Sport

Das Schweizer Dopinggesetz kommt auf den Prüfstand

Der St. Galler FDP-Nationalrat und frühere Spitzensportler Marcel Dobler hat das Dopingpostulat an den Bundesrat verfasst.

Der St. Galler FDP-Nationalrat und frühere Spitzensportler Marcel Dobler hat das Dopingpostulat an den Bundesrat verfasst.

Der Bundesrat soll einen Bericht erstellen, ob ein Dopingvergehen künftig auch für den Sportler selber strafbar werden kann. Die Nachbarländer kennen diesen Tatbestand im Strafgesetz und haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Der Bundesrat empfiehlt die Annahme eines Postulats von FDP-Nationalrat Marcel Dobler, das Vor- und Nachteile einer Strafverfolgung von dopenden Sportlern prüfen lassen will. Wenn der Nationalrat spätestens in der Frühjahrssession zustimmt, wird der Auftrag bindend und Sportministerin Viola Amherd muss innerhalb von zwei Jahren einen Bericht verfassen lassen.

Der ehemalige Bobsportler Marcel Dobler sagt, es gehe ihm um eine Auslegeordnung. «Das Ergebnis bleibt für mich offen, aber bisher waren selbst die Argumente für eine Entscheidungsfindung nirgends sichtbar.» Der St. Galler Parlamentarier spricht damit an, dass frühere politische Vorstösse in die gleiche Richtung vom Bundesamt für Sport jeweils negativ beantwortet wurden. Das Schweizer Sportfördergesetz von 2012 stellt zwar den Handel mit Dopingmitteln unter Strafe und zielt so auf das Umfeld der Athleten. Der dopende Sportler selbst hat aber neben einer Sperre aufgrund sportrechtlicher Bestimmungen keine Sanktion des Strafgesetzes zu befürchten.

Die «Operation Aderlass» dient als Musterbeispiel

Dobler verweist in seinem Postulat auf die Erfahrungen beim Dopingfall «Operation Aderlass». Seit der spektakulären Razzia im Februar an den nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld wurden knapp 20 Athleten verschiedener Sportarten und etliche Hintermänner und Betreuer als Teil eines internationalen Netzwerks überführt. Operation Aderlass gilt als Musterbeispiel der Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaften und Antidoping-Behörden und zeigt auf, welche wirksamen strafrechtlichen Möglichkeiten - Razzien, Hausdurchsuchung, Personenüberwachung, Untersuchungshaft - dem Sportsystem nicht zur Verfügung stehen. Dobler fordert, dass die unterschiedlichen Gesetzgebungen in den Nachbarländern, die allesamt Dopinggebrauch unter Strafe stellen, auf ihre Konformität mit dem Schweizer Rechtssystem geprüft werden sollen.

Der bundesrätliche Bericht ist nicht vor 2021 zu erwarten. Das Bundesamt für Sport will zwei laufende Prozesse abwarten. Zum einen prüft eine Arbeitsgruppe des Europarats die verschiedenen strafrechtlichen Normen bei Doping im Spitzensport. Sie wird im Verlauf des kommenden Jahres Empfehlungen zur Harmonisierung der Gesetzgebung abgeben.

Zum anderen steht in Deutschland das Ende 2015 etablierte Antidopinggesetz auf dem Prüfstand. In einer öffentlichen Anhörung haben sich jüngst alle Parteien - Athleten, Sportverbände, Politik und Antidopingagentur - hinter das Gesetz gestellt. Bis Ende 2020 werden nun Anpassungen ausgearbeitet. Dabei geht es primär um eine Kronzeugenregelung für Sportler, die ihr Umfeld belasten, sowie um den wirkungsvollen Schutz für die Hinweisgeber. Zudem will man die Strafen verschärfen, mit Schwerpunktstaatsanwaltschaften die Ermittlungskompetenz erhöhen und die Definition, dass nur Profisportler unter das Gesetz fallen, präzisieren. Die Schweiz will diese Schritte in Deutschland abwarten, bevor man allenfalls die Gesetzgebung anpasst.

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