Orientierungslauf
Ines Brodmanns WM-Einsatz in der Königsdisziplin

Ihren Staffel-WM-Titel vom Vorjahr wird Ines Brodmann in Finnland nicht verteidigen können, dafür kommt sie in der OL-Königsdisziplin Langdistanz zum Einsatz. Am Sonntag ist die Qualifikation.

Roland Eggspühler
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Ines Brodmann erhält ein Küsschen von Teamkollegin Judith Wyder, und auch Simone Niggli freute sich 2012 über das Staffel-Gold an der Heim-WM in Lausanne. Keystone

Ines Brodmann erhält ein Küsschen von Teamkollegin Judith Wyder, und auch Simone Niggli freute sich 2012 über das Staffel-Gold an der Heim-WM in Lausanne. Keystone

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Der Sprint bringt den OL-Sport in die Stadt zu den Leuten und sorgt für Spektakel. Aber die Langdistanz ist in der OL-Szene die Königsdisziplin geblieben. Denn dieser Lauf ist die ursprüngliche WM-Einzeldisziplin, bevor 1991 die Mitteldistanz und 2001 der Sprint ins WM-Programm aufgenommen wurden.

An der Heim-WM in Lausanne lief Ines Brodmann über diese klassische Distanz erstmals in die Top Ten, und in dieser Grössenordnung stellt sich die Athletin aus Riehen auch ihre Klassierung im Final vom Dienstag vor.

«Doch ich fokussiere mich nicht auf einen Rang. Zufrieden bin ich vor allem, wenn ich technisch sauber laufe und physisch alles aus mir rausholen kann. Wenn das gut gelingt, ergibt sich ein entsprechender Rang meist von selber», skizziert Ines Brodmann und weiss: «Ganz so einfach wie letztes Jahr ist es für mich diesmal nicht. In Lausanne hatte ich Heimgelände. In Finnland sind die Wälder völlig anders.»

Um sich optimal auf das WM-Gelände vorzubereiten, weilte Ines Brodmann diesen Frühling einige Wochen in Skandinavien und holte sich in der letzten Woche in der WM-Region den technischen Feinschliff. Und auch physisch fühlt sie sich nun bereit: «Die zwei Wochen Pause zu Hause nach den Selektionsläufen taten mir gut», stellt sie fest.

Vor einem Jahr in Lausanne holte sich Ines Brodmann zum Abschluss der WM-Woche ihren ersten WM-Titel – zusammen mit Judith Wyder und Simone Niggli siegte sie in der Staffel.

Läuft alles nach Plan, so wird im Schweizer Frauenteam Sara Lüscher den Platz von Ines Brodmann einnehmen. «Natürlich schmerzt es mich ein bisschen, dass ich für die Titelverteidigung nicht nominiert bin», erklärt Ines Brodmann ihre Gefühlslage.

«Aber ich akzeptiere diese Entscheidung, denn ich war in den Selektionsläufen nicht gleich gut wie im Vorjahr.»

Dass Sara Lüscher den Vorzug erhielt, hängt nicht nur mit den Resultaten in den Schweizer Selektionsläufen zusammen, sondern hat auch taktische Gründe: Die Staffel am kommenden Samstag ist nämlich vom selben Geländetyp wie die Mitteldistanz (Qualifikation am Donnerstag, Final am Freitag), in der Sara Lüscher zum Einsatz kommt.

Ines Brodmann hat sich mit der Rolle als Staffel-Reservistin abgefunden und stellt sich voll in den Dienst des Teams: «Als Ersatzläuferin mache ich das gesamte Staffel-Vorbereitungsprogramm mit, wie wenn ich für einen Einsatz vorgesehen wäre. So bin ich hundertprozentig bereit, falls es mich plötzlich doch noch braucht.»

Wie wichtig eine perfekt vorbereitete Reservistin ist, zeigte sich 2005 in Japan, als die Schweizerinnen die Goldmedaille holten: Die Baselbieterin Lea Müller war mental und körperlich bereit, obwohl sie sehr kurzfristig ins Team nachrutschte, und legte mit einem Superlauf die Grundlage zum Schweizer WM-Titel.

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