Schach
Taktisches Kalkül mit dosiertem Risiko

Der Lette und haushohe Favorit Arkadij Naiditsch gewann die 17. Austragung des Basler Schachfestivals mit einem halben Punkt Vorsprung. Mit dem Abriss der Austragungsstätte des Hilton Hotels ist die Zukunft des Festivals in Basel ungewiss.

Georges Küng
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In seiner letzten Partie hielt Arkadij Naiditsch (rechts) gegen Matthias Dann problemlos die Remisstellung sicherte sich so den Turniersieg.

In seiner letzten Partie hielt Arkadij Naiditsch (rechts) gegen Matthias Dann problemlos die Remisstellung sicherte sich so den Turniersieg.

Georges Küng

Das Basler Sportjahr wurde 17 Jahre lang mit dem Schachfestival eingeläutet. Dass dieses Turnier selbst bei der erweiterten Weltspitze grossen Anklang fand, hatte weniger mit dem Preisgeld, vielmehr aber mit den Rahmenbedingungen zu tun.

Im Hotel Hilton fanden die Spieler superbe Voraussetzungen – sowohl in den beiden Spielsälen San Francisco und im Auditorium, wo gestern Sonntag der Nordwestschweizer Schachmeister ermittel wurde. Sowohl in der U16-Kategorie wie auch in der U12-Klasse gingen die Titel in den Aargau. Can-Elian Barth (Niederlenz, U16) und Kannan Ritisch aus Würenlingen durften sich unter frenetischem Applaus die Schachkrone aufsetzen lassen.

Wie Federer gegen Chiudinelli

Hauptattraktion war natürlich das Meisterturnier. Das Feld wurde vom gebürtigen Letten Arkadij Naiditsch (29) angeführt, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und vorgängig bereits das Turnier in Zürich für sich entschieden hatte. Betrachtet man die ELO-Zahlen (welche für die Rangierung in der FIDE-Weltrangliste massgebend sind), so war der Erfolg des gebürtigen Balten absolut normal, ja logisch. «Eine höhere ELO-Zahl will nicht heissen, dass man automatisch siegt», entgegnete Naiditsch stoisch.

Wenn die Nummer 45 der Weltrangliste die weissen Steine führte, siegte er. Mit schwarz kontrollierte er den Vergleich mit seinen Rivalen und erkämpfte sich problemlos ein Remis. So auch in der letzten Runde, als der spätere Turniergewinner wusste, dass er mit einem halben Punkt den Turniersieg erringen würde. Sein Widersacher Matthias Dann, momentan noch Internationaler Meister, hat 280 Elo-Punkte weniger. Im Tennis wäre dies in etwa wie wenn Roger Federer gegen die ATP-Nummer 300 spielen würde.

Wie weiter?

OK-Präsident Bruno Zanetti, der mit seinen ehrenamtlichen Helfern für einen reibungslosen, superben Turnierablauf zurückblicken durfte, steht nun am Scheideweg. Denn das Hilton wird nach rund 45 Jahren abgerissen. «Wir suchen nach einer Alternative – es müsste auch eine Hotellokalität sein, denn wir können dem Gastgeber eine Win-Win-Situation anbieten, weil die Elite im Hotel übernachtet. Und wer mit diversen Spitzenspielern, gerade aus Ostblockstaaten «off record» spricht, merkt schnell, dass die Unterbringung in einem Hilton-Hotel zusätzlich viele Spitzenspieler nach Basel lockte.

Dass ein derartiges Turnier, das nach Schweizer System (sieben Runden) gespielt wurde, «schlaucht», sah man am Beispiel des jungen Bonell Iturrizaga. Der junge Venezonaler, bereits die Nummer auf seinem Kontinenten und in Basel klar die Setznummer 2, ging nach Turnierende in «die wunderschönen, grosszügigen Zimmer». Als Präsident Zanetti ihn aufrief, war der Südamerikaner nicht bei der Preisverleihung zugegen. Er kam zehn Minuten später – instinktiv war er aufgewacht und hatte sich sein Preisgeld, im tieferen vierstelligen Bereich, abgeholt.

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