Corona-Pandemie
Belinda Bencic und Stan Wawrinka fordern Lockerung der Corona-Massnahmen in der Schweiz

Anfang März will der Bundesrat erste Massnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie lockern. Noch etwas gedulden müssen sich die Tennisspielerinnen in der Schweiz. Doch nun regt sich Widerstand.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Belinda Bencic und Stan Wawrinka trommeln für Swiss Tennis.

Belinda Bencic und Stan Wawrinka trommeln für Swiss Tennis.

Keystone

Wer Tennis spielt, verlängert sein Leben. Und das um bis zu zehn Jahre. Zu diesem Schluss kommt eine dänische Studie. Kein Sport trägt mehr zum Wohlbefinden bei als das Tennis. Entscheidend seien vor allem soziale Aspekte, glaubt der Co-Autor der Studie, Dr. James O'Keefe, denn: «Wer mit anderen spielt oder interagiert, profititiert wohl von psychologischen Effekten.» Doch genau dieser Effekt fällt während der Pandemie weg. Die Tenniscenter bleiben weiter geschlossen, sind von den Öffnungen, die der Bundesrat per Anfang März in Aussicht gestellt hat, ausgenommen.

Davon betroffen sind eine halbe Million Menschen in der Schweiz, die regelmässig Tennis spielen, 160'000 gehören einem Club an, Swiss Tennis ist damit der drittgrösste Sportverband der Schweiz.

Die Coronapandemie setzt auch den Tenniscentern in der Schweiz zu.

Die Coronapandemie setzt auch den Tenniscentern in der Schweiz zu.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Nun regt sich Widerstand. Präsident René Stammbach hat sich in einem Schreiben an den Direktor des Bundesamts für Sport, Matthias Remund, für die Öffnung der Tenniscenter per 1. März ausgesprochen. Eine Kopie des Antrags ging unter anderem an CVP-Bundesrätin Viola Amherd, die dem VBS vorsteht. Dass Tennis alle Voraussetzungen, die der Bundesrat in seiner Mitteilung vom 17. Februar für eine erste schrittweise Lockerung nennt, erfüllt, sei auch für Nicht-Tennisspielende einfach nachvollziehbar. Einerseits würden die Abstände beim Tennis gewährleistet, andererseits hätten sich die im Frühling 2020 erprobten Schutzkonzepte bewährt.

Für den Trommelwirbel zur Lockerung der Corona-Massnahmen für die Tenniscenter lassen sich auch zwei Aushängeschilder einspannen: Belinda Bencic und Stan Wawrinka haben den Appell mitunterschrieben.

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach hat alle Hände voll zu tun.

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach hat alle Hände voll zu tun.

Keystone

Swiss Tennis zieht einen Anwalt bei

Seit dem 22. Dezember dürfen in der Schweiz nur noch Kinder bis 16 Jahre und Kadermitglieder Tennis spielen. Der zweite Shutdown trifft nicht nur die Sportlerinnen, sondern vor allem die Betreiber der Tenniscenter hart, weil diesmal die umsatzstärksten Monate betroffen sind. Mittlerweile haben sich die Besitzer von über 100 Tenniscentern zusammengetan, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Ihr Problem: Weil sie bereits an den 100 Millionen Franken aus dem Sport-Stabilisierungspaket 2020 des Bundes partizipierten, haben sie nun keinen Anspruch mehr auf Gelder des Kantons, wie der «TagesAnzeiger» Mitte Februar berichtet.

9,39 Millionen Franken erhielt Swiss Tennis für das Jahr 2020. Das deckt nicht einmal die damals gemeldeten Schäden, die sich auf 15,2 Millionen belaufen. Rund 4 Millionen gingen an die Tenniscenter, 1,2 Millionen an 800 geschädigte Mitgliederclubs. Der Rest entfällt auf die Veranstalter von Turnieren, Regionalverbände und Partnerakademien. Die 150 Tenniscenter erhielten also zwischen 20'000 und 50'000 Franken. Ein Tropfen auf den heissen Stein. Je nach Standort lassen sich mit einem Tennis-Hallenplatz zwischen 150'000 und 250'000 Franken im Jahr erwirtschaften. Für 2021 hat der Bund nochmals 100 Millionen Franken Hilfsgelder gesprochen.

Geld, das der Tennis-Sport in der Schweiz - wie viele andere natürlich auch - dringend braucht. «Aus welchem Topf auch immer», lässt sich Stammbach zitieren. Deshalb habe man auch einen Anwalt beauftragt, abzuklären, ob es eine Möglichkeit gebe, die Härtefallregelung auf den Sport auszuweiten. Dass Belinda Bencic und Stan Wawrinka das aktiv unterstützen, ist zumindest kein Nachteil im Kampf um Bundesgelder.