Europa League

Warum der FCB in dieser Saison zwei verschiedene Gesichter zeigt

Freude herrscht bei Stocker, Cabral und Campo: Der FC Basel hat soeben in der Europa League gegen Nikosia das 3:0 geschossen.

Freude herrscht bei Stocker, Cabral und Campo: Der FC Basel hat soeben in der Europa League gegen Nikosia das 3:0 geschossen.

Der FC Basel zeigt in der Europa League in Nikosia erneut, zu was er in dieser Saison fähig ist. Eine Spurensuche, warum das nicht immer klappt.

Schon nach einer halben Stunde Spielzeit haderten die Zyprioten am Donnerstagabend mit allem. Mit dem Schiedsrichter, mit dem Gegner und vor allem mit sich selbst. Der FC Basel hatte Apoel Nikosia durch aggressive Zweikampfführung, solidarisches Verschieben und offensive Nadelstiche den Schneid abgekauft. Am Ende stand ein 0:3 auf der Anzeigetafel. Basel feiert damit den höchsten Auswärtssieg im Europacup seit dem 6:2 gegen Fram Reykjavik in der Saison 1973/74.

Dadurch hat der FCB sehr gute Karten auf den Einzug in das Achtelfinale der Europa League. «Es ist entscheidend, dass wir auch im Rückspiel einen guten Match machen. Aber es stimmt schon: Das dürfen wir uns eigentlich nicht mehr nehmen lassen», sagt Captain Valentin Stocker. Bei einem Weiterkommen winken dem FCB 1,1 Millionen Euro an Uefa-Prämien und vor allem eine weitere europäische Sternstunde. Arenal, Man United, oder Eintracht Frankfurt könnten dem FCB am Freitag in einer Woche zugelost werden.

In der Liga verloren Frei, Campo, Zuffi und Co zuletzt vier von fünf Spielen.

In der Liga verloren Frei, Campo, Zuffi und Co zuletzt vier von fünf Spielen.

Während Rotblau international schon mit einem Bein im Achtelfinale steht, hinkt es in der Liga den Ansprüchen hinterher. Schon sieben Niederlagen führen dazu, dass der FCB fünf Punkte hinter dem Leaderduo YB und St. Gallen liegt, die aber am Sonntag im Direktduell aufeinander treffen. Das ist die Chance für Basel, den Rückstand zu verkürzen. Allerdings ist der eingeplante Dreier gegen Servette keine Selbstverständlichkeit. Beim letzen Aufeinandertreffen der beiden spielte der FCB zuvor ebenfalls auswärts europäisch – in Krasnodar – und verlor dann in Genf nach einer schwachen Leistung verdient mit 0:2.

Die Basler Chancenverwertung ist international massiv besser

Die zwei unterschiedlichen Gesichter des FCB prägen den bisherigen Saisonverlauf. Die Statistik liefert zwei Antworten, warum das so ist. Zunächst einmal ist die Chancenverwertung international viel besser. Auch gegen Nikosia traf der FCB gleich bei seiner ersten Gelegenheit. «Wir sind besser mit den Chancen umgegangen. Dann ist alles einfacher. Die Chancenauswertung hat den Ausschlag gegeben», sagt Valentin Stocker nach dem Spiel in Zypern. Andererseits fällt auf, dass der FCB international aufgrund der Qualität der Gegner weniger Ballbesitz hat. Daraus resultieren logischerweise auch weniger Schüsse, Chancen und Tore.

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Doch diese Art des Spiels liegt dem FCB offenbar. «In der Liga stehen die Gegner oft hinten rein. In Europa greifen sie auch an. Das gibt Platz, den wir ausnutzen können», sagt Raoul Petretta. Auch Fabian Frei bestätigt, dass der FCB international viel mehr Räume hat und mit diesen gut umzugehen weiss. An der Eigenmotivation liegt es laut Frei nicht, dass die Leistungen beim FCB in dieser Saison so sehr schwanken. «Neben der richtigen Einstellung braucht es auch ein bisschen Glück. Die Auf und Abs gehören zum Fussball einfach dazu», sagt er.

Marcel Koller fordert von seinem Team Bereitschaft

FCB-Trainer Marcel Koller hat noch eine weitere Erklärung für das Zwei-Gesichter-Phänomen: den inneren Schweinehund. Koller appelliert noch in Zypern an sein Team: «Wir brauchen genau diese Bereitschaft, dieses Miteinander, dieses eng Stehen, dieses Attackieren, die Ruhe mit dem Ball und die Präzision. Das ist eine Kopfsache und das ist individuell von jedem Spieler.» Dass nicht alle seine Spieler jederzeit gleich gute Leistungen abrufen können, betont Koller zuletzt immer wieder. «Wenn ein, zwei oder drei Spieler schwächeln, muss die Gruppe das aber auffangen», sagt er am Donnerstagabend. Sein Captain gibt ihm recht: «Wir sind keine Roboter», sagt Stocker. Doch der neue FCB-Rekordinternationale weiss auch, dass das Basler Leistungspendel am Sonntag gegen Servette nicht wieder in die andere Richtung ausschlagen darf.

Die beste Defensive der Liga kommt am Sonntag ins Joggeli

Der Aufsteiger aus Genf liegt aktuell nur drei Punkte hinter dem FCB auf Rang 4. Von den letzten zehn Spielen hat Servette acht gewonnen und damit in diesem Zeitraum zwölf Punkte mehr gesammelt als der FCB. Servette steht defensiv stabil und lauert auf Konter. Eine Spielweise, die dem FCB nicht so sehr behagen dürfte und die Rotblau gefährlich werden könnte.

Auch Marcel Koller war nach dem Exploit auf Zypern bemüht, den Fokus sofort auf den nächsten Gegner Servette zu richten. «Wir müssen jetzt gut regenerieren, damit wir am Sonntag wieder voll bei Kräften sind», sagt er. Auf die Frage, ob er nach dem Sieg gegen Nikosia besonders erleichtert sei, antwortet Koller: «Erleichtert bin ich, wenn ich in den Urlaub fahren kann und nicht nach einem Fussballspiel.» Auch die Situation um seinen Vertrag hat sich laut Koller durch den Sieg in Zypern nicht verändert (siehe Interview rechts). Der Trainer will weiterhin nur das beeinflussen, was er beeinflussen kann. Dass es sein Team drauf hat, haben alle gesehen. Jetzt muss es Koller nur schaffen, dass seine Spieler den rotblauen Schweinehund auch am Wochenende in der Liga überwinden.

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