Fussball
Der FCZ und der Showdown in Basel, historischer Titel für Bayern, erfolgreiche Nationalspieler: Das Fussball-Wochenende kompakt

Der FC Zürich kann sich nächsten Sonntag zum Meister krönen – ausgerechnet in Basel, beim grossen Rivalen. Das und weitere Geschichten des Wochenendes von den Fussballplätzen in der Schweiz und Europa.

Dominic Wirth
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Zürcher Jubel beim 5:1 gegen Sion.

Zürcher Jubel beim 5:1 gegen Sion.

Andy Mueller / freshfocus

Der FC Zürich muss sich noch gedulden

Blerim Dzemaili war dabei, als der FC Zürich in Basel Meister wurde, damals, vor 16 Jahren. Und er macht am Samstag keinen Hehl daraus, dass er das noch einmal erleben will. Eben hat der FC Zürich gegen Sion mit 5:1 gewonnen und einen weiteren Schritt Richtung Titel gemacht. Jetzt stellt sich Dzemaili vor ein Fernsehmikrofon, und als er ­gefragt wird, ob er lieber am nächsten Tag auf dem Sofa oder am nächsten Wochenende in Basel Meister werden wolle, da muss er schmunzeln. Und sagt dann, wer ihn kenne, der wisse schon, dass ihm Basel am liebsten wäre.

Alle ins Stadion, zum Showdown: Plakat der Basler Anhänger.

Alle ins Stadion, zum Showdown: Plakat der Basler Anhänger.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Am nächsten Tag schauen sich die Spieler des FC Zürich die Partie zwischen Basel und Luzern gemeinsam an. Die Innerschweizer müssen gewinnen, damit die Zürcher bereits als Meister feststehen. So weit kommt es nicht, Basel behält mit 3:0 die Oberhand. Das hat der FCB auch seinem Torhüter Heinz Lindner zu verdanken. Er hält einen Penalty und machte mehrere Grosschancen zu­nichte. Entscheidung vertagt. Als sich das Spiel dem Ende zuneigt, zeigt die Basler Muttenzerkurve ein Transparent. Es brauche am nächsten Sonntag das ganze ­Joggeli, steht darauf, und wer nicht komme, sei kein Basler. ­Ihnen hilft dann nur ein Sieg. Sonst kann der Rivale aus Zürich ausgerechnet in ihrem Stadion feiern.

Die Young Boys gewinnen wieder einmal

Endlich einmal gewonnen: YB-Interimstrainer Matteo Vanetta.

Endlich einmal gewonnen: YB-Interimstrainer Matteo Vanetta.

Claudio De Capitani / freshfocus

Es ist noch nicht lange her, da hätte man das für ganz und gar unmöglich gehalten: Die Young Boys, die jahrelangen Dominatoren, zuletzt mit 31 Punkten Vorsprung Meister geworden, warten fast zwei Monate auf einen Sieg. Doch genau so ist gekommen: Vor diesem Wochenende hatten die Berner zuletzt Ende Februar gewonnen.

Seither hat YB den Trainer gewechselt, statt David Wagner steht nun Matteo Vanetta an der Seitenlinie. Die erhoffte Wende hat das nicht gebracht, aber ­immerhin hat Interimstrainer Vanetta nun auch einmal ein Spiel gewonnen. Am Samstag besiegten die Berner Servette mit 3:1. Endlich ein Vollerfolg, im sechsten Spiel unter Vanetta. Endlich – zum ersten Mal – keine zwei Gegentore für den Tessiner.

Servette hatte die beiden letzten Spiele gegen YB ge­wonnen, und ein Sieg in Bern hätte das Rennen um Platz drei lanciert – der Rückstand der Genfer wäre dann auf drei Punkte geschrumpft. Doch im Wankdorf bleiben sie ohne Chance, schon zur Pause hat Jordan Siebatcheu zweimal zugeschlagen und das Spiel vorentschieden. Der Stürmer ist mit 21 Toren Topskorer der Super League. Am Ende gewinnen die Berner 3:1. Weil Lugano in St. Gallen 0:3 verliert, sind die Berner Chancen auf Platz drei gut. Ihr Vorsprung beträgt nun vier Punkte.

Embolo, Okafor, Xhaka: Nationalspieler in Fahrt

Ein Strich zum 3:1 gegen Manchester United: Nationalspieler Granit Xhaka.

Ein Strich zum 3:1 gegen Manchester United: Nationalspieler Granit Xhaka.

Alastair J. Grant / AP

Sein Verein, Borussia Mönchengladbach, erlebt beileibe keine einfache Saison. Aber für Nationalspieler Breel Embolo läuft es gerade richtig gut. Am Wochenende trifft der Basler beim 3:3 gegen Freiburg, es ist sein viertes Tor im fünften Spiel – eine Quote, wie er sie noch nie erreicht hat seit seinem Wechsel nach Deutschland 2016.

Auch Granit Xhaka kann derzeit nicht klagen. Mit Arsenal hat der Captain der Nationalmannschaft zuletzt zwei grosse Siege gefeiert. Nach dem 3:2 bei Chelsea gewannen die Londoner am Wochenende auch gegen Manchester United, und Xhaka erzielte dabei auch noch das Tor zum 3:1 – sein erstes in der Premier League seit Dezember 2020, und was für eines: ein Schuss wie ein Strich, der rechts unten einschlägt. Dank des Sieges gegen den direkten Rivalen aus Manchester um Platz vier hat Arsenal gute Chancen, sich nach jahrelanger Abwesenheit wieder einmal für die Champions League zu qualifizieren.

In Salzburg ist Noah Okafor seit gestern dreifacher öster­reichischer Meister. Mit Red Bull gewinnt der junge Stürmer gegen Austria Wien mit 5:0. Okafor erzielt den ersten Treffer und bereitet den zweiten vor. Er steht nun diese Saison bei neun Ligatoren – so vielen wie noch nie.

Rekord-Titel für die Bayern

Trotz Rekordtitel: Die erste Saison von Julian Nagelsmann als Bayern-Trainer verlief nicht problemlos.

Trotz Rekordtitel: Die erste Saison von Julian Nagelsmann als Bayern-Trainer verlief nicht problemlos.

Ronald Wittek / EPA

Historisches schaffen, und das ausgerechnet gegen Borussia Dortmund, den Erzrivalen: Der Bundesliga-Spielplan meinte es gut mit dem FC Bayern München. Und der liess sich nicht zweimal bitten. 3:1 im heimischen Stadion, damit definitiv deutscher Meister, einmal mehr, zum zehnten Mal in Folge bereits – Vereins­rekord.

Es ist eine bemerkenswerte Leistung, aber es ist trotzdem nicht so, dass bei den Münchnern nun eitel Sonnenschein herrschen würde. Der Gewinn der Bundesliga ist für sie längst zur Pflicht geworden; wie gut eine Saison wirklich war, entscheidet sich in der Champions League. Und dort scheiterte Bayern im Viertelfinal am Aussenseiter Villareal. Es ist eine Niederlage, die auch die Bilanz von Trainer Julian Nagelsmann in seiner ersten Saison in München trübt.

Zehn Titel in Folge, das haben die Münchner noch nie geschafft, das hat in den grossen europäischen Ligen, den Top-5, noch gar nie jemand geschafft. Der FC Bayern ist jetzt alleiniger Rekordhalter. Das ist schön für ihn, aber ein gutes Zeichen ist es nicht – weder für die Bundesliga noch den Fussball und die Richtung, die er einschlägt, ganz generell. Das sieht selbst Philipp Lahm, eine Bayern-Legende, so: Im deutschen Fernsehen sagte der ehemalige Münchner Captain, die Dominanz seines Ex-Klubs sei nicht gut. Die Bundesliga müsse wieder spannender, enger werden.

Paris: Meisterfeier mit Nebengeräuschen

Erzielt ein entscheidendes Tor, aber erst sein viertes: Lionel Messi.

Erzielt ein entscheidendes Tor, aber erst sein viertes: Lionel Messi.

Yoan Valat / EPA

Ein Prachtstor von Lionel Messi, das den Titel besiegelt:So haben sie sich das vorgestellt bei Paris Saint-Germain. Und so ist es auch gekommen. Der Argentinier hat am Wochenende ge­troffen, und jetzt steht auch fest, dass sein Verein wieder französischer Meister ist, zum zehnten Mal insgesamt. Die Schmach vom letzten Jahr, als Aussenseiter Lille dem haushohen Favoriten die Ligue 1 entriss, ist damit ausgemerzt.

Dass Paris Saint-Germain gegen Lens nur 1:1 spielte und Messi dabei erst sein viertes Meisterschaftstor erzielte, ist aber ein Hinweis darauf, dass in Paris längst nicht alles so läuft wie geplant. Der Argentinier wirkte nach seinem Wechsel aus Barcelona nie wie einer, der dort wirklich angekommen ist. Und seine Mannschaft überzeugte selten, trat meist als Ansammlung exzellenter Individualisten, aber nicht als Einheit auf. Mit dem lang ersehnten Gewinn der Champions League, diesem Titel, dem die katarischen Be­sitzer seit Jahren nachhecheln und der sie zuletzt auch Messi nach Paris locken liess, wird es auch dieses Jahr nichts. Bereits im Viertel­final war Endstation.

Die Niederlage von damals gegen Real Madrid hinterlässt in Paris bis heute ihre Spuren. Ein Teil der Anhänger protestiert gegen die Vereinsführung. Sie fordern den Rücktritt der Vereinsführung um den Katari Nasser Al-Khelaifi und eine Neuausrichtung des Vereins. Auch am Samstag, beim Spiel gegen Lens, waren ihnen nicht nach einer Meisterfeier zumute. Stattdessen verliessen sie das Stadion nach 75 Minuten.