Leichtathletik
Finley Gaio und Celine Albisser tanken Götzis-Energie

Am erstklassigen Mehrkampf-Meeting in Götzis (Ö) bewiesen mit Finley Gaio und Celine Albisser gleich zwei Baselbieter ihr internationales Potenzial.

Jörg Greb
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Schrammte knapp an der 8000-Punkte-Grenze entlang: Der Liestaler Finley Gaio.

Schrammte knapp an der 8000-Punkte-Grenze entlang: Der Liestaler Finley Gaio.

APA/DIETMAR STIPLOVSEK

Für das Ausrufezeichen sorgte der Liestaler Finley Gaio. Platz 9 erreichte er im Topfeld mit Olympiasieger Damian Warner (Ca) als Sieger und dem Schweizer Shootingstar Simon Ehammer auf Platz 3. Und mit seinen 7949 Punkten erzielte der 23-Jährige nicht nur eine neue persönliche Bestmarke, er kratzte auch an der magischen 8000-Punkte-Grenze, welche bisher erst sieben Schweizer übertroffen haben. Gaio ärgerte sich: «Ich habe die Chance auf ein Topresultat im Speerwerfen verschenkt.» Mit für ihn dürftigen 45,80 m blieb er deutlich hinter seinen Erwartungen.

Tag 1 im Mekka der Mehrkämpfer war Gaio perfekt gelungen. Nach 10,54 Sekunden über 100 m, 7,70 m im Weitsprung, 14,30 m im Kugelstossen, 1,88 m im Hochsprung und 48,50 Sekunden über 400 m belegte er Zwischenrang 4. Danach fiel er – nicht erst im Speerwerfen – kontinuierlich zurück. «Tag 2 muss ich noch in den Griff bekommen», schloss er.

Und: Eine Erklärung für das eher dürftige Speerergebnis musste er nicht lange suchen: Wegen einer angerissenen Sehne im Ellbogen hatte er in dieser Disziplin mit dem Training auszusetzen. «Ich konnte die fehlende Sicherheit nicht übertölpeln», so seine Erkenntnis. Und «im Grossen und Ganzen darf ich mit meinem zweiten Götzis-Start auch zufrieden sein», sagt er. Nicht ohne anzumerken, dass er das Verpasste möglichst schnell nachholen will. Bereits in drei Wochen startet er an den Schweizer Mehrkampf-Meisterschaften – mit dem klaren Ziel die 8000 Punkte erfolgreich anzugreifen.

Albisser Freude trotz Fauxpas

Um eine spezielle Premiere handelte es sich bei der Baselbieterin Celine Albisser. Die 26-Jährige aus Bubendorf war erst Ende April nach einer langen Verletzungspause ins Metier Siebenkampf zurückgekehrt. Nach den Schweizer Meisterschaften im August 2020 hatte sie eine Rückenverletzung (Vorstufe Ermüdungsbruch) ausgebremst. Und zusammen mit ihrem Trainer Patrick Schmutz vom LV Frenke und ihrem weiteren Betreuerstab entschloss sie sich für eine konservative Behandlung. Unter anderem bedeutete dies: Tragen eines Rumpfgipses während sechs Monaten und anschliessend einem grundlegenden Neuaufbau.

Celine Albisser ist nach einer Verletzung wieder zurück.

Celine Albisser ist nach einer Verletzung wieder zurück.

APA/DIETMAR STIPLOVSEK

Neuheit in 17 Jahren Mehrkampf

Celine Albisser investierte nun konsequent in ihre Schwachstelle. Stärken der Rumpfmuskulatur, Disbalancen ausmerzen, die Position des Beckens kontrollieren gewannen an Bedeutung. Und so gut und weit wie möglich, investierte sie in technische Abläufe und ihre Grundkraft und Mobilität. Daneben aber: nur sanfte Bewegungen wie Joggen – immer unter Aufsicht des Physiotherapeuten. Zurückgekehrt in den normalen Trainingsbetrieb ist Celine Albisser Anfang Oktober.

Kontinuierlich arbeitet sie seither wieder in Richtung Topleistungen. Im Winter wagte sie sich an eine erste Standortbestimmung über 60 m – und realisierte eine neue persönliche Bestmarke. Gleichzeitig aber merkte sie: «Es ist noch zu früh.» Das Siebenkampf-Comeback gab sie Ende April/Anfang Mai in Grosetto. Mit 5714 Punkten glückte ihr ein ansprechendes Resultat.

Und dieses übertraf sie nun in Götzis um 17 Punkte – und das trotz eines miserablen Auftakts. Im 100-m-Hürdensprint hängte sie am siebten Hindernis an, rettete sich spektakulär. Rund 60 Punkte aber liess sie mit ihren 14,25 liegen. «Richtig doof, das ist mir in 17 Jahre Mehrkampf noch nie passiert», sagte sie.

Für sie sprach anschliessend, wie sich Celine Albisser auffing, «die mentale Herausforderung bestand» und zwei Bestleistungen (Kugel und Weitsprung) zu einem akzeptablen Schlussergebnis kam. Und sie bilanzierte: «Im Vordergrund stand der Anlass, diese unglaubliche Kulisse und das tolle Erlebnis.» Und klar ist auch: Ohne den Hürden-Fauxpas hätte ein sehr erfreuliches Total herausgeschaut.