Swiss League

Kevin Schläpfer rockt wieder – als Sportchef beim SC Langenthal

Wird Sportchef in Langenthal: Kevin Schläpfer

Wird Sportchef in Langenthal: Kevin Schläpfer

Kevin Schläpfer, einst «Hockey-Gott» in Biel, dann in Kloten gefeuert, hat wieder einen Job. Er hat für vier Jahre als Sportchef in Langenthal unterschrieben. Er tritt seinen neuen Posten offiziell am 1. Mai an.

Wieder Trainer? Oder wäre es nicht besser, eine etwas sicherere Position, beispielsweise als Sportchef? Kevin Schläpfer hat sich für die zweite Variante entschieden. Er wird mit einem Vierjahresvertrag Sportchef beim SC Langenthal und ist in dieser Position zugleich verantwortlich für den gesamten Nachwuchs.

Der SC Langenthal gilt als Vorzeige-Unternehmen der Swiss League. In den letzten acht Jahren holten die Berner zwei Titel (2012 und 2017). Soeben haben sie den EHC Kloten aus den Playoffs gekegelt und stehen zum 7. Mal in den letzten acht Jahren im Halbfinale.
 
Kevin Schläpfer übernimmt den neuen Job ab dem 1. Mai. Es ist seine zweite Station in dieser Funktion. Von 2006 bis 2012 war er bereits in Biel Sportchef, stellte die Aufstiegsmannschaft von 2008 zusammen und rettete als «Feuerwehr-Trainer» die Bieler zweimal in der Liga-Qualifikation ehe er 2010 auch Cheftrainer wurde.

Bei Langenthals Erzrivalen EHC Olten nimmt man diese Personalie ebenfalls mit erhöhter Aufmerksamkeit zur Kenntnis. Der Ruf des ehemaligen EHCO-Spielers ist seit dessen Auftritt während des Cup-Spiels gegen Biel, als er sich zusammen mit den Fans der Seeländer im "Scheiss Olten"-Shirt ablichten liess, ziemlich ramponiert.

Was kann Kevin Schläpfer in Langenthal bewirken? Sein neuer Arbeitgeber liegt nicht sportlich und wirtschaftlich darnieder wie damals der EHC Biel. Und ein Aufstieg in die höchste Liga wird, anders damals n Biel, nicht angestrebt. Er muss auch nicht in einer «Feuerwehr-Übung» eine Hockey-Titanic vor dem Untergang retten wie letzte Saison in Kloten.

Von Kevin Schläpfer wird etwas anderes erwartet: Als Sportchef obliegt es ihm zwar, den Trainer und aus- und inländische Personal anzuheuern und dafür zu sorgen, dass die exzellente Nachwuchsabteilung weiterhin funktioniert. Aber etwas anderes ist noch wichtiger: In Langenthal stehen wichtige politische Entscheidungen an. Abstimmungen rund um den dringend erforderlichen Neubau einer Arena müssen gewonnen werden. Kevin Schläpfer wird «Hockey-Politiker».

Der SC Langenthal wird von Stephan Anliker präsidiert. Er wird zwar seinen Vorsitz an den bisherigen Geschäftsführer Gian Kämpf übergeben. Aber das ändert nichts daran, dass der SCL «sein» Klub ist und wird in der Stadt als reine Kulissenschieberei durchschaut.

Langenthals starker Mann: Stephan Anliker.

Langenthals starker Mann: Stephan Anliker.

Für alle lokalpolitischen Geschäfte ist der Name Stephan Anliker toxisch. Er ist in der Stadt als Unternehmer (Architekt) einfach zu erfolgreich und sein Engagement bei Fussball-GC wird ihm als grössenwahnsinniges Narrentreiben ausgelegt. Wie soll das Volk Vorhaben zu einem Arena-Neubau zustimmen, wenn der Hockey-Präsident (als der er auch nach seinem Rücktritt wahrgenommen wird) sein Geld nicht in den lokalen Sport investiert, sondern in Zürich in ein Fass ohne Boden wirft? Das ist undankbar. Alle Gegner der Arena-Vorlagen können populistisch argumentieren, man finanziere doch mit Steuergeldern nicht das marode GC.

Das ist alles zwar höchst undankbar. Stephan Anliker hat aus dem 1. Liga-Klub SC Langenthal ein Vorzeige-Unternehmen in der zweithöchsten Spielklasse gemacht. Ohne ihn gäbe es den SC Langenthal wie wir ihn heute kennen nicht. Aber Dankbarkeit darf in der Politik und im Sport nicht erwartet werden.

Kevin Schläpfer kann den SC Langenthal von den politischen Auswirkungen des Namens «Stephan Anliker» erlösen. Er hat eine Vergangenheit als Spieler in Langenthal, er hat Charisma, er ist populär in der Stadt, er hat hier viele Freunde. Ja, Langenthal ist schon seit Jahren so etwas wie seine zweite Heimat. Zumal er hier mit Markus Bösiger (auch er im Volk so etwas wie ein «Anti-Anliker») seinen besten und wichtigsten Freund hat. Die perfekten Voraussetzungen um lokalpolitisch und lokalpsychologisch der «Anti-Anliker» zu werden.

Kevin Schläpfer als «Mister SCL», als Langenthals Gesicht und so das Zugpferd in den anstehenden politischen Prozessen rund um den Bau einer neuen Arena. Aus dem Spieler, Sportchef und Trainer wird jetzt auch noch ein Politiker.

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