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Edith Wolf-Hunkeler blickt auf ihr Karrieren-Highlight zurück – es war eine Goldmedaille für das Familienprojekt

Edith Wolf-Hunkeler posiert mit ihrer Tochter Elin und der Goldmedaille über 5000 Meter.

Edith Wolf-Hunkeler posiert mit ihrer Tochter Elin und der Goldmedaille über 5000 Meter.

Acht paralympische Medaillen, 15 Podestplätze bei Weltmeisterschaften, 13 EM-Titel und 60 Erfolge bei nationalen Meisterschaften – die Entscheidung für den einen Sportmoment war nicht einfach, aber für Familienmensch Edith Wolf-Hunkeler typisch.

Viele Gründe sprechen für London. Also jetzt nicht – wie vielleicht aus touristischer Sicht – die Tower Bridge oder der Buckingham Palace. Aber die Paralympics des Jahres 2012 haben bei Rollstuhlsportlerin Edith Wolf-Hunkeler bleibende Eindrücke hinterlassen. «London hat Spiele organisiert, die mich schlicht und einfach beeindruckt haben. Wir Athletinnen und Athleten haben uns bei diesen Paralympics ernstgenommen und als richtige Sportlerinnen und Sportler gefühlt.»

In Athen (2004) oder Peking (2008) war rund um die Sportstätten der Paralympics und im olympischen Dorf bereits der Rückbau der Olympia-Infrastrukturen im Gang, nicht so in London. Das Leichtathletik-Stadion in London war, egal ob während der Morgen-Session oder am Abend, ausverkauft. «Und das hat man an der Stimmung gemerkt. Es war laut», erinnert sich Hunkeler. «Und bis nicht die letzte Siegerehrung vorbei gewesen ist, hat keiner das Stadion verlassen. Ich habe für mich das Klischee des teetrinkenden, etwas steifen Engländers revidieren müssen – die Atmosphäre war schlicht faszinierend.»

12 Minuten, 27 Sekunden und 87 Hundertstel

Diese Eindrücke sind ein Grund dafür, dass Edith Hunkelers Wahl des persönlichen Sportmoments auf die Paralympics von London als Rahmen gefallen ist. Der eigentliche Moment kann dann auf den 2. September 2012 datiert werden. Nach 12 Minuten, 27 Sekunden und 87 Hundertstelsekunden rollte die heute 47 Jahre alte Luzernerin an diesem Sonntag knapp vor der Amerikanerin Shirley Reilly und der Australierin Christie Dawes über die Ziellinie und gewann Gold über die 5000 Meter.

«Ausgerechnet in meinem ersten Rennen der Paralympics 2012 und ausgerechnet in jener Disziplin, in der ich vier Jahre zuvor in Peking so schwer gestürzt bin. Das hat alles noch etwas spezieller gemacht», sagt Edith Hunkeler heute. Und im Siegerinterview von damals sagt sie:

Die sportliche Bedeutung ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der anderen, letztlich der für die Bezeichnung «Sportmoment» ausschlaggebenden Seite, liegt eine private und persönliche Note zugrunde. Es waren Edith Hunkelers erste Paralympics als Mutter. Und weil sich Ehemann und Trainer Mark Wolf, das knapp zwei Jahre alte Töchterchen Elin sowie Grossmutter Sonja Zäch in der Nachbarschaft des olympischen Dorfes in einem Appartement einquartiert hatten, war die Familie beim grossen Erfolg hautnah dabei. «London war tatsächlich ein Familienprojekt.

Die Schweizerin Edith Wolf-Hunkeler, rechts, fährt über 5000 Meter an den Paralympics in London 2012 zum Sieg.

Die Schweizerin Edith Wolf-Hunkeler, rechts, fährt über 5000 Meter an den Paralympics in London 2012 zum Sieg.

Mit dem Rennen konnte ich dieses Projekt, das mit der Vorbereitung auf den Anlass viele Hochs und Tiefs mit sich gebracht hatte, noch vergolden.» Weil sie in London nicht nur als Sportlerin, sondern auch in der Rolle der Mutter gefragt gewesen war, hätten die Tage auf der Insel zusätzlich einen besonderen Wert bekommen. «Ich konnte dank der Familie aus dem Hamsterrad, mit den dominierenden Themen Vorbereitung, Wettkampf und mentalem Druck, ausbrechen», erklärt Hunkeler diese Besonderheit.

Medaillen und Pokale bedeuten Edith Hunkeler wenig. Deshalb finden sich im Hause Wolf-Hunkeler solche auch nicht als Wandschmuck oder hinter Glas in Vitrinen. «Die an den Paralympics gewonnenen Medaillen bewahre ich in einem Schrank auf. Viele der anderen Auszeichnungen habe ich in einer Schachtel zum Spielen für die Kinder bereitgestellt.» Edith Hunkelers wahre Auszeichnungen sind bleibende, ganz persönliche Dinge: Eindrücke, Erlebnisse und – vor allem das – Gefühle. Deshalb will die Familie bald einmal dorthin zurückkehren, wo Edith Hunkelers Sportmoment stattgefunden hat. Es wird eine emotionale Rückkehr nach London werden– vielleicht liegt dann sogar ein Besuch der Tower Bridge oder des Buckingham Palace drin.

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