandidat mehr – oder doch?

Der vierfache Olympiasieger hält zwar noch immer mit den Besten mit, er kann sie aber nicht mehr schlagen. Trotzdem startet er mit dem Selbstverständnis eines Medaillengewinns in die WM-Rennen.

Rainer Sommerhalder
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Dario Cologna: seit zwölf Jahren Sonderklasse im Langlauf.

Dario Cologna: seit zwölf Jahren Sonderklasse im Langlauf.

Bild: Keystone

Einen wie ihn darf man nie ganz abschreiben. Auch wenn Dario Cologna im März 35 Jahre alt wird, gehört der vierfache Olympiasieger nach wie vor zu den besten Langläufern der Gegenwart. Seinen ersten Weltcupsieg feierte der Bündner mit italienischen Wurzeln vor mehr als zwölf Jahren. Die damaligen Gegner wie Axel Teichmann, Martin Sundby oder Petter Northug sind längst zurückgetreten, nicht mehr konkurrenzfähig oder gar im Gefängnis.

Nur Cologna ist noch da. Er lief auch im aktuellen Winter wieder aufs Weltcuppodest – so wie jedes Jahr seit 2009. Und er hat sich für die Weltmeisterschaften in Oberstdorf den Gewinn einer Medaille zum Ziel gesetzt. Primär weil es nach seinem Selbstverständnis an einem solchen Anlass um nichts anderes geht. Und selbst wenn er zugeben muss, «sicher nicht als grosser Favorit ins Rennen zu steigen. Man kann von mir keine Medaille erwarten. Dieses Vorhaben wird sehr schwierig».

Drei Chancen, aber wenig Argumente

Tatsächlich lassen Colognas Auftritte in diesem Winter nicht erkennen, wie der erfolgreichste Schweizer Wintersportler der Geschichte an den übermächtigen Norwegern und Russen vorbeikommen soll. Höchstens sie schiessen sich gegenseitig ab, wie bei Colognas einzigem Top-3-Platz zum Auftakt der Tour de Ski im heimischen Val Müstair.

Drei Versuche hat der nach wie vor stärkste Schweizer Distanzläufer an den Titelkämpfen im Allgäu: Heute Samstag im Skiathlon über 30 km, am Mittwoch über 15 km Freistil und zum Abschluss der WM im prestigeträchtigen Fünfziger. Es gibt zweifellos mehr Gründe, die gegen als für einen Medaillenzuwachs im Schaukasten seiner Wohnung in Davos sprechen.

Bei seinem letzten grossen Triumph, dem Olympiasieg über 15 km Freistil in Pyeongchang, benötigte Cologna den Skiathlon, um nach einer Rennpause seine Topform zu finden. Diesmal liegt der letzte Weltcupeinsatz sogar vier Wochen zurück. «Nicht ideal», sagt Cologna selbst. Und dieser Weltcup in Falun lief nicht nach seinem Gusto. Viele Experten sehen die grössten Chancen für einen Exploit im einzigen Rennen mit Einzelstart. Drei seiner vier Olympiasiege errang Cologna im Kampf gegen die Uhr. Das Problem ist, dass der 34-Jährige zuletzt ausgerechnet in dieser Sparte am wenigsten überzeugen konnte.

Bleibt die Königsdisziplin über 50 Kilometer. Diese wird im klassischen Stil ausgetragen und dafür gibt es einige Spezialisten, die dem Allrounder Cologna in ihrer bevorzugten Technik einen Tick voraus sind. Allerdings gewann Cologna eine seiner drei WM-Medaillen (Silber im Val di Fiemme) über 50 km klassisch. Nur liegt das acht Jahre zurück. Bei den vergangenen zwei Weltmeisterschaften 2017 in Lahti und 2019 in Seefeld belegte er in den Einzelrennen die Ränge 7, 6, 13 und 7.

Stehvermögen wichtiger als Spurtstärke?

Platzierungen in dieser Region sind realistisch gesehen auch jetzt eine gute Ausbeute. Was aber spricht für mehr? Vielleicht die äusseren Bedingungen mit sehr warmen Temperaturen. In Vancouver und Sotschi reüssierte Cologna bei ähnlichen Verhältnissen mit tiefen Verhältnissen und sehr harten Rennen. «Wenn man gute Beine hat, ist vieles möglich», sagt Cologna. «Wer sich gut fühlt, kann im sehr langen Anstieg vielleicht die Differenz schaffen. Es wird viele geben, die das probieren werden.» Er freue sich auf die Rennen und sei zuversichtlich.

Für den Skiathlon rechnet Cologna mit einem Ausscheidungsrennen. Es gebe genügend Athleten, die nicht an einer Spurtentscheidung interessiert seien. Sich im Feld verstecken und die Kräfte gut einteilen, dabei aber die entscheidende Gruppe nicht verpassen. Der Schlachtplan steht. Ob er aufgeht, ist eine andere Frage.

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