Folgen der Pandemie

Coronavirus: Die Verluste im Schweizer Sport sind riesig - es muss sich deshalb viel verändern

Ein kommerzielles Erfolgsbeispiel der digitalen Transformation. Die virtuelle Tour de Suisse erreichte weltweit ein Publikum von 710 Millionen.

Ein kommerzielles Erfolgsbeispiel der digitalen Transformation. Die virtuelle Tour de Suisse erreichte weltweit ein Publikum von 710 Millionen.

Die Diskussionen am Sport Forum Schweiz stehen ganz im Zeichen der Auswirkungen der Coronakrise auf das Geschäftsmodell des Sports. Die digitale Transformation geht in Riesenschritten voran und zwingt die Vereine, sich rasch und kreativ anzupassen.

Der Schweizer Sport steht wegen Corona in der grössten Krise seines Bestehens. Bald müssen erste Veranstalter ihre Grossanlässe zum zweiten Mal abblasen. Bernhard Burgener sagt, der FC Basel sei liquid bis Ende Jahr. Und der Bundesrat will diese Woche entscheiden, ob die Profiligen A-fonds-perdu-Beiträge erhalten sollen.

Die wichtigsten Exponenten der Schweizer Sportlandschaft geben am Sport Forum Schweiz, das virtuell durchgeführt wird, Einblick in ihre derzeitige Situation. «Profifussball: Wie weiter?», lautete der Titel für eine illustre Talkrunde. Neben FCB-Chef Bernhard Burgener standen FCZ-Präsident Ancillo Canepa und der Ligavorsitzende Heinrich Schifferle auf der Bühne. Burgener sagte: «Bis jetzt hat uns der Verkauf von Spielern über Wasser gehalten». Auf 35 Millionen Franken beziffert er den Transfererlös in diesem Sommer. Probleme mache das strukturelle Defizit, das ohne Zuschauereinnahmen nicht wegzubringen sei. Bis 40 Prozent der Jahreseinnahmen machen diese in der Super League aus. Deshalb fordert Ligaboss Schifferle von der Politik rasche Hilfe für die Klubs in Form von nicht zurückzahlbaren Geldern. Wie nützlich diese seien, hänge aber stark von den Rahmenbedingungen ab. «Wir wären bei der Ausarbeitung in Bundesbern gerne etwas mehr ins Geschehen involviert», kritisierte er.

Coronaverlust von 650 Millionen im Teamsport

Einer, der in die Skizzierung von bundesrätlichen Massnahmen zugunsten des Sports stark involviert wird, ist Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport. Er rechnet, dass sich die Schäden für die professionellen und halbprofessionellen Ligen im Schweizer Sport wegen Corona auf bis zu 650 Millionen Franken summieren könnten. Remund sagt, dass der grössere Einfluss, welcher der Sport in Bern für sich reklamiere, keine Einbahnstrasse sei. «Wenn der Sport ein politisches Thema wird, dann gilt dies auch für den Fokus der Politik auf negative Schlagzeilen, etwa bei Doping oder wie jüngst im Turnsport.»

Wie eine Lösung für die staatliche Hilfe an die Profiligen aussehen könnte, skizzierte Matthias Aebischer, Präsident der Parlamentarischen Gruppe Sport: «Die Umwandlung eines Teils des gesprochenen Notkredits von 175 Millionen für das laufende Jahr in A-fonds-perdu-Beiträge, gebunden an klare Restriktionen, könnte im Parlament eine Mehrheit finden».

Während Aebischer als Folge von Corona eine Art «Flurbereinigung» im Sport erwartet, sagt Remund zur Zukunft, «die Digitalisierung macht vor dem Sport nicht halt.» Bestätigt wird dies von Pascal Schulte vom Forschungsunternehmen Nielsen Sports. Er sagt, man sehe trotz Corona durchaus neue Sponsoren-Engagements im Sport, vor allem von Unternehmen mit starkem Online-Geschäft. Der Schlüssel für Sportvereine, um neue Partner zu gewinnen, liege darin, jetzt digitale Angebote zu schaffen.

Gefangen in der realen Welt bleiben Sportanlässe mit vielen Teilnehmern. 14 000 Langläufer wurden im März von der kurzfristigen Absage des Engadin Skimarathons überrascht. Gestern nun hat das OK entschieden, dass der 6. Januar der letztmögliche Termin für die zweite Absage in Folge ist.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1