Sport

Blutige Boxtrophäe für das Königshaus: Das Geld steht über allem

Promoter Eddie Hearn präsentiert Andy Ruiz Jr. (links) und Anthony Joshua.

Promoter Eddie Hearn präsentiert Andy Ruiz Jr. (links) und Anthony Joshua.

Ausgerechnet Saudi-Arabien: Der Schwergewichts-Showdown zwischen Andy Ruiz jr. und Anthony Joshua ist hoch umstritten.

Der Auftrag aus dem Königshaus erzählt eigentlich schon die ganze Geschichte dieses Boxkampfes. Wenn Anthony Joshua und Andy Ruiz jr. vor den Augen der Welt aufeinander eingeschlagen haben, wird der Ring schnell ab- und wieder ­aufgebaut. Ein Mitglied der ­Herrscherdynastie lässt ihn sich zu Hause als Trophäe hinstellen.

«Es muss in seinem Palast sein, komplett mit Blut», sagte Mike Goodall, dessen Firma den Ring hergestellt hat, der BBC: «Alles, was drauf ist, will er.» Der namentlich nicht genannte Spross der Königsfamilie sei ein «Boxfanatiker» und möchte den Ring als «Andenken haben». Offenbar sind sie in Saudi-­Arabien ziemlich stolz darauf, dass sie den WM-Showdown im Schwergewicht ins Land geholt haben.

Image mit «Sportwashing» aufpolieren

Rund 100 Millionen Dollar (etwa 90 Millionen Euro) soll Kronprinz Mohammed bin Salman das Spektakel am Samstag (gegen 21.45 Uhr MEZ/DAZN) wert gewesen sein. Und der «Clash on the Dunes» soll zu einer gigantischen PR-Kampa­gne für das Land werden, dessen Menschenrechtslage von der Organisation Amnesty International als «katastrophal» bezeichnet wird.

Der Kampf in Diriyya, einem Vorort der Hauptstadt Riad, sei eine «weitere Gelegenheit für die saudischen Herrscher, ihr stark angeschlagenes Image über den Sport reinzuwaschen», sagte Felix Jakens, Sonderbeauftragter von Amnesty UK: «Trotz einiger längst überfälliger Re­formen der Frauenrechte ist Saudi-Arabien aktuell dabei, die Menschenrechte dramatisch zu unterdrücken. Frauenrechtler, Anwälte und Mitglieder der Minderheit der Schiiten werden alle verfolgt.» Von der weltweiten Empörung rund um die ­Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi ganz zu schweigen.

Wie andere Länder in der Region hat auch Saudi-Arabien seit längerer Zeit schon den Sport entdeckt, um ein möglichst positives Bild in die Welt zu senden. «Sportswashing» wird dies von Amnesty genannt. Verbände und Funktionäre werden reichlich dafür belohnt, Veranstaltungen in die Wüste zu vergeben.

Rückkampf findet ohne Nummerngirls statt

Zuletzt wurde unter anderem der italienische Fussball-Supercup in Saudi-Arabien ausgetragen oder die Klub-WM im ­Handball, die Formel E dreht dort ihre Runden, es gibt ein grosses Golfturnier, nächste Woche schlagen einige Tennisstars auf. Im Januar werden die berühmte Rallye Dakar im saudischen Sand ­sowie der spanische Supercup im Fussball mit Real Madrid und dem FC Barcelona ausgetragen.

Und nun der Rückkampf ohne Nummerngirls zwischen Joshua und Ruiz, der als «einer der grossen Kämpfe neben dem ‹Rumble in the Jungle› oder dem ‹Thrilla in Manila›» eingehen wird, wie Promoter Eddie Hearn glaubt. Es sei eine «wunderbare, wunderbare Entscheidung» gewesen, das Event in Saudi-­Arabien auszutragen.Auch von Joshua und Ruiz war (bisher) keine Kritik zu hören – nicht einmal im Ansatz. Wer beisst auch schon die Hand, die einen füttert.

Joshua bezeichnete Diriyya gar als «Mekka des Boxens». Beide seien froh, den Kampf im Königreich führen zu können. Der Ring mit ihrem Blut steht bald als Trophäe in einem Palast.

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