Firmen-Netzwerk für Athleten
Ein Startup-Unternehmen will verhindern, dass Sportler nach der Karriere in ein Loch fallen

Der ehemalige Radballer und TV-Mann Martin Zinser bereitet mit seiner Geschäftsidee «Sportlifeone» Profisportler auf das Leben nach der Karriere vor und deckt dabei die privaten Bedürfnisse von Menschen ab, die während ihrer Aktivzeit oft in einer Blase leben.

Rainer Sommerhalder
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Die beiden Fussball-Torhüter Pascal Zuberbühler (links) und Diego Benaglio - hier während dem EM-Turnier 2008 - sind Botschafter des neuen Netzwerks Sportlifeone.

Die beiden Fussball-Torhüter Pascal Zuberbühler (links) und Diego Benaglio - hier während dem EM-Turnier 2008 - sind Botschafter des neuen Netzwerks Sportlifeone.

Keystone

Ein Sportlerleben ist ebenso organisiert wie zeitlich begrenzt. Was aber passiert nach der Karriere, wenn man aus dem gewohnten Raster fällt? Wenn kein Trainer oder Betreuer mehr sagt, was man wie tun soll? Oft sind Sportler nach dem Rücktritt erstmals so richtig auf sich allein gestellt. Nicht wenige hadern, einige sind von der Situation überfordert und fallen in ein Loch. Ein kompetentes Netzwerk schon während der Karriere aufzubauen, um die Fallhöhe zu reduzieren, das ist das Ziel des neuartigen Angebots von Sportlifeone.

In kurzer Zeit viel Geld zu verdienen war nie der Antrieb oder das Hauptziel, sagt Martin Zinser. Darauf könne er als Geschäftsführer von Sportlifeone vielleicht noch Jahre warten. Und wenn es soweit ist, wollen er und Kompagnon Roger Bigger in weitere Projekte rund um die Lebensplanung und die soziale Sicherheit von Sportlern investieren.

Vom NHL-Profi bis zum Bobfahrer

Seit einem Jahr ist ihr professionelles Netzwerk nun auf dem Markt. Rund 150 Sportlerinnen und Sportler aus dem Profibereich sind inzwischen Mitglied. Darunter bekannte Namen wie Fussballer Michael Lang, Eishockeyspieler Mirco Müller, Handballer Marvin Lier, Veloprofi Stefan Küng oder Bobfahrer Simon Friedli. Auch Nachwuchssportler, Trainer, Coaches und Funktionäre aus dem Schweizer Profisport gehören zum Zielpublikum.

Martin Zinser ist Geschäftsführer von Sportlifeone.

Martin Zinser ist Geschäftsführer von Sportlifeone.

ZVG

Sie profitieren vom exklusiven Zugang zu insgesamt acht Partnern, die ein umfassendes Angebot rund um Themen bieten, welche für Athleten im Verlauf ihrer Karriere Wichtigkeit erlangen und weit über die Profizeit hinaus behalten. Und die ein normales Management in dieser vernetzten Form nicht abdeckt – zumindest nicht für Sportler ohne den Status eines Stars. Das Mitmachen in der Community ist kostenlos. Nur wer eine konkrete Leistung in Anspruch nimmt, bezahlt diese.

Von Vorsorge über Jobvermittlung bis zur mentalen Gesundheit

Das Thema Vorsorge war der ursprüngliche Antrieb für die Idee. Zinser und Bigger suchten weitere Partner, bei denen nicht Vermögensvermehrung, sondern die Philosophie der Idee und die Kompetenz in der Sache im Vordergrund standen. Zusammengekommen ist ein Konglomerat von Firmen, die einerseits das Rundherum der privaten Bedürfnisse neben der Aktivkarriere umfassend abdecken, andererseits einen direkten Bezug zum Spitzensport haben. Zumeist, weil sie selbst in der Vergangenheit ein Teil davon waren.

Neben Vermögensberatung geht es um Themen wie Steuern, Versicherungen, Marketing, Medien, mentale Gesundheit, Rechtsbeistand und Karriereplanung. So ist der 57-jährige Zinser, ein früherer WM-Teilnehmer im Radball, stolz darauf, dass seit Dezember der Jobvermittler «von Rundstedt» mit seinen zehn Ablegern in der Schweiz mit an Bord ist und spezifisch für das Projekt eine Sportkompetenz aufbaut – mit Fokus auf den beruflichen Neubeginn nach dem Karriereende. «Es geht auch darum, während der Karriere viel richtig zu machen, um danach keine Probleme zu bekommen», erklärt Zinser.

Der Lockdown hat vielen Sportlern die Augen geöffnet

In Zeiten von Corona mit dem zwischenzeitlichen Lockdown der Sportwelt hat sich die Sensibilität von Athleten zu Themen rund um die Zukunftssicherung oder gar einem Plan B verstärkt. Vor allem Sportler im Herbst ihrer Karriere fragen sich, was danach auf sie zukommt. «Unser Angebot entspricht einer Marktlücke. Wir sind die ersten in der Schweiz mit diesem Fokus», sagt Martin Zinser.

Die Bekanntmachung verläuft über verschiedene Wege. Die zwei Botschafter von Sportlifeone – Ex-Fussballer Pascal Zuberbühler und Diego Benaglio – öffnen Türen. Auch bei verschiedenen Klubs im Eishockey und Fussball durfte Zinser seine Ideen präsentieren. Erst vor wenigen Tagen war er bei GC. Dort liegt der Fokus darin, den jungen Talenten mögliche Wege aufzuzeigen. «Im Sinne einer ehrlichen Voranalyse», sagt Zinser, «denn die wenigsten Fussballtalente schaffen es ganz nach oben». Auch beim HC Davos, dem EHC Biel oder den SCL Tigers referierte er vor versammelter Profimannschaft.

Gleich sechs neue Mitglieder aus dem HC Lugano

Das grösste Potenzial hat die Mund-zu-Mund-Propaganda. Man kennt sich unter den rund 6000 Schweizer Profisportlern. Positive Erfahrungen machen die Runde, selbst wenn gerade im Teamsport mancher Spieleragent Zinser nicht gerade mit Frohlocken begrüsst. Dafür aber die Spieler selbst. So organisierte kürzlich Luganos Eishockeyspieler Julian Walker für neun Teamkollegen eine Präsentation des Angebots. Mit der Konsequenz, dass Sportlifeone sechs neue Mitglieder hat, so auch Nationalspieler Reto Suri.

Martin Zinser fehlt es nicht an Ideen, wie sein Unternehmen weiter wachsen soll. Mittelfristig möchte man das Angebot in der Westschweiz und dem Tessin weiter ausbauen und neue Partnerfirmen in den Sprachregionen finden. Und die Kundschaft diversifizieren. Mehr Einzelsportler, mehr Frauen, ein guter Mix aus Sommer- und Wintersport. Also doch bald ein blühendes Businessmodell? «Wir werden mit Sportlifeone nie das grosse Geld machen. Wir sind von der Philosophie her eher eine NGO», sagt Zinser.