Pfiffe und Kommentare

Ungewohnte Reaktionen: Die Stimmung beim FC Basel ist gekippt

Hier war die Fanwelt noch so halb in Ordnung. Nach dem Spiel gegen St. Gallen gab es aus der Kurve nur noch Pfiffe.

Hier war die Fanwelt noch so halb in Ordnung. Nach dem Spiel gegen St. Gallen gab es aus der Kurve nur noch Pfiffe.

Die Zuschauerzahl und die Reaktionen der Fans im Stadion und in den sozialen Medien sollten dem FC Basel nach dem 1:2 gegen St. Gallen zu denken geben.

20'527. Diese Zahl gab am Sonntag mindestens genauso zu reden, wie die äusserst schwache Darbietung des FC Basel gegen St. Gallen. Mitte der zweiten Halbzeit teilte der FCB via Stadionscreen mit, dass für das erste Heimspiel im neuen Jahr 20'527 Tickets verkauft wurden. Tatsächlich waren sogar noch weniger Zuschauer im Stadion. Denn die No-Show-Rate liegt im Joggeli grundsätzlich zwischen 20 und 30 Prozent.

Zwar konnte der FCB wegen des System-Wechsels im IT-Bereich bislang noch nicht kommunizieren, wie viele Jahreskarten für 2020 verkauft wurden. Doch nach dem ersten Heimspiel steht fest: Es sind sicherlich weniger, als die 19'467 aus dem vergangenen Jahr. Denn am Sonntag waren auch über 1000 St. Galler-Fans im Gästeblock des Joggeli.

Der Vergleich mit dem Vorjahr deutet sogar darauf hin, dass der Rückgang massiv ausfällt. Auch 2019 hiess der erste Heimspielgegner Anfang Februar St. Gallen. Damals verkaufte der FCB an einem Samstagabend 27'543 Tickets. Ein Jahr später sind es 7016 Tickets weniger, obwohl das Spiel am beliebteren Sonntagnachmittag stattfand, obschon die sportliche Affiche deutlich spannender war und obgleich auch die frühlingshaften Temperaturen mit 16 Grad sehr angenehm waren. In der Hinrunde der laufenden Saison verkaufte der FCB durchschnittlich 22'760 Tickets. Auch das lässt den Schluss zu, dass mindestens 2000 Personen ihre Jahreskarte nicht verlängert haben.

Die Schuldigen für die Krise sind schnell gefunden

Die allgemeine Unzufriedenheit, welche in Fankreisen in der Ära Burgener/Koller oft spürbar war, gipfelte am Sonntag. Das äusserte sich zum einen in einem massiven Pfeifkonzert, mit dem die FCB-Spieler vom Feld begleitet wurden. «Die Pfiffe der Kurve habe ich so zum ersten Mal erlebt», sagt Taulant Xhaka. Doch er betont wie auch Kollege Valentin Stocker, dass die Fans trotzdem hinter der Mannschaft stünden und bald auch wieder bessere Tage kämen. «Die Jungs arbeiten gut. Wir müssen anfangen, uns zu belohnen», so Stocker.

Doch die Basler Fans sind sich nicht so sicher, ob dies in absehbarer Zukunft geschehen wird. In den sozialen Medien lassen sie ihrem Frust freien Lauf. «Der Trainer ist für diese Mannschaft schlicht zu teuer», schreibt einer. «Innert drei Jahren von der grossen Nummer zu Lachnummer», schreibt ein anderer. Natürlich reagiert der Fussballfan, wenn es nicht läuft, gerne überdurchschnittlich emotional. Doch der FCB bietet aktuell auch überdurchschnittlich viel Angriffsfläche. Drei Liga-Niederlagen in Serie gab es zuletzt in der Saison 2000/01. Da ist verständlich, dass die Fans nach der Darbietung gegen St. Gallen sogar vom «schlechtesten Spiel seit der Eröffnung des neuen Joggeli» sprechen.

Die Wut in den sozialen Medien trifft zum einen die Führung: «Besonders ärgerlich ist, dass man mit diesem «Burgener-Konzept» schlussendlich nicht mal auf eigene Nachwuchsspieler setzt. Haben wir wirklich niemand besseren in der Jugend als Bergström?» Auch Marcel Koller kommt nicht gut weg: «Der Trainer kommt nicht mehr an die Mannschaft ran.»

Das Lieblingsopfer der Kommentarspalte sind allerdings die Spieler: «Tauli ist der Einzige, der auch in der Niederlage Grösse zeigt. Ausser ihm und Omlin darf gegen Zürich maximal rotiert werden.» Oder: «Wenn die nach Leistungen bezahlt würden, hätten sie nicht verdient.» Oder: «Was will man mit diesen Spielern: Einpacken und tschüss.» Tschüss haben unlängst auch schon einige Jahreskarteninhaber gesagt.

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