Eishockey
Das Opfer der Vernunft ist der Langnau-Cheftrainer Rikard Franzén

Niemand im Schweizer Profieishockey wirtschaftet aktuell so sparsam wie die Langnauer Tiger. Der Lohn: sportlicher Misserfolg.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen
Muss Ende Saison gehen: Langnau-Trainer Rikard Franzén.

Muss Ende Saison gehen: Langnau-Trainer Rikard Franzén.

Bild: Freshfocus (19. Februar 2021)

Sparsam und vernünftig sein in Zeiten der Krise. So hat es vor der Saison landauf und landab geheissen. Als Einzige haben sich die Langnauer an diesen Vorsatz gehalten. Zwar holten sie mit Marcus Nilsson doch einen vierten Ausländer. Der Topskorer der letztjährigen schwedischen Meisterschaft war halt wohlfeil zu haben und Präsident Peter Jakob hat ihn finanziert. Aber weil Robbie Earl wegen der Spätfolgen einer Gehirnerschütterung nur noch in 15 Spielen (2 Tore) eingesetzt werden konnte und sich Erik Brannström schon nach 10 Einsätzen in die NHL verabschiedete, haben die SCL Tigers als einziges Team der Liga nie in einem Spiel vier Ausländer einsetzen können.

Eigentlich wollte Mehrheitsaktionär «Käru B.», ein erfolgreicher Hightech-Unternehmer aus dem Berner Oberland, der seinen Namen nicht gerne in der Zeitung liest, im Januar einen weiteren Gastarbeiter finanzieren. Er hat dann doch darauf verzichtet: Als Präsident der SCL Young Tigers (der Nachwuchsorganisation) setzt auch er lieber auf die Förderung der eigenen Talente.

Alle fünf Partien gegen den EV Zug verloren

Aber es gibt eine Lehre aus dem Mut zur Vernunft: Auch mit dem jüngsten Team der Liga, bei konsequenter Förderung der eigenen Talente, geht es nicht ohne gutes ausländisches Personal. Letzte Saison hatten die Ausländer 48 Tore beigesteuert, in der vorletzten sogar 63, und es reichte für die Playoffs. Diese Saison haben die Spieler mit ausländischer Lizenz erst für 14 Tore gesorgt. Erstmals seit dem Wiederaufstieg von 2015 werden die Langnauer die Qualifikation auf dem letzten Platz beenden. Die Musterknaben der Vernunft werden mit Misserfolg bestraft.

Das eigentliche Opfer der Vernunft ist Trainer Rikard Franzén (52). Er hat, wie ihm aufgetragen worden ist, die Ausbildung stärker gewichtet als die Resultate. Es ist ihm gelungen, die Leistungskultur zu erhalten. Seine Jungs haben trotz bisher 33 Niederlagen in 41 Partien nicht resigniert. Sie versuchen weiterhin tapfer in jeder Partie ein Maximum herauszuholen. Hin und wieder reicht es für einen Sieg. Aber nicht gegen Leader Zug: die SCL Tigers haben alle fünf Direktbegegnungen verloren (2:4, 1:5, 4:9, 1:3 und 2:4).

Freundliche Worte sind ein schwacher Trost

Langnaus schwedischer Trainer hat ein kleines Wunder vollbracht, und eine Vertragsverlängerung schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Aber am Ende des Tages geht es eben doch um Sieg und Niederlage: Rikard Franzén verliert Ende Saison seinen Job. Dieser Undank hat ihn tief getroffen. Die freundlichen Worte von Sportchef Marc Eichmann («Er hat unsere Vorgabe, den jungen Spielern mehr Eiszeit und Verantwortung zu geben, gut umgesetzt, und ich möchte mich herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken») sind ihm ein schwacher Trost.

Nächste Saison steht Jason 0’Leary (42) an der Bande. Er feierte 2017 mit Langenthal den Titel und führte eine Saison (2018/19) Zugs Farmteam. Soeben ist er in Iserlohn (DEL) gefeuert worden. Eichmann rühmt ihn über den grünen Klee: «Einerseits bringt er Erfahrung aus dem Profihockey mit, andererseits überzeugte uns sein Mix aus Ausbildungs- und Sozialkompetenz.» In Tat und Wahrheit geht es wohl auch darum, im Hinblick auf den Saisonkartenverkauf Aufbruchstimmung zu verbreiten. Nach dem Motto: «Neue Saison, neuer Trainer, neues Glück.»

Jason O’Leary wird schon deshalb bessere Resultate herausholen, weil nächste Saison alle vier Ausländerpositionen besetzt werden. Bis auf die Ausländer (keiner hat einen weiterlaufenden Vertrag) steht die Mannschaft bereits. Neu kommen Miro Zryd vom SC Bern, Michael Loosli von den Lakers, Janis Elsener von den SCB-Junioren und Livio Langenegger, der Captain von Zugs Farmteam. So können die Abgänge von Andrea Glauser (zu Lausanne), Federico Lardi (Rücktritt), Raphael Kuonen (Visp), Benjamin Neukomm (Lakers) und Julian Schmutz (Davos) nicht kompensiert werden. «Wir werden nur noch einen Schweizer Stürmer verpflichten. Weitere Transfers gibt es nicht mehr», sagt Marc Eichmann.

Ein Glück für die Langnauer, dass es auch nächste Saison keinen Absteiger geben wird. Aber womöglich gibt es wieder einen neuen Trainer. Jedenfalls sind im Zweijahresvertrag mit Jason O’Leary die Modalitäten für eine vorzeitige Auflösung schon festgeschrieben.

Unihockey

Männer. NLA. Playoff-Viertelfinals (Best of 5). 1. Runde: Wiler-Ersigen (4.) – Zug United (5.) 2:1 (0:0, 1:1, 0:0, 1:0) n. V. – Tore: 28. Känzig (Dudovic) 1:0. 34. Andersson (Hallén) 1:1. 66. Mendelin (Bürki) 2:1. – Grasshoppers (1.) – Waldkirch-St. Gallen (8.) 7:9. Malans (2.) – Rychenberg Winterthur (6.) 5:4. Köniz (3.) – Langnau (7.) verschoben.