Schach
Wie der Computer den Schach-Zirkus verändert hat

Levente Vajda aus Rumänien erklärt am Schachfestival Basel die Vorzüge des Denksports. Der 31-Jährige wurde schon U16-Weltmeister und trägt den Titel des Grossmeisters. Ein Leben ohne Schach kann er sich nicht vorstellen.

Olivier Winistörfer
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«Ich werde mein ganzes Leben Schach spielen», ist Levente Vajde überzeugt.

«Ich werde mein ganzes Leben Schach spielen», ist Levente Vajde überzeugt.

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Sport kann Türen öffnen, die sonst verschlossen sind. Diese Möglichkeiten kennt auch Levente Vajde aus Rumänien. Der 31-jährige Schachspieler mit dem Titel eines Grossmeisters wuchs noch zur Zeit des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu auf. «Mein Vater wollte, dass wir Schach spielen lernen, damit wir durch die Sportler-Visa auch frei aus dem Land ausreisen konnten», erzählt der Rumäne den Start seiner Karriere vor mehr als 25 Jahren.

Vajde wechselte auf eine Privatschule um sich dem Schach zu widmen und startete schon in jungen Jahren eine Profikarriere als Schachspieler. Und der ungarischsprechende Rumäne konnte schon früh Erfolge feiern. So gewann Vajda bei der U12-Weltmeisterschaft die Bronzemedaille und wurde in der U16-Kategorie sogar Weltmeister.

«Schach ist mein Beruf, das, was ich am besten kann. Ich könnte mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, etwas anderes zu tun. Ich werde mein ganzes Leben Schach spielen», meint der 31-Jährige zu seinem Beruf. Später könne er sich eine Laufbahn auch als Schachtrainer vorstellen. Das Geschäft sei härter geworden in den letzten Jahren, wie der Turniersieger von Zürich erklärt: «Es gibt immer mehr Grossmeister und durch die Krise weniger Geld im ganzen Sport. So ist es schwierig, Turniere mit guten Konditionen zu finden.»

Auch habe sich der ganze Schach-Zirkus stark verändert durch den Computer, wie der Rumäne weiter erzählt: «Ich hatte früher einen Tisch voller Bücher und studierte diese, um mich auf ein Turnier vorzubereiten. Heute haben alle einen Rechner. Das ist die Gegenwart und wird die Zukunft sein.» Und doch brauche ein guter Schachspieler auch einen Trainer für die Analyse von Partien, da der Computer seine Eigenheiten habe, welche nicht immer der Realität auf dem Brett gegen einen menschlichen Spieler entsprächen.

Der junge Rumäne ist aber nicht der einzige seiner Familie, welcher es in den hohen Zirkel der Profispieler geschafft hat. Seine Schwester Szidónia Vajda besitzt den Grossmeistertitel der Frauen und spielt nicht in der rumänischen, sondern in der ungarischen Nationalmannschaft. Levente Vajda sieht aber keine Probleme hiermit: «Meine Schwester besitzt wie ich beide Pässe und entschied sich nach einigen Problemen mit dem rumänischen Verband, für Ungarn an den Start zu gehen.» Auch der Bruder der beiden habe Schach gespielt, sei aber nicht mit der letzter Konsequenz dabei gewesen. Das Feuer, das beim Vater entfachte, übertrug sich also auch auf die Kinder der Familie Vajda.

«Der Lebensstil eines Schachspielers ist ganz anders als der eines normalen Menschen. Ich reise viel und wechsle immer zwischen Bahnhöfen, Flughäfen und Hotels. Ich bestritt in einem Jahr mehrere Meisterschaften in bis zu acht Ländern und war eigentlich nur noch unterwegs. Ich habe kaum Freizeit, aber geniesse es umso mehr, in dieser Zeit nichts machen zu müssen», meint der 31-jährige Rumäne. Seine Freundin, welche zu Juniorenzeiten selber auch eine starke Schachspielerin gewesen sei, aber wegen dem Studium aufhörte, würde dies verstehen und müsse es auch akzeptieren, schliesst der Nationalspieler Rumäniens ab.

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