Judo
Je schwerer, desto besser: Tom Witzig weiss, auf was es beim Judo ankommt

So bringt der 18-jährige Tom Witzig das Leben als Judoka und Schüler eines Sportgymnasiums unter einen Hut.

Deborah Gonzalez
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Judoka Tom Witzig in seinem internationalen Qi, bekannter als Kimono, im regionalen Sportleistungszentrum in Basel.

Judoka Tom Witzig in seinem internationalen Qi, bekannter als Kimono, im regionalen Sportleistungszentrum in Basel.

SEVERIN BIGLER

Es ist nicht schwer, Tom Witzig im regionalen Sportleistungszentrum in Basel zu finden. Man muss einfach nur den stumpfen Schlag-Geräuschen folgen.

Im Dojo – so nennt sich der Raum, in dem die Judokas trainieren – angekommen, ist der erste Gedanke: «Tut das nicht weh?». Im Sekundentakt fallen Judokas zu Boden, und zwar nicht gerade glimpflich. Und das, obwohl «Judo» übersetzt der Sanfte Weg heisst.

Aber was genau ist Judo eigentlich? Der 18-jährige Judoka Tom Witzig gewährt uns Einblick:

Judo ist ein Einzelsport, den man jedoch nicht alleine trainiert. Das sei nicht möglich, da man unter anderem Bewegungsabläufe mit und ohne Zeit trainieren muss. Da ist ein Partner beziehungsweise Gegner vonnöten, der unter anderem auch die Stoppuhr bedient. Ausserdem trainiert man das Werfen mit dem grösstmöglichen Widerstand.

Judoka Tom Witzig. Der Judoka Tom Witzig im Dojo der Judo Club Basel, am 31. Oktober 2017.

Judoka Tom Witzig. Der Judoka Tom Witzig im Dojo der Judo Club Basel, am 31. Oktober 2017.

SEVERIN BIGLER

Das war übrigens der anfängliche Kulturschock, bei dem man meinen sollte, dass das doch sämtliche blaue Flecken hinterlassen müsse. Das hingegen soll die Tatami (so heisst die Matte, auf die die Judokas fallen) verhindern. Klingt ja doch sehr verlockend. Probieren wollten wir es aber trotzdem nicht.

Frauen, Köpfchen – Männer, Kraft

Judo ist bei weitem keine Randsportart, denn alleine in Basel zählt man über 1 000 Judokas. Auch der Sportpreis Baselland geht dieses Jahr an die olympische Judo-Kämpferin Evelyne Tschopp.

Das verdeutlicht, dass Judo nicht nur eine Sportart für Männer ist. Auch das Training wird gemischt bestritten, das heisst, dass Frauen durchaus gegen Männer antreten können. So können Männer in Sachen Köpfchen von der Frau lernen und die Frau wiederum in Sachen Kraft vom Mann.

Beim Judo spricht man von verschiedenen Alters- sowie Gewichtsklassen. U18, U21 und ab 21 Jahren dann Elite. Diese werden wiederum in Gewichtsklassen getrennt. Laut Tom ist «je schwerer, desto besser». Ein Vorteil ist es durchaus, wenn man das maximale Gewicht der jeweiligen Gewichtsklasse erreicht.

Judoka Tom Witzig   

Judoka Tom Witzig   

SEVERIN BIGLER

Für die Gradierung der Sportler gibt es verschiedene Gurte. Tom Witzig ist zuversichtlich, dass er den schwarzen Gurt – auch Meistergurt genannt – in der nächsten Prüfung erhalten wird. Tom bestreitet Judo, seit er 6 Jahre alt ist. Seine Eltern waren beide Judokas.

Er selbst hat aber etwas gebraucht, bis er Judo für sich entdeckt hat. Er hat diverse Sportarten ausprobiert, jedoch schnell gemerkt, dass er am liebsten in den Judo-Klub geht. Seine ersten Wettkämpfe bestritt er mit 7 Jahren (regionale Ebene) und mit 9 Jahren auf nationaler Ebene.

Mit 13 Jahren hat er auch Erfahrungen auf der internationalen Bühne sammeln können. In der Kategorie U18 kann Tom zwei Erfolge aufzählen, nämlich der jeweils zweite und dritte Platz bei den Schweizer Nationalen Meisterschaften.

Leistungssport und Schule

Leistungssportler ist Tom Witzig seit dem Sommer 2015. Geändert hat sich in seinem Leben seitdem vieles. Er trainiere viel mehr, «10 bis 11 Mal pro Woche», zählt er auf. Auch schulisch sei vieles besser, da er jetzt Schüler eines Sportgymnasiums ist, wo er seine Matur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft in fünf statt den gewohnten vier Jahren macht.

Dank diesem Schulsystem ist Tom entlastet. Er kann ins Trainingslager gehen, ohne Angst haben zu müssen, er könne etwas verpassen oder im Unterricht nicht mehr mitkommen. Jetzt dreht sich die Schule um das Training und nicht das Training um die Schule.

Die Schule kommt ihm entgegen. «Das ist auch gut so, ansonsten wäre es nicht möglich, so viele Trainingseinheiten zu bestreiten und gleichzeitig gute Noten nach Hause zu bringen», sagt Tom.

Judoka Tom Witzig über das Leistunssport-Schulsystem:   «Jetzt dreht sich die Schule um das Training und nicht das Training um die Schule.»

Judoka Tom Witzig über das Leistunssport-Schulsystem:   «Jetzt dreht sich die Schule um das Training und nicht das Training um die Schule.»

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Wenn man Tom Witzig nach seinem Traum fragt, lautet dieser: Olympia. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Jetzt ist Tom frisch in der U21, weshalb er noch keinen Platz in der Nationalmannschaft hat. Doch das soll sich schnell ändern, denn er ist zuversichtlich, dass es 2018 klappen wird. «Das Ziel für dieses Jahr ist es, eine Medaille bei der EM zu holen», sagt Tom.

Das nächste Highlight lässt auch nicht lange auf sich warten. Am 18. und 19. November finden die Schweizer Einzelmeisterschaften in Neuchâtel statt.

Das Leben nach dem Sport

Sollte Tom Witzig irgendwann keine Kraft oder Lust mehr haben, den Sport weiterhin aktiv zu betreiben, stehen ihm laut Verbandspräsident Arnaud Reichling diverse Möglichkeiten zur Verfügung. Der Verband kümmere sich früh darum, dass die Sportler gefördert werden, um im Judo-Kreislauf zu bleiben.

«Als ehemaliger Leistungssportler ist er für den Klub wertvoll», sagt Arnaud Reichling. Deshalb engagiere sich der Verband, damit Sportler frühzeitig eine Weiterbildung als Trainer oder Kampfrichter machen können. So bliebe Tom dem Sport weiterhin verbunden, wenn auch nicht mehr aktiv.

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