Slalom

Daniel Yules Erfolg in Adelboden ist mehr als ein Weltcupsieg – es ist ein Schweizer Befreiungsschlag

Daniel Yule beendet mit seinem Slalomsieg die 12-jährige Schweizer Durststrecke in Adelboden.

Daniel Yule, 26, stammt nicht aus einer klassischen Skifamilie. Sein Vater Andrew ist Engländer, seine Mutter Anita ist Schottin. Sie lernten sich im Unterwallis, in Orsière, während den Ferien kennen. Und sie verliebten sich. Ineinander, in den Ort, in die Region, in das Land. 1993 kam Daniel auf die Welt, er ist das mittlere von drei Kindern. Seine Eltern hätten gewusst, «was Skifahren ist», sagt Yule am Sonntag nach seinem Slalomsieg in Adelboden. Und weiter:

Als Yule 2008 schliesslich den Schweizer Pass erhält, gewinnt Marc Berthod den Riesenslalom am Kuonisbergli.

Daniel Yule debütierte 2012 im Weltcup. Seine Premiere fiel in eine Zeit, in der die Schweizer in den technischen Disziplinen nicht zur Weltspitze gehörten. Beim heimischen Klassiker in Adelboden dehnte sich die Baisse aus. Auch Yule versuchte sich am Kuonisbergli ab 2013, ohne durchschlagenden Erfolg. Besser als Achter war er nie.

Die Rennen in den technischen Disziplinen können gnadenlos sein. Oft sind es Lappalien, die darüber entscheiden, ob ein Resultat enttäuschend oder überragend ist. An diesem Wochenende erlebten die Schweizer beide Extreme. Am Samstag tauchten sie im Riesenslalom. Der Bestklassierte, Loïc Meillard, schaffte es auf Rang 17. Es ist ein Resultat, das die wahre Grösse des Riesenslalom-Teams, das auf Leader Marco Odermatt verzichten musste, nicht widerspiegelt.

Daniel Yule bricht den Fluch am "Chuenisbärgli"

Daniel Yule bricht den Fluch am "Chuenisbärgli"

   

Wann sollte die Durststrecke enden, wenn nicht jetzt?

Am Sonntag lief es so, wie es in Adelboden grundsätzlich angedacht wäre. Das Schweizer Skifest fand nicht nur an den Tresen und in den Partyzelten statt, sondern erstmals seit 2008 wieder auf der Piste und im Stadion. Es war ein Befreiungsschlag. Mit der nötigen Dringlichkeit, die es auf diesem Niveau braucht, um sich einen Podestplatz zu erkämpfen. Walter Reusser, der neue Alpin-Direktor von Swiss-Ski, sagte im Vorfeld:

Und sie fuhren wie die Wahnsinnigen. Als wollten sie die Blockade von Adelboden nachhaltig ausradieren. Vier Schweizer standen nach dem ersten Durchgang in den Top 5. Einzig Clément Noël, der Slalom-Künstler aus Frankreich, sprengte die Schweizer Gruppe mit seinem zweiten Zwischenrang. Daniel Yule (1.), Ramon Zenhäusern (3.), Tanguy Nef (4.) und Loïc Meillard (5.) lagen auf vielversprechenden Positionen. Wann sollte diese Durststrecke denn enden, wenn nicht jetzt?

«Es braucht drei bis vier Athleten, die gewinnen können, damit dann tatsächlich einer vorne steht», prophezeite Walter Reusser. Er sollte Recht behalten. Von den vier Podestkandidaten schaffte es letztlich nur Daniel Yule nach vorne. Meillard lag bei der dritten Zwischenzeit immer noch in Führung, fiel aber weit zurück. Nef war ebenfalls gut unterwegs, schied jedoch aus. Zenhäusern, der mit den Folgen einer Magen-Darm-Grippe kämpfte («Ich habe mich nicht getraut, auf die Waage zu stehen»), landete auf dem dritten Platz, als noch Clément Noël und Daniel Yule oben standen. Der Schweizer Podestplatz war noch nicht gesichert.

Mit dem Kopf Geld verdienen – nicht mit den Füssen

Wenn im Vorfeld von Adelboden die Durststrecke thematisiert wurde, tauchte auch die Frage nach der mentalen Stärke der Schweizer auf. Gut im Rennen zu liegen, ist das eine. Den Vorsprung über den steilen Zielhang zu retten, das andere. Yule aber zeigte sich nervenstark. Als er als Letzter im Starthaus stand, habe er gewusst, dass es nun an ihm liege. «Ich habe es genossen, dass alle Augen auf mich gerichtet sind.» Schon am Mittwoch befand er sich in der gleichen Situation, als er in Madonna di Campiglio als Führender in den zweiten Durchgang musste. Auch dort hielt er dem Druck stand. Nach Madonna und Adelboden steht er nun bei drei Weltcupsiegen im Slalom. So viel hat kein anderer Schweizer.

Sein Vater habe ihm immer zu verstehen gegeben, dass er eher mit dem Kopf als mit den Beinen sein Geld verdienen werde. «Er verlangte, dass ich mindestens zur Schule gehe, bis ich 18 bin.» Gepusht hätten sie ihn nie, «das habe ich sehr geschätzt.»

Am Sonntag waren die Eltern auch unter den Zuschauern in Adelboden. Wohl hätten sie nie gedacht, dass ihr Sohn einmal Schweizer Skigeschichte schreiben würde, als sie sich im Unterwallis kennen lernten.

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