Das Wort zur Champions League
Der andere Fussball zum Verlieben

Atletico Madrid steht gegen den ewigen Stadtrivalen Real Madrid im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Deshalb: Geniessen wir Atléticos Leidenschaft noch einmal.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Schafft Atletico gegen Real das Wunder?

Schafft Atletico gegen Real das Wunder?

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Wie häufig reden wir von diesem wunderbaren Spiel, das so zauberhaft aussieht? Von den Toren und Kunststücken, welche die Stars aufführen, von Stars wie Ronaldo oder Messi eben? Die Antwort: Viel zu häufig. Heute soll es um eine andere Liebe zum Fussball gehen. Um eine Leidenschaft, die derzeit im europäischen Fussball einzigartig ist – um Atlético Madrid.

Es ist schlicht grossartig zu sehen, wie sich die Spieler für ihren Verein zerreissen. Und sie müssen dafür nicht hundertfach das Logo auf dem Trikot küssen. Natürlich tun sie das auch für ihren Trainer, Diego Simeone, der mit einer Leidenschaft an der Seitenlinie steht, als wäre er noch immer auf dem Feld. Was Simeone in seinen 1965 Tagen als Trainer von Atlético erreicht hat, ist bewundernswert.

Er hat aus einem wankenden Klub eine Einheit gebildet, die das dominierende Duo Real und Barcelona mehr als nur fordert. 2014 reichte es gar zum Titel. Dabei verlassen die besten Spieler Atlético immer wieder. So wie vielleicht bald auch Antoine Griezmann. Und Simeone? Er jammert nicht. Es kommt einfach der Nächste, der die Lücke füllt.

Besonders eindrücklich ist Atléticos Geschichte in der Champions League in den letzten vier Jahren. Final. Viertelfinal. Final. Und nun Halbfinal. Mit der bitteren Note, dass ausgerechnet der Stadtrivale Real den Rot-Schwarzen stets vor der Sonne steht. Das wird wahrscheinlich auch heute wieder der Fall sein. 0:3 zurück nach dem Hinspiel – diese Hypothek scheint selbst für den nie aufgebenden Simeone zu gross. Deshalb ist es umso wichtiger: Geniessen wir Atléticos Leidenschaft noch einmal. Schenken wir den Kokes, Gabis, Godins oder wie sie alle heissen ganz viel Liebe. Und freuen uns bereits auf ihre nächsten Episoden in der Champions League.