Skispringer
Die ungleichen Freunde sind aus dem Doppelbett geflogen, aber nun wollen sie zum Tourneesieg fliegen

Skispringer Karl Geiger und Markus Eisenbichler sollen das deutsche Trauma an der Vierschanzentournee beenden. Seit 19 Jahren warten die erfolgsverwöhnten Athleten auf einen Gesamtsieg.

Rainer Sommerhalder
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Karl Geiger (links) und Markus Eisenbichler wollen auch an der Vierschanzentournee jubeln und Deutschland den ersten Sieg seit 19 Jahren bescheren.

Karl Geiger (links) und Markus Eisenbichler wollen auch an der Vierschanzentournee jubeln und Deutschland den ersten Sieg seit 19 Jahren bescheren.

Keystone

Die deutschen Skispringer haben im vergangenen Jahrzehnt praktisch alles gewonnen – bei Olympia, an der WM, im Weltcup. Nur vor der eigenen Haustüre, an der prestigeträchtigen Vierschanzentournee, wartet Deutschland so lang wie keine andere Topnation auf den Gesamtsieg. Sven Hannawald gelang dies vor 19 Jahren.

Zwar standen zuletzt in fünf Anläufen fünf verschiedene deutsche Athleten auf dem Tour-Podest. Aber nie zuoberst. Nun lässt ein Duo die Herzen der deutschen Skisprungfans höher schlagen. Markus Eisenbichler und Karl Geiger sind nicht nur zwei ziemlich unterschiedliche Typen, die beiden Bayern teilen sich für gewöhnlich auch das Zimmer bei Trainingslagern und Wettkämpfen.

Doch Corona hat die Hoffnungsträger aus dem gemeinsamen Zimmer verscheucht. Derzeit werden die Athleten aus Angst vor einer Ansteckung einzeln untergebracht. Für den 27-jährigen Karl Geiger spielt dies seit zwei Wochen im Grunde keine Rolle mehr. Denn Mitte Dezember erlebte der Springer aus dem Tourneeort Oberstdorf Himmel und Hölle. Zuerst gewann er hauchdünn vor dem Norweger Halvor Granerud den WM-Titel im Skifliegen. Einen Tag später erlebte er die Geburt seiner Tochter mit. Und nochmals 48 Stunden später gab er einen positiven Coronatest ab.

Nun steigt Karl Geiger direkt aus einer zehntägigen Isolation in die Tournee ein. Damit sei er zumindest nicht mehr in der Favoritenrolle, sagt Nationaltrainer Stefan Horngacher. Der Tiroler glaubt trotzdem, «dass wir zwei Springer haben, welche die Tournee gewinnen können».

Neben dem ruhigen, introvertierten Geiger hat Deutschland mit Markus Eisenbichler ein zweites heisses Eisen im Feuer. Der Weltmeister gewann zum Saisonauftakt zweimal im Weltcup, ehe er vom derzeit überragenden Norweger Granerud als Seriensieger abgelöst wurde.

Doch die Tournee kennt eigene Gesetze und so ist man im Lager der Deutschen zuversichtlich, dass das ungleiche Duo Geiger/Eisenbichler den Wikinger nach fünf Weltcupsiegen am Stück bei der Tournee wieder vom Thron verstossen kann.

Ungleich deshalb, weil der 29-jährige Eisenbichler ein Athlet ist, der seine Motivation aus den Emotionen holt. Laut und schrill trifft leise und bescheiden. «Sie ergänzen sich als Zimmerkollegen so ziemlich», sagt Trainer Horngacher lachend. «Ich denke, ich kann gewinnen. Ich bin in einer Form, die ich so noch nie hatte», sagt Eisenbichler. «Ich muss ruhig bleiben», sagt Geiger. Hannawald beerben wollen sie beide.