Fifa
Der Scheich, (k)ein Menschenfreund

Menschenrechtler schlagen Alarm: Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa aus Bahrain – bald ein Fifa-Präsident mit Schatten?

Martin Gehlen
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Scheich Salman: «Ich verurteile jegliche Form von Menschenrechtsverletzungen.»

Scheich Salman: «Ich verurteile jegliche Form von Menschenrechtsverletzungen.»

Keystone

In seiner Heimat geht es nach wie vor drunter und drüber. Erst vorletzte Woche, am fünften Jahrestag des Arabischen Frühlings in Bahrain, lieferten sich junge Demonstranten und die Polizei wieder schwere Strassenschlachten. Seit dem 12. Februar 2011 kommt das Mini-Königreich am Golf nicht mehr zur Ruhe. Seit dessen unterdrückte schiitische Mehrheit mehr Rechte von der herrschenden sunnitischen Minderheit fordert.

Mit zum Machtkartell der Königsfamilie gehört auch Scheich Salman bin Ebrahim al-Khalifa, der sich am Freitag mit guten Chancen für das Fifa-Präsidentenamt bewirbt und dessen Schwester mit dem Monarchen verheiratet ist. Seit 2013 führt er den asiatischen Fussballverband und seine Chancen stehen gut. Denn im Kampf um den Chefsessel des Weltfussballs bekam er neben der asiatischen kürzlich auch die Rückendeckung der mächtigen afrikanischen Fussball-Konföderation, die beide zusammen über 100 der 209 Stimmen verfügen.

Menschenrechtlern dagegen ist Kandidatur des 50-Jährigen ein Dorn im Auge, auch wichtige FIFA-Sponsoren wie Coca Cola, Visa und Adidas gehen auf Distanz. Die Aktivisten werfen dem langjährigen Chef des bahrainischen Fussballverbandes vor, bei den Unruhen 2011 eine höchst dubiose Rolle gespielt zu haben. Er soll ein Untersuchungskomitee geleitet haben, dessen Mitglieder auf Fotos und Videos von Demonstrationen rund 150 schiitische Spieler, Trainer und Schiedsrichter identifizierten und bei der Staatssicherheit denunzierten. Alle Athleten wurden festgenommen und viele von ihnen misshandelt. 79 sitzen bis heute hinter Gittern. Unter den damals Verhafteten waren auch Bahrains Rekordtorschütze Alaa Hubail sowie sein Bruder Mohammed Hubail. Das Duo wurde in Handschellen vom Trainingsplatz abgeführt, öffentlich im Staatsfernsehen verhört und als Vaterlandsverräter verhöhnt. Alaa Hubail klagte später, er sei im Gefängnis gefoltert worden.

Scheich Salman weist alle Vorwürfe, er sei ein Komplize dieser Unterdrückungspolitik, als «miese Lügen» zurück und klagte, er werde in Sippenhaftung genommen. Doch sein Dementi im Vorfeld der FIFA-Wahl steht auf schwachen Füssen, wie der britische «Guardian» kürzlich enthüllte. So kündigte der von ihm geführte bahrainische Fussballverband nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur BNA vom 7. April 2011 an, man werde gegen alle «Spieler, Manager und Trainer» vorgehen, die das Recht gebrochen hätten, «indem sie an illegalen Demonstrationen oder anderen Aktionen teilgenommen haben, mit dem Ziel, das Regime zu stürzen oder nationale Symbole zu beschmutzen». Vier Tage später berichtete ein weiterer BNA-Text an, ein speziell eingerichtetes Untersuchungskomitee mit Scheich Salman an der Spitze werde die fraglichen Sportler ausfindig machen. Per Dekret zum regimetreuen Chefermittler ernannt hatte ihn damals Prinz Nasser Bin Hamad al-Khalifa, Sohn des Königs und Vorsitzender des bahrainischen olympischen Komitees, der Sportler eigenhändig in den Verliessen des Palastes gefoltert haben soll.

Und so bestreitet Salman in seiner jüngsten Verteidigungsrede nicht mehr die Echtheit dieser Agenturmeldungen, sondern behauptet stattdessen, das Untersuchungskomitee sei entgegen aller Presseankündigungen nie aktiv geworden. Auch drei der damals verhafteten Spieler brachen jetzt überraschend ihr jahrelanges Schweigen und stellten ihrem früheren Fussballchef einen Persilschein aus. Einer ist Bahrains Fussballidol Alaa Hubail. «Ich kenne Salman seit langer Zeit, er ist kein Mensch, der so etwas tut», sagte er. Auch sei ihm nichts zu Ohren gekommen, was die Vorwürfe belege. «Ich hoffe, dass Scheich Salman FIFA-Präsident wird. Er wäre der erste arabische Präsident, und das würde mich sehr stolz machen.»

Die drei Aussenseiter

Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

KEYSTONE/AP/SUSAN WALSH

Im internationalen Sport gilt der in Amman geborene Adlige, der in den USA und Grossbritannien studierte, als bestens vernetzt. Der Prinz sagt, dass er der einzige Kandidat sei, welcher «der Korruption im Weltfussball mit Mut entgegentritt». Aber: Prinz Ali hat nicht einmal in seinem asiatischen Kontinentalverband eine Mehrheit und gilt als zu farblos. Ausserdem scheiterte der Jordanier bereits 2015 als Gegenkandidat von Sepp Blatter deutlich. (sid)

Tokyo Sexwale (62/Südafrika)

Tokyo Sexwale (62/Südafrika)

KEYSTONE/AP/DAN BALILTY

Tokyo Sexwale, bürgerlich mit Vornamen Mosima Gabriel, war im damaligen Apartheidstaat Südafrika 13 Jahre lang zusammen mit Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. 1994 wurde er in den ersten demokratischen Wahlen zum Premierminister der Provinz Gauteng gewählt. Nach vier Jahren zog er sich aus der Politik zurück und entwickelte sich mit seinem Konzern zu einem der erfolgreichsten Unternehmer Südafrikas. (sid)

Jérôme Champagne (57/Frankreich)

Jérôme Champagne (57/Frankreich)

KEYSTONE

Wollte schon einmal Präsident werden, bekam vor der letzten Wahl aber nicht die notwendigen fünf Unterstützer zusammen. Der ehemalige Diplomat arbeitete bereits von 1999 bis 2010 in verschiedenen beratenden Funktionen für die Fifa, war ein enger Vertrauter von Sepp Blatter. Während sich Infantino und Scheich Salman den Wahlkampf von ihren Kontinentalverbänden finanzieren liessen, war Champagne auf sich alleine gestellt. (sid)