FC Basel
Seit einem Jahr ist Bernhard Burgener Präsident des FC Basel – wie der Unternehmer den FCB verändert hat

Es kam überraschend, als Bernhard Burgener bei der Präsentation seines Konzepts erklärte, dass er im Erfolgsfall eine Dividende ausschütten wolle. Im Vorfeld der Inthronisierung war von vielen Dingen die Rede, vor allem von mehr Jugend, mehr Basel, mehr Identifikation – nicht von Erfolgsbeteiligungen. Seine Erklärung war simpel: «Ich bin kein Mäzen, sondern Unternehmer.»

Sébastian Lavoyer
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Reserviert und zurückhaltend, wie auf diesem Bild, erlebten die FCB-Fans Präsident Bernhard Burgener oft.

Reserviert und zurückhaltend, wie auf diesem Bild, erlebten die FCB-Fans Präsident Bernhard Burgener oft.

Urs Lindt/Freshfocus

Offiziell übernahm Burgener rund zwei Monate später von seinem Vorgänger Bernhard Heusler. Und er musste gleich zu Beginn einen argen Dämpfer einstecken. Die FCB-Mitglieder verweigerten Jean-Paul Brigger die Wahl in den Vereinsvorstand. Es war eine Art Denkzettel des Volkes an seinen neuen Präsidenten. Als wollte es sagen: Alles lassen wir uns nicht bieten.

Burgener hielt vorerst trotzdem an Brigger fest, machte ihn zum Verwaltungsratsdelegierten, zum vermeintlich starken Mann im Klub. Aber Brigger fand nie zu gewünschter Stärke, kriegte erst Roland Heri vor die Nase gesetzt und wurde letztlich gänzlich überflüssig (siehe Box). Wie aber hat sich der FCB sonst unter Burgener verändert?

Der ehemalige Präsident des FC Basel, Bernhard Heusler, war das Herz des Klubs.

Der ehemalige Präsident des FC Basel, Bernhard Heusler, war das Herz des Klubs.

Keystone/GEORGIOS KEFALAS

Heusler war das Herz des Klubs

Der neue Präsident interpretiert seine Rolle grundsätzlich anders als sein Vorgänger. War Heusler so etwas wie das Herz des Vereins, ist Burgener der Kopf. Heusler war greifbar, nahbar, immer erreichbar – Burgener hält sich im Hintergrund und präsentiert sich meist als nüchterner Analyst. Es soll nicht daran gezweifelt werden, dass er ein genau so grosser Fan des FCB ist wie Heusler. Bloss wirkt seine Leidenschaft kühler.

Wenn zuletzt von wachsender Entfremdung zwischen Klub und Fans die Rede war, hängt dies mit Sicherheit auch am neuen Präsidenten. Nicht nur an seiner Art, sondern auch an seinen Handlungen. Da war zum einen die Erhöhung der Bierpreise zu Beginn des Jahres. 50 Rappen bloss, doch die Fans schäumten. Da waren zum anderen die Ticketpreise für die Champions-League-Partie gegen Manchester City. Teuer wie nie.

Der Präsident des FC Basel, Bernhard Burgener, hält sich vornehmlich im Hintergrund und präsentiert sich meist als nüchterner Analyst.   

Der Präsident des FC Basel, Bernhard Burgener, hält sich vornehmlich im Hintergrund und präsentiert sich meist als nüchterner Analyst.   

GEORGIOS KEFALAS

Eine regelrechte E-Sports-Offensive

Klar, das Joggeli war ausverkauft. Und: «Wir hätten problemlos 10 000 Tickets mehr verkaufen können», wie Burgener später sagte. Pluspunkte hat er mit dieser Aktion bei den eingefleischten Fans mit Sicherheit nicht gesammelt.

Grösster Spaltpilz war aber mit Sicherheit das forsche Auftreten im Bereich E-Sports. Klar, der FCB stieg unter der alten Führung in das neue Geschäftsfeld ein. Aber unter Burgener lancierte der FCB eine regelrechte E-Sports-Offensive.

Zuschauerrückgang konnte nicht gestoppt werden

Man verpflichtete zwei weitere Virtuosen am Controller. Voll-Profis diesmal, beide aus Deutschland, beide WM-Teilnehmer, Topshots. Die Fans freute es nicht. Schwarzer Rauch im Joggeli. Ein Banner mit der unmissverständlichen Aufschrift: «E-Sports dr Stegger zieh.» Die Reaktionen der Anhänger wurden immer heftiger.

Dem Zuschauerrückgang beim FCB konnte auch der neue Präsident Bernhard Burgener nicht entgegenwirken.

Dem Zuschauerrückgang beim FCB konnte auch der neue Präsident Bernhard Burgener nicht entgegenwirken.

Daniela Frutiger/freshfocus

So erstaunt es kaum, dass der Zuschauerrückgang auch unter Burgener nicht gestoppt werden konnte. Im Schnitt kamen noch 25 857 Zuschauer ins Joggeli, ein Rückgang von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als zehn Prozent weniger als noch vor drei Jahren.

Kein Meistertitel, dafür in der Königsklasse brilliert

Ähnlich das Bild bei den Saisonabonnenten, noch ausgeprägter im Hospitality Bereich, wo 30 Prozent der Kunden verloren gingen. All das Burgener anzulasten, wäre unfair. Es sind langfristige Entwicklungen. Aber er hat es eben auch nicht geschafft, diesen Einhalt zu gebieten.

Bei aller Kritik darf man das Gute nicht aus den Augen verlieren: Zwar verpasste man erstmals seit 2009 den Meistertitel, gleichzeitig aber brillierte der FCB in der Königsklasse. Das wiederum ist der Hauptgrund für den höchsten Personalaufwand, den der FCB je auswies.

Trotz schwierigen Zeiten hat Präsident Bernhard Burgener an FCB-Trainer Raphael Wicky festgehalten.

Trotz schwierigen Zeiten hat Präsident Bernhard Burgener an FCB-Trainer Raphael Wicky festgehalten.

Keystone

An Trainer Raphael Wicky festgehalten

So steht es im Geschäftsbericht, den Burgener am Montag, an seiner ersten Generalversammlung als FCB-Präsident, der 124. der Klubgeschichte, absegnen lässt. Fast 50 Millionen Franken gab der FCB für sein Personal aus. Rund 40 Millionen für die erste Mannschaft, eine Steigerung von rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und das, obschon man das Kader von 33 auf 26 Mann reduzierte.

Eigentlich sehr erfreulich. Wie auch die Tatsache, dass Burgener in der Krise nicht in Aktionismus verfiel und an Trainer Raphael Wicky festhielt. Da bewies er jene Weitsicht, die ihn zum erfolgreichen Geschäftsmann machte.

Jean-Paul Brigger verlässt den FC Basel auf eigenen Wunsch.

Jean-Paul Brigger verlässt den FC Basel auf eigenen Wunsch.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Brigger verlässt den FCB

Am späten Freitagnachmittag teilt der FCB mit, dass Jean-Paul Brigger den Klub verlässt. Es sei sein Entscheid gewesen. Im Verlauf der Woche habe er den Verwaltungsrat informiert. Danach folgen die üblichen Dankesfloskeln. Über die Gründe für Briggers Abgang findet sich kein Wort. Anrufe beantwortet der scheidende CEO nicht. Und auch der FCB schweigt sich aus.

Was trotz der beidseitigen Wortkargheit klar ist: Brigger wurde nie zum starken Mann, der er hätte werden sollen. Das wurde spätestens klar, als ihm im Frühling Roland Heri vor die Nase gesetzt wurde. Letztlich ist der Abgang nur die Konsequenz aus dieser strukturellen Anpassung. (sel)

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