DFB-Pokal
Stadtmeister Union Berlin ist mit Urs Fischer im Hoch – und träumt vom Heimfinal

Union Berlin mit Trainer Urs Fischer ist die Nummer eins der Stadt und klopft an die Türe des Europapokals. Am Mittwoch wollen «die Eisernen» in Leipzig in den Cupfinal klarmachen. Doch: Bisher ist die Bescheidenheit Trumpf.

Raphael Gutzwiller
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Union-Trainer Urs Fischer.

Union-Trainer Urs Fischer.

Andreas Gora / dpa

Der Ball ist nach einer zu langen Flanke eigentlich fast draussen. Doch Grischa Prömel spurtet an die Seitenauslinie, rettet ihn gerade noch. Wenig später ist der Ball für Union wieder verloren, Prömel kommt aber erneut an den Ball und schlenzt ihn rein in die Maschen. Es ist das 2:0-Siegtor für ein überlegenes Union Berlin im Bundesligaspiel gegen Barcelona-Bezwinger Eintracht Frankfurt.

Eine Woche nach dem 4:1-Sieg im Derby gegen die Hertha wird Union Berlin mit «Stadtmeister, Stadtmeister!»-Sprechchören empfangen. Es folgt eine überzeugende Vorstellung und der dritte Sieg in Serie. Dem Team von Urs Fischer ist mit dem dominanten Auftritt die Generalprobe geglückt für ein «Highlight-Spiel», wie es Fischer nennt. Am Mittwoch spielt Union Berlin in Leipzig um den Einzug in den Cupfinal.

Die Fans von Union Berlin feiern die «Stadtmeisterschaft».

Die Fans von Union Berlin feiern die «Stadtmeisterschaft».

Clemens Bilan / EPA

Abgang von Max Kruse ist verdaut

Die Aktion von Grischa Prömel steht sinnbildlich für die Spielweise von Union Berlin. Weder die Spieler noch die Fans, die ihn in der Aktion anfeuern, geben einen Ball verloren. «Es ist unglaublich, wie die Unioner ihren Verein leben», stellte Prömel fest. Er ist wie viele andere Spieler einer jener Akteure, die erst in Berlin richtig in der Bundesliga Fuss fassen konnten.

Die beiden Unioner Sheraldo Becker (links) und Grischa Prömel jubeln.

Die beiden Unioner Sheraldo Becker (links) und Grischa Prömel jubeln.

Clemens Bilan / EPA

Als im Winter mit Max Kruse der einzige echte Star den Klub überraschend in Richtung Wolfsburg verlassen hatte, zeigte sich das in den ersten Begegnungen danach. Die Resultatkrise ist inzwischen aber wieder überwunden. Der Ausnahmekönner Kruse konnte durch mannschaftliche Geschlossenheit ersetzt werden. In die Bresche springen Namen wie Prömel, Sheraldo Becker – oder Torjäger Taiwo Awoniyi, der eine so starke Saison spielt, dass er von der halben Premier League gejagt wird.

Union klopft wieder bei Europa an

Der Schweizer Trainer Urs Fischer hat es einmal mehr geschafft, Union Berlin ein neues Gesicht zu geben. In der dritten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte hat sein Team so viele Punkte geholt wie noch nie. Als der ehemalige FCZ-, Thun- und Basel-Trainer im Sommer 2018 Union Berlin übernahm, spielte der Traditionsklub aus dem Stadtteil Köpenick noch in der zweithöchsten Spielklasse, hatte bis dahin noch nie Bundesliga gespielt. Inzwischen ist Union ein gestandener Bundesligist, debütierte diese Saison europäisch und ist drauf und dran, sich erneut für Europa zu qualifizieren. Derzeit liegen die «Eisernen» an sechster Position in der Bundesliga.

Die Fans von Union Berlin können sich derzeit freuen.

Die Fans von Union Berlin können sich derzeit freuen.

Constantin Zinn / EPA

Wie in jeder Saison hatte Fischer lange vom Ligaerhalt als Ziel gesprochen, inzwischen sagt er zum Kampf um die europäischen Plätze: «Schauen wir nach dem 34. Spieltag, wozu es gereicht hat.»

«Das hat sich die ganze Union-Familie verdient»

Ähnlich bescheiden äussert sich Fischer auch, wenn es um den Cup-Halbfinal gegen Leipzig geht. Auswärts beim wiedererstarkten Team von Domenico Tedesco sieht sich Union in der Aussenseiterrolle. Ein Weiterkommen käme «einer Sensation sehr nahe», meint Fischer. «Wir brauchen ein optimales Spiel, um für die Überraschung zu sorgen.» Es sei in beiden Halbzeiten eine solch dominante Vorstellung wie in der ersten Hälfte gegen Frankfurt nötig.

Grischan Proemel (links) wählt klare Worte:« Wir werden alles tun, um eine Runde weiterzukommen.»

Grischan Proemel (links) wählt klare Worte:« Wir werden alles tun, um eine Runde weiterzukommen.»

Constantin Zinn / EPA

Grischa Prömel wählt da klarere Worte: «Wir werden alles tun, was in unserer Hand liegt, um eine Runde weiterzukommen und in den Final einzuziehen. Das hat sich die ganze Union-Familie verdient.» Gelinge dies, hätte es für Union Berlin einen besonderern Reiz, da der Final im Berliner Olympiastadion, dem Heimstadion von Stadtrivale Hertha BSC, stattfindet. Für den inoffiziellen Berliner Stadtmeister wäre es das nächste Highlight.