FC Basel
Nach dem 2:2 gegen GC stärken die Spieler Patrick Rahmen den Rücken: «Ein sehr guter Trainer und ein sehr guter Mensch»

Auch im letzten Spiel des Jahres 2021 strapaziert der FC Basel die Nerven seiner Fans und wieder rettet Pajtim Kasami in der Nachspielzeit gegen GC einen Punkt – Thema des Tages aber ist Patrick Rahmen.

Christoph Kieslich 2 Kommentare
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Leitet er sein letztes Spiel für den FCB? Vor Anpfiff ist Patrick Rahmen zuversichtlich, dass er auch nach der Winterpause noch Trainer ist.
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Sie schafften etwas, was die FCB-Fans am Mittwoch in Bern nicht schafften: Die GC-Fans sind beim Spiel dabei.
Der FC Basel bestimmt in der ersten Halbzeit das Spielgeschehen, auch wenn GC die ersten beiden Topchancen hat.
Augen zu und durch: Die Startphase ist hart umkämpft.
Taulant Xhaka versucht schon früh, seinen Gegenspieler auf Distanz zu halten.
Es dauert bis zur 45. Minute, bis der FC Basel in Führung geht. Dann stochert Stocker den Ball über die Linie.
Der GC-Torhüter liegt am Boden und kann den Rückstand nicht verhindern.
Valentin Stocker dreht jubelnd ab. Das 1:0 zur Pause geht absolut in Ordnung.
Für den Captain ist es das zweite Saisontor.
Dementsprechend ausgelassen feiert Stocker das Tor mit seinen Teamkollegen.
Auch in der zweiten Halbzeit versucht Tomas Tavares, seinen Gegenspieler auf Distanz zu halten.
Doch plötzlich gerät der FCB ins Straucheln.
Denn Hayao Kawabe erzielt in der 54. Minute den überraschenden Ausgleich.
Der Japaner feiert frenetisch.
Und es kommt noch schlimmer für den FCB: Nach 86 Minuten schiesst Petar Pusic die Gäste in Führung.
Die Zürcher haben den Sieg vor Augen.
Bei den Baslern hängen die Köpfe hingegen tief.
Weil Sebastiano Esposito die Nerven verliert, hat der FCB am Schluss auch noch einen Mann weniger.
Doch es kommt die verrückte Schlussphase: Pajtim Kasami erzielt doch noch den Ausgleich.
Während der Schock bei GC gross ist, schöpft der FCB neue Hoffnung.
Kasami hatte schon im letzten Heimspiel spät den Ausgleich erzielt.
Mit der allerletzten Aktion trifft Cabral nur den Pfosten.
Der frust über den verpassten Sieg ist riesig.
Ein symptomatisches Bild: Am Ende ist keiner mit dem Punktgewinn zufrieden.

Leitet er sein letztes Spiel für den FCB? Vor Anpfiff ist Patrick Rahmen zuversichtlich, dass er auch nach der Winterpause noch Trainer ist.

Urs Lindt / freshfocus

Natürlich gab es nach dem kleinen sonntäglichen Drama im Joggeli nur ein Thema. Nicht das nervenaufreibende 2:2 gegen GC, nicht weitere Punkte, die der FC Basel hat liegenlassen. Sondern: Bleibt Patrick Rahmen Trainer des FCB? Oder sucht sich die Klubleitung einen Neuen? Dafür sprechen etliche Signale, die ausgesendet wurden, zuletzt befeuert durch Aussagen des künftigen Verwaltungsratspräsidenten David Degen am Spieltag, über deren Zeitpunkt man irritiert sein kann.

Aber Stilfragen scheinen von untergeordneter Bedeutung zu sein. An diesem Montag wird Zwischenbilanz gezogen. Und die sieht an manchen Stellen gut aus, an anderen durchwachsen. In der Meisterschaft liegt der FCB zur Saisonhalbzeit weiter hinter dem Leader FCZ zurück, als es ihm lieb sein kann, aber immerhin einen Punkt vor Titelverteidiger YB.

Also sagte es Rahmen vor dem Spiel und auch danach: Er gehe davon aus, dass er auch am 2. Januar, wenn die kurze Pause vorüber ist, weiter Trainer des FC Basel ist. Und er weiss auch schon, wo er den Hebel ansetzen will, um dem Team wieder mehr Kreativität und Effizienz zu verleihen. «Die Kritik, dass wir nach vorne nicht immer die Lösung finden, ist berechtigt», räumt Rahmen mit Blick auf die letzten Wochen ein.

«Dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen»

Von seinen Spielern stellten sich am Sonntag zwei der erfahrenen den unangenehmen Fragen nach der Zukunft des Trainers. Valentin Stocker, der mit seinem dritten Saisontor in der Liga zum 1:0 der Wegbereiter zu einem versöhnlichen Jahresabschluss schien, offenbarte sich als ungeeigneter Prophet: «In solchen Sachen bin ich schlecht.»

Er meinte bei allem Frust darüber, wieder nicht vor heimischem Publikum gewonnen zu haben: «Man darf nicht vergessen, wo wir herkommen. Es ist okay, was wir bisher erreicht haben, aber wir hätten auch noch mehr herausholen können.» Heinz Lindner warf sich noch ein bisschen vehementer für Rahmen in die Bresche: «Ich wünsche ihm nur das Beste. Er ist ein sehr guter Trainer und ein sehr guter Mensch.»

Welchen Einfluss ein solches Spielervotum auf die Entscheidungsträger hat? Der Plan der Mannschaft ging am Sonntag jedenfalls nicht auf: «Wir haben versucht, unseren Teil mit einem Sieg beizutragen, damit Ruhe reinkommt», so Lindner.

Ja, tatsächlich, Fussball gespielt wurde am Sonntag auch noch. Vor über 21000 Zuschauern, darunter rund 250 GC-Fans, die trotz geschlossenem Gästesektor anreisten und im zweiten Rang der Gellert-Kurve platziert wurden. Und sich dort anständig aufführten, soweit man das beurteilen kann.

Die Vorstellung des FCB war weitgehend ein Abziehbild der zurückliegenden Spiele. Mit relativ grossem Aufwand wurde der Gegner bearbeitet. Und mit gleichbleibender Konstanz wurden dem Gegner Chancen offeriert. So wie Hayao Kawabes gewaltiger Volleyschuss zum 1:1.

Einmal mehr rettet Kasami dem FCB einen Punkt

Weil die Grasshoppers immer frecher wurden, war deren Führungstor durch einen für einmal haltbaren Schuss von Petar Pusic nicht unverdient (86.). Weil sich Sebastiano Esposito die nächste Dummheit leistete bei einem überflüssigen Stirn-an-Stirn-Hahnenkampf mit Shkelqim Demhasaj und weil Pusic’ Griff an den Hals des Italieners ungeahndet blieb, schienen dem FCB in Unterzahl die Felle davonzuschwimmen. Und damit auch Rahmen die Argumente.

Aber da ist noch Pajtim Kasami, der Spezialist für die späten Tore (93.). Und hätte Cabral in der achten Minute der Nachspielzeit nicht nur den Pfosten getroffen – das Drama hätte noch ein aus Basler Sicht glückliches Ende genommen.

Das Telegramm

Basel - GC 2:2 (1:0)

St. Jakob-Park – 21 422 Zuschauer. – SR: Alain Bieri. – Tore: 45. Stocker (Males) 1:0. 53. Kawabe (Herc) 1:1. 86. Pusic (Arigoni) 1:2. 93. Kasami (Lang) 2:2.

Basel: Lindner; López (88. Lang), Frei, Pelmard, Tavares; Xhaka (88. Fernandes), Kasami; Stocker (63. Esposito), Males (83. Palacios), Millar (83. Ndoye); Cabral.

GC: Moreira; Arigoni (92. Cvetkovic), Margreitter, Toti, Hoxha (46. Pusic); Herc (78. Lenjani), Diani (92. Loosli), Schmid; Kawabe; Bonatini (81. Demhasaj), Sène.

Bemerkungen: Basel ohne Burger (gesperrt), Petretta, Zhegrova und Padula, (alle verletzt). GC ohne Morandi, Abrashi und Bolla (alle verletzt). – Platzverweis: 89. Esposito (Tätlichkeit). – Verwarnungen: Diani, Kawabe, Bonatini, Ndoye, Demhasaj, Cabral, Margreitter. – 59. Lattenschuss von Herc. 98. Pfostenschuss von Cabral.

2 Kommentare
Daniel Wisler Wisler

Ihre Analyse in Ehren: Nun ist noch keine Saison vorbei mit dem neuen Trainer und einer Mannschaft, die noch nicht zusammengewachsen ist. Trotzdem steht da Platz 2, aber natürlich steht noch viel Arbeit an. Ich wünsche Rahmen und dem FCB bessere Fans, als Endzeitpropheten wie sie.

Jürg Bloch

Was da auf diese Saison hin zusammengekauft und zusammengeliehen wurde kann in der bescheidenen "Super"-League nicht mithalten. Zwischen den zwei Spitzenkräften im Tor und in der Sturmspitze nur gealterten Bundesliga rentner und gescheiterte ehemalige Talente. Dazu kommt eine unerfahrene ungeschickt agierende Vereinsführung. Da nützt der beste Trainer nicht viel. Mittelmass und Zuschauerschwund sind das Resultat. Dieses kommerzielle Gebilde hat massiv an Niveau und damit an Rückhalt in der Region verloren. Nicht schlimm, alles hat ein Ende.....

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