Traurige Kinder

U7, U8 und U9 werden eingedampft: So erklärt der FCB sein neues Kinderfussballkonzept

Der FC Basel stampft seine drei jüngsten U-Mannschaften ein.

Der FC Basel stampft seine drei jüngsten U-Mannschaften ein.

Die Umstrukturierungen im Nachwuchs des FC Basel laufen weiter auf Hochtouren. Jetzt werden sogar ganze Mannschaften aufgelöst. Die Jugendlichen sollen in ganz jungen Jahren in ihrem regionalen Verein ohne Druck Fussballspielen lernen und erst dann beim FCB gefördert werden. Das Ganze wird von den direkt Betroffenen als Sparmassnahme aufgefasst. Dabei hat es auch einen ganz anderen logischen Grund.

Im Jahr 2018 arbeiteten 99 Personen im Nachwuchs des FC Basel. 4,8 Millionen Franken betrug der Personalaufwand in diesem Bereich. Die genauen Zahlen für 2019 sind noch nicht veröffentlicht, aber sie dürften ähnlich sein. Die Zäsur folgt erst jetzt. Denn unter dem neuen Nachwuchschef Percy van Lierop baut der FCB seine Nachwuchsabteilung kräftig um. Der Holländer wurde verpflichtet, um zu modernisieren, und jetzt lässt er der Ankündigung Taten sprechen.

Zunächst trennte sich der FCB von Trainern, welche die Philosophie von van Lierop nicht mittrugen. Auch vor der U21 machte der neue starke Mann im FCB-Nachwuchs keinen Halt. Trainer Arjan Peço wird seit der Wiederaufnahme des Mannschaftstraining durch Alex Frei ersetzt. Dessen U18 wird von van Lierop selber und von Marco Schällibaum trainiert. Ob Peço in Zukunft noch beim FCB arbeiten wird, ist ungewiss. Gespräche laufen, doch seine Absetzung in der U21 deutet nicht auf eine weitere Zusammenarbeit hin.

Nach den Grossen kommen jetzt auch die Kleinen dran. Dort greift der FCB noch rigoroser durch. Die U7, die U8 und die U9 werden ab der kommenden Saison aufgelöst. Die Spieler sollen gemäss einer Mitteilung des FCB in der Region gefördert werden. Der FCB hält es pädagogisch für angebracht, sechs-, sieben- oder achtjährige Kinder nicht mehr unter dem Erwartungsdruck eines Leistungszentrums trainieren und spielen zu lassen. Gemäss van Lierop ist es «fast unmöglich bei solch jungen Kindern eine Entscheidung treffen zu können, wer ein grosses Potenzial hat. Das Kind steht beim FCB immer im Zentrum, alle Strukturen und Entscheidungen sollen der Entwicklung des Kindes als Mensch und Spieler oder Spielerin zugutekomme. Wir sind deshalb sicher, dass die aktuelle Veränderung auf lange Sicht das Beste für die Entwicklung der Kinder in der Region ist.»

Nur ganz wenige schaffen den Durchbruch

Die Erfahrungen in den vergangenen Jahren hätten gemäss FCB gezeigt, dass tendenziell nur wenige Kinder der Sportschule Bebbi in den späteren Nachwuchsstufen noch mit dabei waren. Deshalb ist der FCB überzeugt, dass es sinnvoller ist, wenn sich die Kinder in ihren jüngsten Jahren in ihren regionalen Klubs mit ihren Kollegen entfalten können, bevor die grössten Talente dann später ins Leistungszentrum von Rotblau einsteigen. Somit wird auch vermieden, dass den Kindern und ihrem Umfeld zu früh Hoffnung auf eine aussichtsreiche Karriere gemacht wird, ehe die Entwicklung dann vielleicht wenig später bereits wieder in eine andere Richtung geht.

Thomas Steinemann, Präsident des FCB-Partnervereins FC Concordia Basel, teilt diese Sichtweise: «Meiner Meinung nach hat man die Kinder zu früh aus der ganzen Region zusammengezogen und ihnen zu früh ein FCB-Trikot gegeben. Es geht aber in diesem Alter um Spass und Freude am Spiel und nicht um Leistung. Das wird jetzt richtigerweise wieder korrigiert und die Kinder bleiben somit länger in ihrem Stammklub und damit im gewohnten Umfeld.»

Wütende Eltern teilen auf Social Media aus

Die Nachwuchs-Verantwortlichen des FC Basel haben vergangenen Samstag alle Eltern der betroffenen Kinder in Kleingruppen unter Einhaltung der BAG-Vorschriften persönlich über die Neuausrichtung informiert. Einige der betroffenen Eltern hatten ihren Unmut über die Entscheidung anschliessend auf den sozialen Medien kundgetan. Ein Vater schreibt: «Kaum hat der Bundesrat 500 Millionen Franken für den Schweizer Sport gesprochen, hat der FC Basel hat nicht Besseres zu tun, als seine jüngste Nachwuchsabteilung aus strategischen Gründen auf Knall und Fall aufzulösen, wie der Klub heute kurzfristig aufgebotenen Eltern eröffnet hat. Sie werden nach der langen Coronapause nie mehr zusammen spielen und ihre Trainer nicht mehr sehen. Wie soll ich das meinem Sohn erklären? Wo bleibt die Verantwortung? Ich bin sprachlos.» In der Kommentarspalte reiht sich ein unterstützendes Statement ans nächste. Das Verständnis der Betroffenen für die Entscheidung des FCB ist klein. Für sie ist die Auflösung der U-Mannschaften eine weitere herzlose Sparmassnahme der eh schon unbeliebten Führung um Präsident Bernhard Burgener. 

Mit etwas Abstand betrachtet, ist dieser Schritt des FCB aber durchaus verantwortungsvoll. Der Verein orientiert sich damit an vielen europäischen Top-Klubs, die ebenfalls erst ab der U10 Kinder zu sich in die Akademien holen. Auch der Schweizer Meister YB scoutet erst ab der U10. Die ganz Kleinen will der FCB in Zukunft mit anderen Projekten für sich gewinnen. Das soziale Projekt «Tschuttimatte» wird erweitert und das Programm «Spiel Dich zu den Bebbi» wird neu «Spiel dich zum FCB» heissen. Gemäss FC Basel sollen dort auch in Zukunft möglichst viele Kinder Fussball spielen und Sport treiben, einfach ohne Leistungsdruck und ohne falsche Karrierefantasien. 

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