Super League
Zwei Trainer – zwei Welten: Raphael Wicky trifft mit seinem FCB auf Fabio Celestinis Lausanne

FC Basel vs. Lausanne, das ist das Duell zweier Welten und zweier Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Beide betonen, dass sie sich sehr schätzen und respektieren. Ein freundschaftliches Verhältnis hat sich zwischen den beiden jedoch nie entwickelt.

Sébastian Lavoyer und Céline Feller
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«Er zieht durch, was er will», sagt Raphael Wicky über Fabio Celestini, seinen Gegner am Sonntag.

«Er zieht durch, was er will», sagt Raphael Wicky über Fabio Celestini, seinen Gegner am Sonntag.

Keystone

Sitzt Fabio Celestini (42) nach einem Spiel vor versammelter Presse, wird seine Stimme oft ganz leise. Fast schüchtern nuschelt er dann in die Mikrofone. Und wirkt so ganz anders als im persönlichen Gespräch.

Spricht er über Fussball, über seine Karriere, Menschen, die er mag oder eben nicht, dann wird er leidenschaftlich, dann schwärmt er oder macht unmissverständlich klar, dass er mit jemandem gebrochen hat, wie zum Beispiel mit dem ehemaligen Lausanne-Präsidenten Jeff Collet.

«Er verpflichtete Spieler aufgrund von Youtube-Videos», ruft er dann empört. Der Dreitagebart, das Che-Guevara-Tattoo auf dem linken Oberarm, das Unangepasste – Celestini hat etwas Revolutionäres, wenn er keinen Mikrofon-Strauss vor dem Mund hat.

Wenn Raphael Wicky neben dem Platz steht, dann ist das Haar adrett zur Seite gescheitelt, er trägt Brille und Trainer. Dann hat er zugleich etwas von einem Schuljungen und einem Fussball-Professor.

Während sich Celestini immer wieder missverstanden fühlte, mauserte sich Wicky als SRF-Experte zum Fussballanalytiker, den alle verstehen. In Sachen Kommunikation kann ihm in der Super League keiner das Wasser reichen. Er ist ehrlich und doch respektvoll, prägnant ohne verletzend zu werden.

Natürlich, es gibt sie, die Parallelen. Beide haben einen Grossteil ihrer Karriere erfolgreich im Ausland gespielt, beide sind sprachlich gewandt, geprägt von unterschiedlichen Fussballkulturen und Vorstellungen. Und ja, sie haben fast zehn Jahre zusammen in der Nationalmannschaft gespielt. Trotzdem haben sie sich nie speziell angefreundet.

So unterschiedlich die beiden Trainer, so unterschiedlich ihre Klubs. Hier Basel, der Meister der letzten acht Jahre, finanzielles Schwergewicht. Dort Lausanne, gebeutelt von bewegten Jahren, Konkurs 2003, Zwangsabstieg, ein stetes Rauf und Runter. Zwar wird Basel dieses Jahr den Titel verpassen, aber die Champions League liegt dennoch nah.

Lausanne dagegen kämpft gegen den Abstieg. Das könnte sich künftig ändern, denn mit dem neuen Besitzer haben sich auch die finanziellen Möglichkeiten der Lausanner gewaltig verändert. Noch spielen die Romands in der baufälligen Pontaise, aber schon im Sommer 2019 kriegen sie ein neues Stadion.

So anders sie sind: Beide sind sie mit die grössten Trainer-Talente des Landes.

«Hut ab vor seiner Karriere»

Basels Trainer Raphael Wicky

Basels Trainer Raphael Wicky

Keystone

Raphael Wicky, können Sie sich an das erste Treffen mit Fabio Celestini erinnern?

Raphael Wicky: Ganz genau weiss ich es nicht mehr, nein. Wahrscheinlich haben wir gegeneinander gespielt, als ich noch bei Sion und er bei Lausanne war. Aber wir haben uns sicher in der Nationalmannschaft getroffen, wo wir viele Jahre zusammen gespielt haben.

Wie ist Ihr Verhältnis?

Wir hatten und haben auch immer noch ein gutes Verhältnis, aber kein enges, freundschaftliches. Wir waren Teamkollegen in der Nati und ich habe ihn immer respektiert. Er hat eine sehr gute, sehr erfolgreiche Karriere gemacht, vor allem im Ausland. Hut ab vor dem.

Also riss der Kontakt nach den gemeinsamen Nati-Zeiten ab?

Dadurch dass er privat nie intensiv war, ja. Und auch in der Nati haben wir nie das Zimmer geteilt, wie ich das mit Ludovic Magnin getan habe. Oder zusammen gejasst, wie das mit Johann Vogel und Patrick Müller der Fall war.

Sie betonen immer wieder, dass Sie den Fussball, den er spielen lässt, schätzen. Was genau daran bewundern Sie?

Er hat eine klare Vorstellung, was er will. Seine Mannschaften versuchen immer mit viel System, vielen Automatismen und gepflegt nach vorne zu kombinieren und sich damit Torchancen zu erspielen. Er macht seit mehreren Jahren in Lausanne einen super Job.

Auch, als er noch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Er weiss ganz genau, was er will, und das zieht er auch durch. Das ist gut. Daher bin ich überzeugt, dass er eine lange und gute Karriere machen wird.

«In der Nati war er eine Art Bindeglied»

Lausannes Trainer Fabio Celestini

Lausannes Trainer Fabio Celestini

Keystone

Fabio Celestini, wann kreuzte sich Ihr Weg erstmals mit jenem von Raphael Wicky?

Das war im Cup, 1994 oder 1995. Er bei Sion, ich bei Renens. Es war im Jahr, bevor ich zu Lausanne wechselte. Er spielte da schon bei Sion als sehr junger Spieler im zentralen Mittelfeld. In der Pause wurde er ausgewechselt. Danach trafen wir uns immer wieder in der Nationalmannschaft.

Wie war er damals?

Ich schätzte ihn sehr, denn Raphi war immer gut gelaunt und trotzdem sehr ehrgeizig. Er hat immer alles gegeben und war so etwas wie ein Bindeglied zwischen Romands und Deutschschweizern. Er gehörte keiner Gruppe wirklich an, verstand sich mit allen. So einen Menschen willst du in einer Gruppe haben.

Und wie verstehen Sie sich heute?

Wir haben wenig Kontakt. Aber ich freue mich, wenn auf der Bank nebenan ein bekanntes Gesicht sitzt. Nicht nur bei Raphi, auch Massimo Lombardo, Ludovic Magnin oder Murat und Hakan Yakin. Es ist schön, sie alle in der Super League als Trainer wieder zu sehen.

Sie sind beide noch jung und gehören trotzdem schon zu den dienstältesten Trainern. Was halten Sie davon?

Die Arbeit von Trainern wird meines Erachtens zu oft nur an Resultaten gemessen. Wird Rang X nicht erreicht, dann muss der Trainer dranglauben. Man hat keine Projekte. Alain Joseph hat das nie gemacht. So haben wir es mit wenig Mitteln ziemlich weit gebracht.

Jetzt aber hat Lausanne Geld.

Noch haben wir das kleinste Budget der Liga. Aber das wird sich ändern. Aber uns steht noch viel bevor. Und zuerst müssen wir den Klassenerhalt schaffen.