Super League

Späte Erlösung: Das Ademi-Tor kann für den FC Basel noch ganz wichtig werden

Der FC Basel dominiert den FC Sion, trifft aber erst in der Schlussphase zweimal und gewinnt doch noch mit 2:0. Damit tankt der Verfolger weiter Selbstvertrauen, auch wenn sich der Rückstand an diesem Spieltag nicht verringert.

Kemal Ademi dreht jubelnd ab. Der Finger ist vor seinen Lippen, während er auf die Eckfahne vor dem Sektor A zuläuft. Als wolle er mit dieser Geste sagen: Ruhe bitte. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Ademis neunter Saisontreffer – der erste seit November 2019 – ist die späte Erlösung in diesem Spiel, das der FCB gewinnen muss.

Sion kommt zeitweise minutenlang nicht aus der eigenen Hälfte und hat in der gesamten Partie nur eine einzige einigermassen gefährliche Torchance. Der FCB ist drückend überlegen. Doch lange sieht es so aus, als gäbe es nach der Pleite in Luzern den nächsten sonntäglichen Rückschlag. Denn der FCB strahlt nicht die Sicherheit aus, mit der er dieses Spiel noch gewinnen kann. Doch dann kommt Ademi und ist Basel wieder nur noch fünf Punkte hinter dem an diesem Wochenende ebenfalls siegreichen Leaderduo St. Gallen und YB.

Immer noch kein Deal mit Arthur Cabral

Als das erste Geisterheimspiel nach der Coronapause im Joggeli angepfiffen wird, steht Matchwinner Ademi noch nicht auf dem Platz. Die Basler Lebensversicherung Arthur Cabral bekommt nach der Pause gegen Xamax wieder den Vorzug in der Sturmspitze. Doch der Brasilianer, dessen am 30. Juni auslaufender Leihvertrag immer noch nicht verlängert wurde, hat gegen die Sion-Defensive einen schweren Stand. Meistens wird er von zwei Verteidigern gedoppelt, die ihm den Ball regelmässig vom Fuss klauen. Nur ein einziges Mal kommt Cabral selber zum Abschluss. Doch anders als in Lausanne trifft sein sehenswerter Fallrückzieher nicht das Tor.

Es sind Cabrals Kollegen, die einen neuen Saisonrekord in Sachen Torschüsse aufstellen. Insgesamt 28 Mal kommt der FCB zum Abschluss. Stocker, Campo, Widmer, alle scheitern sie. Doch eine Chance der Marke «den muss er machen» gibt es erst in der 82. Minute. Ademi ist zu diesem Zeitpunkt elf Minuten auf dem Platz. Der 1,98-Meter-Schlacks kommt nach einer Riveros-Flanke völlig frei zum Kopfball. Doch er verfehlt das Tor kläglich. Das Stöhnen bei den 700 zugelassen FCB-Fans im Joggeli ist gross. Im Sektor A raunt man sich zu: «Schon wieder Ademi. Der trifft das Tor nicht mehr.»

Doch Ademi beweist es seinen Kritikern. Vielleicht ist sein Finger vor den Lippen beim Torjubel auch an sie gerichtet. Denn die nächste Riveros-Flanke in den Fünfer drückt der FCB-Stürmer in der 86. Minute zum 1:0 in die Maschen. Ademis Kopfball am zweiten Pfosten ist der 26. FCB-Abschluss an diesem Nachmittag. Erstmals kommt so etwas wie Stimmung auf. «Ole, super FCB», hallt es von der Haupttribüne und der FCB setzt dem Ganzen noch einen drauf. Der auffällige Samuele Campo trägt sich mit dem 27. FCB-Abschluss – einem direkten Freistoss ins kurze Eck – auch noch in die Torschützenliste ein.

Der Abstand auf die Spitze bleibt unverändert

So steht am Ende ein 2:0 auf der Anzeigetafel, als sich die Mannschaft von den wenigen anwesenden Fans verabschiedet. In vorderster Front: ein lachender und klatschender FCB-Trainer Marcel Koller. «Es war schwierig. Es brauchte viel Geduld und Präzision. Wir sind froh, dass wir die Mauer noch durchbrechen konnten», sagt Koller. Auch ihm ist klar, dass ein 0:0 den Aufschwung rapide gestoppt hätte. Durch die beiden späten Tore hat der FCB jetzt die Gewissheit, dass er solche Spiele für sich entscheiden kann. Das könnte im Saisonfinale ein Vorteil sein. Die nächste Gelegenheit, den Fünfpunkte-Rückstand zu verkürzen gibt es für Ademi und Co am Mittwoch in Lugano.

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