Blockchain & Fussball
In Fussballspieler investieren und Geld verdienen – die Fussballerbörse MeCarreira will dies möglich machen

Eine neue Plattform will die Karrierechancen von unbekannten Fussballern verbessern. Sie führt eine eigene digitale Währung ein: so genannte Player-Coins.

Pascal Däscher
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Eine neue Art, Fussballtalente zu entdecken: Die Plattform MeCarreira.

Eine neue Art, Fussballtalente zu entdecken: Die Plattform MeCarreira.

Toni Widmer / AAR

Was ist das Ziel der Plattform?

Die im August 2022 gelaunchte Fussballerbörse MeCarreira verfolgt die Absicht, junge Fussballspieler bei ihrer Karriere zu unterstützen. Es sollen insbesondere junge Talente erreicht werden, die kaum die Möglichkeit haben, sich fussballerisch zu präsentieren.

Doch die Art, wie ein Fussballer die Unterstützung erhält, ist aussergewöhnlich: Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, über die Fussballerbörse MeCarreira Geld in Spieler zu investieren, um deren Bekanntheitsgrad in der realen, aber auch in der digitalen Welt zu steigern. Die Investition wird in Form von digitaler Währung getätigt, man erhält den sogenannten Player-Coin.

Beim Handel mit Player-Coins handelt es sich um ein ähnliches Prinzip wie beim Handel mit Aktien oder Kryptowährungen. Das investierte Geld geht nicht direkt an den Spieler, der Fussballer wird auf MeCarreira zum (Handels-)Objekt der Begierde. Schlussendlich soll man als Investor an der gegebenenfalls erfolgreichen Karriere eines Spielers mitverdienen.

Welches Ziel verfolgt MeCarreira?

Gründer und Ex-FCZ-Spieler Heinz Ernst erklärt: «Junge Spieler auf der ganzen Welt können unsere Plattform nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn nur Talent und nicht Verbindungen oder Glück sollten darüber entscheiden, ob ein junger Fussballer es weit bringt, egal wo man geboren wurde.» Mit Hilfe eines Experten der Blockchain-Technologie entstand das Projekt an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Sport.

Was ist Blockchain?

Die Technologie der Zukunft

Die Blockchain ist eine neuartige Technologie, die sichere, nicht manipulierbare Transaktionen im Internet ermöglicht. Sie ist ein Speicherort für Daten, die von vielen Computernetzwerken und nicht von einem einzelnen zentralen System (wie zum Beispiel einer Bank) sicher verwaltet und kontrolliert werden.

Je mehr Informationen innerhalb eines Systems gespeichert werden, desto länger wird die Blockchain (Kettenblock oder Datenkette). Der Vorteil liegt in der Transparenz: Daten innerhalb eines Kettenglieds können nicht verändert, kopiert oder aus dem Internet gelöscht werden. Ausserdem werden Transaktionszeit sowie -kosten auf ein Minimum reduziert. Die Blockchain-Technologie wird bereits beim Erwerb von Kryptowährungen verwendet.

So funktioniert die Blockchain-Technologie.

Hochschule Luzern

Wie wird Blockchain bei MeCarreira verwendet?

Smart Contracts als Datenketten

Der Kauf des Player-Coins, über den in die Spieler investiert wird, läuft über die Blockchain-Plattform Polygon. Die bei MeCarreira genutzten Player-Coins sind eine Ansammlung von Smart Contracts (Datenketten). Bei jedem Kauf wird die Datenkette erweitert und die Informationen sicher gespeichert. Alle Daten werden dezentralisiert verwaltet (keine Involvierung einer Drittpartei). MeCarreira ist lediglich die Plattform für Spieler, um ihre eigenen Münzen zu lancieren.

Wie funktioniert die Plattform und wer kann sich beteiligen?

Ein junges Fussballtalent, ein Amateur aber auch ein gestandener Profi kann auf MeCarreira einen Account erstellen und so seinen eigenen Player-Coin lancieren. Der Player-Coin ist das Herzstück von MeCarreira, der ausschliesslich von den Spielern selbst verwaltet wird. Player-Coins existieren nur von verifizierten Spielern, die sich per Gesichtskontrolle und einem Ausweis identifizieren müssen.

Jeder Spieler kann sich im digitalen Raum eigenständig verwirklichen, indem er zum Beispiel seinen Karrierewerdegang auf der Fussballerbörse dokumentiert und mit den Investoren bzw. Fans direkt interagiert. Die Idee ist, dass man die Karriere des Spielers hautnah miterleben kann. Dies kann in Form von digitalem oder physischem Merchandising (Beispiel: Erhalt von Spielerbekleidung) geschehen.

Als Investor hat man nun die Möglichkeit, mit dem Kauf des Coins einen Spieler zu unterstützen, da man an das Potenzial des Spielers glaubt. Je mehr Investoren in diesen Spieler investieren, desto wertvoller wird der Player-Coin eines Spielers. Die Coins können von den Investoren (sowie vom Spieler selbst, falls dieser investiert hat) natürlich jederzeit verkauft werden.

Hat man als Investor ein Mitspracherecht und erhält dieser eine Beteiligung bei Transfers und Verträgen?

«Investoren beziehungsweise Inhaber des Player Coins haben keinerlei Anspruchsrecht auf die Entscheidungen oder Einnahmen eines Spielers bei der Unterzeichnung eines Vertrags», sagt Marco Casanova, Head of Partnerships and Communications von MeCarreira. «Eine sogenannte Third Party Ownership wäre ohnehin nicht zulässig», führt Manuel Bertschi, Anwalt für Sport- und Medienrecht, weiter aus. Es darf also keine dritte Partei eine wirtschaftliche Beteiligung oder gar ein Mitspracherecht an einem eventuellen, zukünftigen Transfer eines Fussballspielers erhalten.

Wer erhält das Geld, welches investiert wird und wie verdient MeCarreira daran?

Der Spieler selbst erhält kein Geld, wenn dessen Coins gekauft werden. Dennoch wird der Spieler durch jede Investition unterstützt, indem sein Bekanntheitsgrad steigt. Je früher man investiert, desto mehr Geld kann man als Investor potenziell verdienen.

Das Geschäftsmodell von MeCarreira besteht darin, beim Kauf oder Verkauf eines Player-Coins mitzuverdienen. Bei jeder Transaktion entstehen Gebühren – diese gehen zum Grossteil an die Plattform.

Das Logo der Plattform.

Das Logo der Plattform.

MeCarreira

Wie können Profis junge Talente auf der Plattform fördern?

Für Fussballprofis gibt es die Möglichkeit, bis zu fünf Spieler zu draften, sprich, er nimmt sie innerhalb seines Accounts auf. So haben sie einerseits die Möglichkeit, ihre Popularität zu steigern, andererseits erhalten die gedrafteten Spieler bei einem erfolgreichen Verkauf des Player-Coins des Profis einen Anteil des Geldes.

Stellt die Plattform eine Konkurrenz für Vereine?

Dazu sagt Kommunikationschef Marco Casanova: «Wir sind mit Vereinen im In- und Ausland in Kontakt und stellen die Plattform vor. Es soll keine Konkurrenz zu den Vereinen sein, sondern eine Ergänzung. Natürlich ist es so, dass je früher ein Talent sich auf MeCarreira präsentiert, desto eher kann er sich seine eigene Marke aufbauen.» Der Spieler kann seinen Wert im digitalen Raum steigern, davon profitiert allerdings auch der Verein. Die Klubs zeigen sich gemäss Casanova interessiert und sähen in dem Konzept daher auch Chancen.

Was darf ein Spieler auf der Plattform und was darf er nicht?

Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht auf seinen eigenen Namen. Der Spieler geht also nicht mit seinem Profil als (professioneller) Fussballspieler auf die Plattform, sondern mit seinem persönlichen Profil. Als Profi geht es aber tatsächlich darum, welche rechtlichen Vereinbarungen in seinem Vertrag festgelegt sind.

Wenn ein Spieler seine Persönlichkeitsrechte abgibt wie beispielsweise das Recht am eigenen Bild, dürfte er nicht ohne die Erlaubnis des Vereins ein Bild mit dem Trikot seines Vereins auf MeCarreira oder in den sozialen Medien veröffentlichen. «Oft erwerben Klubs zumindest teilweise die Vermarktungsrechte von Bild- und Namen von renommierten Spielern, welche dafür beträchtliche Summen erhalten», sagt Medienrechtsexperte Manuel Bertschi.

Verdienen mit dem Verkauf von Vermarktungsrechten viel Geld: Lionel Messi (2.v.l.) und Cristiano Ronaldo (2.v.r).

Verdienen mit dem Verkauf von Vermarktungsrechten viel Geld: Lionel Messi (2.v.l.) und Cristiano Ronaldo (2.v.r).

Alejandro Garcia / EPA

«Es stellt sich bei der fortschreitenden Digitalisierung immer mehr die Frage, wer was noch darf und was nicht. Ein Verein hat grosses Interesse daran, dass sich ein Spieler gut vermarktet, da auch der Klub in aller Regel davon profitiert», führen sowohl Marco Casanova als auch Manuel Bertschi aus. Kauft ein Verein einen berühmten Spieler, profitiert der Verein von der grossen Präsenz des Spielers.

Ein weiterer Aspekt ist die Versteigerung oder das Verschenken von persönlichen Gegenständen (Trikots oder Schuhe) auf der Plattform. «Dies ist ohne weiteres möglich, wobei der Spieler auch hier die bestehenden Verträge, die er eingegangen ist, beachten muss. Wir stehen den Spielern bei rechtlichen Fragen aber zur Verfügung», sagt Kommunikationschef Marco Casanova.

Wann kommen die ersten Spieler auf MeCarreira?

Es ist vorgesehen, dass die ersten professionellen Spieler im September 2022 live auf der Plattform aufgeschaltet werden. Die Plattform ist aber bereits jetzt aktiv.