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Der Spengler-Cup – Fluch oder Segen für Ambri-Piotta?

Die Spengler-Cup-Trophäe: das Objekt der Begierde in der Altjahrswoche.

Die Spengler-Cup-Trophäe: das Objekt der Begierde in der Altjahrswoche.

Warum die Spengler-Cup-Teilnahme die Mystifizierung und den ewigen Ruhm von Ambri-Piotta fördert.

Nur ein «Plauschturnier», das nichts mit dem richtigen, dem wahren Hockey zu tun hat? Nein, dieses Jahr ist es anders. Der Spengler-Cup wird die Meisterschaft, den Kampf um die letzten Playoffplätze beeinflussen. Die Frage ist nur: zu Gunsten oder zu Ungunsten von Ambri?

Diese Frage ist deshalb brisant, weil Ambri und der SCB punktgleich die Ränge 8 und 9 belegen. Und soeben hat Ambri dem SCB eine schmähliche Heimniederlage (2:3 n.P.) zugefügt. Ja, Ambri schreibt diese Saison ein Hockey­märchen und rockt auch beim Spengler-Cup, während der grosse, mächtige SCB ruht. Wie jedes Jahr. SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi boykottiert nämlich das Turnier. Er hat klipp und klar erklärt: Solange er etwas in Bern zu sagen habe, werde der SCB nicht beim Spengler-Cup auftreten. Und liefert eine Begründung, die viel für sich hat: Es sei ihm gerade recht, wenn die Konkurrenz über die Festtage in Davos oben Energie verbrauche, während man im Bernbiet ein paar Tage Pause machen könne. Wo er recht hat, da hat er recht. Ein paar Tage die Köpfe durchlüften, nicht an Hockey denken, den Trainer nicht sehen, daheim bei seinen Liebsten sein – das ist in einem Championat mit einem so dichten Spieldatenkalender von unschätzbarem Wert. Beim Kampf um die letzten Playoffplätze zählt jede Energiekalorie.

Meisterschaftsspiele im Spengler-Cup-Tempo

In alten Zeiten war die Frage: nimmt der HC Davos den Spengler-Cup-Schwung mit in die Meisterschaft? Das war in den 1980er-Jahren. Noch vor der Einführung der Playoffs (1986). Und tatsächlich: Der Spengler-Cup brachte die Davoser in einer beschaulichen Meisterschaft auf Touren. Mehrmals trumpften sie im Januar, mit Spengler-Cup-­Tempo in den Beinen, ganz anders auf als vor der Festtagspause. Gilt das auch für Ambri? Nein. Längst werden auch die Meisterschaftsspiele im Spengler- Cup-Tempo gespielt. Ist der Spengler- Cup also ein Fluch für Ambri?

Der Pessimist schliesst sich der Meinung von Marc Lüthi an und neigt zur Ansicht, Ambri tanze auf zu vielen Hochzeiten, und der Spengler-Cup sei neben der Champions Hockey League, dem Cup und der Meisterschaft die Hochzeit zu viel. Statt zu ruhen, setze sich Ambri in der Altjahrswoche völlig unnötig viel Stress aus. Das könne am Ende die Playoffs kosten.

Ruhm für Ambri, Spott für Lugano

Aber es gibt auch eine ganz andere Sichtweise. Natürlich sind diese zusätzlichen Spiele eine Belastung. Aber entscheidend ist letztlich, wie es die Spieler sehen und fühlen. Für Marco Müller, Ambris besten Schweizer Skorer, ist nämlich klar: «Wir werden nicht Energie verlieren. Wir werden Kräfte tanken. Der Spengler-Cup ist ein riesiges Erlebnis für jeden Spieler. Seit meiner Kindheit träume ich davon, einmal beim Spengler-Cup dabei zu sein. Ich habe immer wieder vergeblich gehofft, dass mich eine Mannschaft einmal als Verstärkung aufbietet. Aber leider wollte mich nie jemand. Und jetzt geht dieser Traum mit Ambri in Erfüllung.»

Der Spengler-Cup also als Motivation, als Erlebnis, das die Mannschaft über die Festtage noch mehr für die letzte Phase der Qualifikation zusammenschweisst. So kann es sehr wohl sein. Und da ist noch etwas: Während der Festtagspause wird Ambri jeden Tag das wichtigste und schönste Sportthema im Tessiner Staatsfernsehen sein. Über Lugano werden hingegen gleichzeitig Krisenanalysen gesendet. Ruhm für Ambri, Spott für Lugano. Die Spengler-Cup-­Teilnahme mag vielleicht Kräfte kosten. Aber sie fördert die Mystifizierung und den ewigen Ruhm des Phänomens Ambri. Das ist sowieso wichtiger als ein paar Siege in der Meisterschaft und eine Playoffqualifikation.

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