Handball

Wie ein Niereninfarkt die Karriere von Yannick Ebi von heute auf morgen beendete

Nach einem Niereninfarkt und einer diagnostizierten Autoimmunkrankheit muss RTV-Handballer Yannick Ebi seine Karriere beenden. Trotzdem lässt sich der 27-Jährige nicht unterkriegen.

So hätte sich Yannick Ebi das Ende seiner Sportlerkarriere sicher nicht vorgestellt. Am 8. März dieses Jahrs stand das nächste Spitzenspiel zwischen dem RTV Basel und Pfadi Winterthur auf dem Programm. Vor dem Spiel nahm der Handballer noch eine Dusche, als er plötzlich in seiner Nierengegend ein Stechen bemerkte. Schon kurz danach lief ihm der Schweiss nur so herab und der Schmerz wurde unaushaltbar. «Innerhalb von 20 Sekunden wechselte es von topfit zu fast am Ende», sagt Yannick Ebi über diesen Augenblick. Gerade noch so schaffte er es, sich zum Telefon zu schleppen. Er rief seinen Vater an, welcher ihn sofort ins Spital fuhr.

Im Spital bekommt der 27-Jährige die Diagnose: Niereninfarkt. Einer, der durchaus auch hätte tödlich ausgehen können. Ausgelöst wurde der Infarkt durch eine Autoimmunkrankheit, das sogenannte Antiphospholipidsyndrom (APS).Dieses Syndrom ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen, an welcher zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung erkranken. APS kann Blutgerinnsel verursachen, welche in Beine, Lungen, Arme oder andere Organe gelangen können. Durch blutverdünnende Medikamente kann das Risiko für solche Blutgerinnsel gesenkt werden. Diese Behandlung ist jetzt auch bei Yannick Ebi notwendig. Ab sofort muss er eine hohe Dosis Blutverdünner zu sich nehmen.

Die Schwierigkeit mit Blutverdünner ist, dass bei einem Schlag oder eine Wunde das Blut herausströmt, ohne zu gerinnen. Bei Schlägen im Kontaktsport kann es zu inneren Blutungen kommen, die nicht kontrollierbar sind. Deshalb liessen die Ärzte keinen Zweifel: Handball ist keine Option mehr, da das Risiko einfach zu gross ist. Die Karriere ist also definitiv beendet. «Es war wirklich schade, dass ich es nicht selbst entscheiden konnte, wann Schluss ist», sagt Ebi.

Nach dem Spitalaufenthalt drei Monate zuhause

Yannick Ebi stammt aus der Handballerfamilie Ebi und ist somit mit Handball gross geworden. Der aktuelle RTV-Präsident Alex ist Yannicks Vater und auch sein Grossvater Gusti ist im Verein tätig. Seit er 18 Jahre alt ist, spielt er selbst beim RTV. Ganze 143 Spiele hat er in der NLA absolviert und 102 Tore geschossen. Und dann auf einmal das abrupte Karriereende.

Nach dem Infarkt und einem eineinhalbwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus durfte Yannick Ebi wieder nach Hause. Da musste er aber erstmal drei Monate bleiben. «Da ich sehr viel Blut verloren habe und eine Blutarmut hatte, gehörte ich zur Coronavirus-Risikogruppe und musste ständig zu Hause bleiben», erzählt er. Die Diskrepanz zu seinem üblichen Alltag war riesig. Vorher 100-Prozent-Job und jeden Abend Training und jetzt nur noch zu Hause. «Meine Familie und meine Frau waren in dieser Zeit meine Hauptstützen», sagt Ebi.

Auch jetzt muss er sich noch an die neue Situation gewöhnen. «Es fällt mir sehr schwer. Gestern bin ich einfach in die Trainingshalle, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte machen sollen», gesteht Yannick Ebi. Ob er auch weiterhin beim RTV in irgendeiner Form tätig sein wird, kann er momentan nicht sagen: «Zurzeit fühle ich mich noch zu sehr auf dem Feld. Ich muss versuchen, ein wenig Distanz zu gewinnen. Ich weiss aber, dass sie mich in allen Bereichen mit offenen Armen empfangen würden.»

Eines hat Yannick Ebi offenbar nicht verloren: Seinen Willen. «Ja, von der einen auf die andere Sekunde hat sich mein Leben komplett verändert, aber mir geht es gut und ich lebe noch», sagt er. In naher Zukunft will Ebi sich auf seine Berufs-Karriere in der Immobilien-Bewirtschaftung bei der Wohnbau-Genossenschaft Nordwest konzentrieren und auch all die Dinge ausprobieren und geniessen, die während der Handballkarriere zu kurz gekommen sind. Zum Beispiel abends einfach mal mit ein paar Freunden am Rhein ein Bier trinken.

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