NLA-Playoffs

Die verlorene sportliche Ehre der ZSC Lions

Die verlorene sportliche Ehre der ZSC Lions. So lässt sich das schmählichste Scheitern aller Zeiten (seit der Gründung der ZSC Lions 1997) auf einen Nenner bringen.

Vier Niederlagen in Serie für den Qualifikationssieger gegen den SC Bern. Das hat es noch nie gegeben. Schlimmer noch: die Zürcher waren nicht wild entschlossen, nicht böse, nicht bissig, nicht schlau, nicht leidenschaftlich. Sie wirkten, gemessen an der Bedeutung einer Partie der allerletzten Chance, beinahe gleichgültig.

Sie glaubten nie an ihre Chance und so hatten sie auch nie eine Chance. Das Teammeeting noch am Dienstag nach der dritten Niederlage und unter Ausschluss des Trainers hat nichts bewirkt. Die Dramatik rund um diese Partie beschränkte sich auf das Wissen, wie schmählich dieses Scheitern des grossen Favoriten ist.

Das Spiel alleine, auf recht gutem Niveau, offenbarte dem neutralen Beobachter nicht, um wie viel es hier ging. Was ein Drama hätten sein können, sein müssen, war bloss ein spielerischer Schwank.

Ist das wirklich wahr?

Und als mit der Schlusssirene das Scheitern der Zürcher sozusagen amtlich bestätigt wird, ist das Gefühl im Stadion nicht eine Eruption der Leidenschaft – eher dominiert ungläubiges Staunen. Ist das wirklich wahr? Fast so, als sei dieses Viertelfinale für die ZSC Lions ein böser Spuk – und für die Berner ein schier unfassbares Wunder. Ein Spuk ist die Bezeichnung für hockeytechnisch unerklärbare, beinahe unheimliche Erscheinungen.

Jetzt, hinterher, sind Erklärungen ja reicht einfach. Die Playoffs seien eben anders. Und natürlich rückt jetzt Coach Marc Crawford nicht zu Unrecht in die Rolle des Sündenbocks. Zu sehr hat er zuvor (gestern nicht mehr) Auston Matthews forciert, zu sehr auf Kosten des 18-jährigen Buben die Teamhierarchie umgebaut.

Und doch reicht das alleine nicht als Erklärung, warum bei den ZSC Lions alles, was vom September bis Ende Februar funktionierte, nicht mehr funktioniert hat. Und warum den Bernern alles, was ihnen vom September bis Ende Februar nicht gelungen war, nun gelungen ist. Es gibt noch viel Arbeit für die «Küchentisch-Psychologen».

Lars Leuenberger oder Larry Lionhill

Szenen, die uns diese Serie erklären: Die Zürcher, unter ihnen die Titanen Auston Matthews und Robert Nilsson, bringen im Gerangel die Scheibe vor dem eigenen Tor nicht unter Kontrolle. Berns Andrew Ebbet erzielt das 1:0. Der US-Wunderknabe Auston Matthews im Zentrum des Versagens. Es ist bereits das Ende.

Ein besseres Beispiel dafür, dass eine Mannschaft stärker ist als eine Gruppe von Einzelspielern, hat es noch selten gegeben. Zumal beim SCB ja die beiden WM-Silberhelden Martin Plüss (krank) und Eric Blum (verletzt) nach wie vor fehlen.

Der sensationelle Ausgang dieser Viertelfinalserie hat für beide Mannschaften Folgen. Bei den ZSC Lions geht die Amtszeit von Marc Crawford nach vier Jahren, einem Titel und einem verlorenen Final, zu Ende. Die ZSC Lions brauchen einen neuen Trainer.

Beim SC Bern schien eigentlich klar, dass die Amtszeit von «Nottrainer» Lars Leuenberger mit dem Saisonschluss zu Ende ist und Finnlands Nationaltrainer Kari Jalonen übernimmt. Nun hat der «kleine Lars» den SCB zu einem der wundersamsten Erfolge der Klubgeschichte geführt – wäre er ein Kanadier und hiesse Larry Lionhill, würde sein Vertrag um mindestens zwei Jahre verlängert.

Meistgesehen

Artboard 1