Ihre Erfolgsgeschichte begann in einem Kinderheim. Wie war das?

Werner Schmid: Meinen leiblichen Vater habe ich nie kennen gelernt. Ich kam mit sechs Monaten in ein Säuglingsheim in Langenbruck. Danach verbrachte ich meine Jugend bis zum elften Lebensjahr im Kinderheim oder bei Pflegeeltern.

Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

In Langenbruck hatten von der 1. bis zur 8. Klasse alle Kinder gleichzeitig in einem Zimmer Unterricht. Dort habe ich schlimme Dinge erlebt. Da gab es Bestrafungen, die unter Misshandlung fielen. Wenn das heute ein Heimleiter machen würde, käme er ins Gefängnis.

Mit elf Jahren zogen Sie zurück zu Ihrer Mutter, die mit einem neuen Mann in Allschwil wohnte.

Ja. Oberhalb des Restaurants Frohsinn, wo meine Mutter im Service arbeitete. Wir lebten zu sechst in einer 2,5-Zimmer-Wohnung mit Mansarde. Die habe ich mir mit meinem ältesten Bruder geteilt. Eine Heizung gab es nicht. Im Winter mussten wir um 17 Uhr eine Bettflasche ins Bett legen, sonst wäre das Leintuch gefroren. Erst zwei Jahre später sind wir in einen neu gebauten Sozialwohnungsblock gezogen. Der war von der Gemeinde subventioniert. Unsere 4,5-ZimmerWohnung hat uns 210 Franken im Monat gekostet. Dort hatten wir zum ersten Mal eine Badewanne und warmes Wasser. Das war ein echtes Highlight.

War Sport eine Flucht aus dem Alltag?

Ja. Ich habe mit Handball begonnen und bin als Junior und später als Amateur Rennvelo gefahren, habe an Rennen teilgenommen. Damals war ich noch schlanker (lacht).

Nach der obligatorischen Schule haben Sie eine Lehre als Grossapparate-Schlosser gemacht.

Während dieser Zeit habe ich meine heutige Frau Doris kennen gelernt. Sie kommt aus wohlbehütetem Hause. Da habe ich mir gesagt: «Jetzt musst du was machen, damit es deine Kinder mal besser haben als du.» Ich erkundigte mich und entschied mich für ein Studium, doch alle sagten mir, mit meinem Abschluss hätte ich keine Chance.

Doch Sie haben trotzdem studiert.

Ich besuchte während der Lehre abends und samstags Algebra- und Geometrie-Kurse, als Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung. Am Ende schaffte ich es von 102 Prüflingen unter die besten 20 und durfte in Muttenz am Technikum studieren.

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Weil ich daheim wohnte, musste ich meiner Mutter und meinem Stiefvater monatlich 400 Franken abdrücken. Ich bekam beim Kanton ein kleines Stipendium und arbeitete in den Ferien. Jeden Sonntag stand ich zudem an der Tankstelle. Dort gab es nur 3.50 Franken pro Stunde, aber durch gute Dienstleistungen, wie Ölkontrolle oder Scheibenreinigung, kamen täglich 150 bis 200 Franken Trinkgeld dazu. Immer wieder habe ich auch im Rheinhafen Schichtarbeit verrichtet. Das war damals ein gut bezahlter Studentenjob.

Im Jahr 1985 gründete Werner Schmid mit Kollegen den Volleyballklub Pfeffingen. Zu Beginn trainierte Schmid das Damenteam. Im Jahr 2000 kam es dann zur Fusion der beiden Vereine aus Aesch und Pfeffingen. Vier Jahre später stieg Sm’Aesch Pfeffingen in die Nati A auf, wo es seit 15 Jahren spielt. Seit 2008 ist Schmid Präsident des Vereins.

Warum hören Sie ausgerechnet jetzt bei Sm’Aesch Pfeffingen auf?

Ich bin nicht mehr der Jüngste, auch wenn ich mich nicht alt fühle. Eigentlich wollte ich 2020 zurücktreten, dann werde ich siebzig. Aber es gab schon jetzt Dinge, die nicht mehr so gepasst haben.

Welche?

Das Defizit, welches ich ausgleichen muss, wurde immer grösser. Es hiess immer: «Wir brauchen noch dies, wir brauchen noch jenes.» Weil ich das nicht alles finanziell tragen wollte, hiess es, ich sei ein Bremser.

Wie viel Geld haben Sie jährlich an Sm’Aesch Pfeffingen gezahlt?

40 000 Franken als Sponsor von Garage Schmid und 15 000 Franken als Sponsor von der AVB Autovermietung und jeweils das Defizit. Das war im letzten Jahr ein tiefer sechsstelliger Betrag. In diesem Jahr wird es vielleicht knapp unter sechsstellig. Meine Tochter und meine Frau haben mir immer wieder gesagt: «Wir haben das Geld ja auch nicht zuhauf.» Wenn du dann wegen Konflikten auch noch die Freude verlierst, musst du aufhören.

Mussten Sie und Ihre Familie auf Dinge verzichten, weil all Ihr Geld in den Volleyball geflossen ist?

Nicht direkt. Aber ich bin zum Beispiel nicht mehr «Club-de-Bâle»-Mitglied. Auch auf die sechs Logen-Plätze beim FC Basel für 39 000 Franken pro Saison habe ich verzichtet.

Wie stark hat Ihre Garage von der Werbung durch Ihr Engagement beim Volleyball profitiert?

Henry Ford hat es gut formuliert. «Man könnte die Hälfte aller Werbeausgaben sparen, wenn man wüsste welche Hälfte.» Es gibt aber nur wenige, die zu mir kommen und beim Autokauf sagen, dass sie wegen des Volleyballs bei mir gelandet sind. Trotzdem werde ich vor allem auf Messen oder bei Events immer wieder von Wildfremden angesprochen, die mich wegen Sm’Aesch Pfeffingen kennen. Der Bekanntheitsgrad der Garage Schmid hat sich durch die lange Zeit meines Engagements sicher gesteigert.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein Verkäufer sind?

Schon früh. Ich war schon als Jugendlicher gerne auf Auktionen. Meine Taktik war immer die gleiche. Warten, bis den anderen das Geld ausgeht, und dann billig zuschlagen. Als eine Schallplattenfirma pleiteging, habe ich Zehnerpakete mit Langspielplatten für sieben Franken gekauft und die Platten dann einzeln für zehn Franken das Stück weiterverkauft. Das hat mir Spass gemacht.

Wie schaffen Sie es, dass Ihnen die Leute Geld geben?

Ich habe ein gutes Netzwerk, durchs Geschäft und durch meine frühere politische Arbeit als Gemeinderat. Es ist tatsächlich so, dass viele meiner Freunde gesagt haben: «Werner, ich bin zwar kein Volleyballfan, aber ich finde gut, was du da machst. Ich investiere dir zuliebe.» Meine Frau hat mal gesagt: «Ich will nie ein Freund von dir sein. Das ist viel zu teuer. Die trauen sich einfach nicht, Nein zu sagen.»

Wie überzeugen Sie neue Sponsoren, zu investieren?

Viele machen einen grossen Fehler: Sie kommen sich als Bettler vor. Ich komme mir aber als Verkäufer vor. Ich habe ein Konzept entwickelt und kann dann sagen: «Die 10 000 Franken gibst du nicht für eine Bande am Spielfeldrand aus, die nur ein paar Zuschauer sehen. Du kriegst auch noch ein Inserat in der Zeitung verbunden mit einem redaktionellen Text.» Das organisiere ich für alle grösseren Sponsoren. Es kostet mich insgesamt nur die Hälfte von dem, was durch die Sponsoren wieder reinkommt. Und dazu habe ich noch Werbung für das nächste Heimspiel. Ein reines Mäzenatentum gibt es heute kaum noch. Es braucht meistens einen Gegenwert.

Sind Sie zufrieden mit Ihren Nachfolgern Esther Keller und Matthias Preiswerk?

Preiswerk war ja schon mal mein Partner. Das hat damals nicht funktioniert. Wir hatten einen Dreijahresplan mit dem Ziel, am Ende Zweiter hinter Voléro Zürich zu werden. Für jedes Jahr gab es ein eingeplantes Defizit, das aber kleiner werden sollte. Mein Ziel war es, dass wir auf eigenen Beinen stehen, wenn Preiswerk nach drei Jahren wieder aufhört.

Aber es kam anders.

Ja. Wir wurden gleich im ersten Jahr Zweiter. Dann fingen die Begehrlichkeiten an. Unser damaliger Trainer Timo Lippuner wollte neue Spielerinnen, dabei können doch nur vier Ausländerinnen gleichzeitig auf dem Feld stehen. Für Preiswerk war Lippuner ein Halbgott, er wollte ihm seine Forderungen erfüllen. Das Defizit wuchs im zweiten Jahr stark an und ich musste sagen: «Da kann ich nicht mitmachen.» Das gab eine Diskussion nach der anderen, was schliesslich zur Trennung führte.

Jetzt wird er aber, gemeinsam mit Esther Keller, Ihr Nachfolger.

Esther Keller ist super. Ich bin überzeugt, dass sie den ein oder anderen Sponsor an Land ziehen kann, weil sie durch frühere und jetzige Tätigkeiten über ein gutes Netzwerk verfügt. Aber sie kann kein Defizit ausgleichen. Diese Rolle übernimmt wohl Preiswerk. Für mich ist das o. k., ich bin ja nicht mehr dabei. Das Einzige, das ich noch machen werde, ist vielleicht ein Sponsoring. Wenn die Gegenleistung stimmt (lacht).

Welche Anekdoten bleiben aus Ihrer Zeit mit Sm’Aesch?

Der erste Cupfinal zum Beispiel. Da haben uns am Halbfinaltag schon alle abgeschrieben. An der Nati-A-Präsidenten-Konferenz wurde schon über den Final zwischen Zeiler Köniz und Volero Zürich gesprochen. Doch dann hat der Neuaufsteiger Sm’Aesch Pfeffingen im Halbfinal das favorisierte Köniz aus dem Cup geworfen.

Viele Spielerinnen haben bei Ihnen im Betrieb gearbeitet.

Ja, wir haben diversen Spielerinnen einen Bürojob als Zusatzverdienst ermöglicht.

Sie sind selber auch als Handwerker eingesprungen.

Martina Frankova hat mich mal angerufen, weil ihre Dusche überlief. Dann bin ich da hin, habe die Dusche repariert und den Abfluss gereinigt. Ich bin mir nicht zu schön, um anzupacken.

Liegt Ihre Hilfsbereitschaft daran, dass Sie sich in jungen Jahren alles selbst erarbeiten mussten?

Das hat sicher mit meiner Jugend zu tun. Ich weiss, was es heisst, untendurch zu müssen.