Kolumne

Der Magier mit der Nummer 18

Im Januar wechselte Bruno Fernandes für 55 Millionen zu Manchester United. Im Rückblick bereits jetzt eine der besten Investitionen der letzten Jahre.

Im Januar wechselte Bruno Fernandes für 55 Millionen zu Manchester United. Im Rückblick bereits jetzt eine der besten Investitionen der letzten Jahre.

Seit Bruno Fernandes das Trikot Manchester Uniteds trägt, ist die Mannschaft ungeschlagen. Und spielt wieder Fussball, der begeistert statt beelendet. Weil der neue Mann ein rares Exemplar im Fussball ist.

Es ist ein kleiner Witz, den Bruno Fernandes unter ein Bild auf Instagram schreibt. Zu sehen sind der Portugiese sowie Teamkollege Anthony Martial. Letzterer lacht herzhaft. «Es ist schwierig, ihn lachend zu sehen, aber mit mir tut er das immer», schreibt Fernandes und spielt auf die sonst so konstant grimmige Miene des Franzosen an. Seit Martials Ankunft 2015 bei United hat man ihn so selten lächeln sehen, dass man es an einer Hand abzählen konnte. Bis jetzt. Bis Fernandes kam.

Céline Feller, Sportredaktorin.

Céline Feller, Sportredaktorin.

Denn mit dem Mann aus Maia ist das Lächeln zurückgekehrt ins Old Trafford. In dieses Theater der Träume, das seit dem Rücktritt Sir Alex Fergusons zu einem Ort der Albträume geworden war. Trainerentlassungen, Transferflops, Tristesse auf dem Platz. Ja, das Leben als Fan von Manchester United war kein einfaches. Der einst glorreiche Weltklub war ins Mittelmass abgedriftet. Ohne Hoffnung auf Besserung, wurden doch alle Spieler, die die Wende bringen sollten, in Old Trafford eher schlechter als besser. Oder hatten schlicht keine Lust, ihre Lethargie abzulegen, wie der eigentlich Auserwählte: Paul Pogba.

Mit Fernandes aber hat United genau das gefunden, was diesem auf seiner Suche nach Strategie und Erfolgs zuweilen irrlichternden Club fehlte: Ein Bessermacher. Ein Unterschiedsspieler. Ein Fantasiewecker. Fernandes ist eines dieser raren Exemplare im Fussball, welches ein ganzes Team auf ein neues Niveau hieven kann. So hat neben ihm Nemanja Matic aus seiner Sinnkrise gefunden, Pogba plötzlich doch wieder Lust auf Fussball bekommen, und die so begnadeten Youngsters Mason Greenwood und Marcus Rashford sind noch ein bisschen besser, noch ein bisschen konstanter geworden.

Im Verbund mit Anthony Martial erinnern die beiden Eigengewächse an jene Zeiten, in denen Wayne Rooney, Carlos Tevez und Cristiano Ronaldo ganz England mit ihrem Offensivspektakel begeisterten. Damals, 2008, als United noch eine ruhmreiche Adresse und Titelhamsterer war, und als Ronaldo endgültig zum grossen Star wurde. Dass ausgerechnet Fernandes Erinnerungen an die Zeiten mit Ronaldo wach werden lässt, ist kein Zufall. Der Weltfussballer ist Fernandes Nationalmannschaftskollege und Idol, und ging einst denselben Weg wie Fernandes: Von Sporting Lissabon zu United.

Vielleicht liegt es daran, dass Fernandes die 18 trägt. Diese Zahl, die mich so fasziniert, dass ich jeden, der sie trägt - von Kreisliga bis Champions League - besonders beäuge. Vielleicht liegt es daran, dass er das Trikot von Manchester United trägt. Diesem Clubs, der mich so in seinen Bann gezogen hat. Vielleicht liegt es aber auch einfach an ihm, seiner Art, Fussball zu spielen und alles um ihn besser zu machen. Aber für mich ist Fernandes ein kleiner Magier.

Mit ihm ist United ungeschlagen, in 17 wettbewerbsübergreifenden Spielen. 16 Scorerpunkte hat Fernandes gesammelt, mit eleganten Assists und Treffern, die als schönste des Monats ausgezeichnet wurden. Mit ihm darf United davon träumen, wieder gross, wieder das alte Man United zu werden. Und mit ihm darf United auch daran glauben, noch die Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Die Rückkehr auf die grosse Bühne. Dann würden noch mehr Menschen in den Genuss dieses Fussballkünstlers kommen, der Räume öffnet und sieht wie kaum einer. Dann würden auch Sie die Magie der Nummer 18 spüren. Und vielleicht auch ein bisschen lächeln, wenn Sie ihn sehen. Wie Martial. Und wie ich.

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