Eishockey

Grosser Name, grosse Ziele: So tickt der neue EHC-Trainer Christian Weber

Christian Weber soll den EHC Basel mit seiner Erfahrung in die NLB führen.

Christian Weber soll den EHC Basel mit seiner Erfahrung in die NLB führen.

Der EHC Basel bekommt mit Christian Weber einen erfahrenen Mann, der als Trainer aber noch nie in der dritten Liga gearbeitet hat.

Das mit der Vertragsunterzeichnung ist in diesen Tagen gar nicht so einfach. Der neue EHC-Trainer Christian Weber musste gestern zur Post. Am Vormittag erhielt er einen Scan seines neuen Vertrags mit den Originalunterschriften von EHC-Präsident Daniel Schnellmann und Sportchef Olivier Schäublin. Diesen musste er unterschreiben und an den Absender zurücksenden, da persönliche Treffen in Zeiten des Coronavirus vermieden werden sollten. Das Virus macht das Prozedere zwar etwas komplizierter, doch es ändert nichts daran, dass der 56-jährige Weber den EHC Basel in den kommenden zwei Jahren trainieren wird.

Per Telefon hat Weber in den letzten Tagen unzählige Gespräche mit Schäublin geführt. Bereits vor zweieinhalb Jahren wollte der Weber nach Basel locken. Beim Spengler-Cup sassen die beiden zusammen. Doch damals kam es noch nicht so weit, weil Weber im Januar nicht zur Verfügung stand, Schäublin aber schon ab 1.1. einen Trainer benötigte. Statt Weber kam Albert Malgin, auf Malgin folgte Robert Othmann und jetzt mit zweieinhalb Jahren Verspätung doch noch Christian Weber. «Wir haben einen äusserst kompetenten, erfahrenen und hoch motivierten Trainer für die verpflichtet», freut sich Schäublin, dessen Geduld und Hartnäckigkeit sich jetzt auszahlte.

Denn nach einem zweijährigen Intermezzo beim österreichischen Team EHC Lustenau liebäugelte Weber mit einer Rückkehr in die Schweiz. «Der Kontakt mit Basel ist nie abgebrochen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, den Job dort anzunehmen», sagt Weber gegenüber der bz. Natürlich ebenfalls am Telefon. Dieses hat Weber in diesen Tagen so oft am Ohr wie noch nie. Da er nicht persönlich vor Ort sein kann, muss der neue Coach den EHC Basel digital kennenlernen. In den kommenden Wochen will Weber mit den Spielern telefonieren. «Ich muss zugeben, dass ich drei Viertel der Spieler nicht kenne», sagt er.

Als Experte beim Schweizer Fernsehen hat Weber neben seiner Trainertätigkeit in Österreich zuletzt nur die ersten beiden Schweizer Ligen verfolgt. «Von der MySportsLeague habe ich kein einziges Spiel gesehen», sagt Weber. Auch beim Playoff-Halbfinal zwischen seinem Heimatklub Dübendorf uns seinem neuen Arbeitgeber Basel war Weber nicht live mit dabei.

Den ganzen Tag nur Eishockey im Kopf

Das wird sich in Zukunft ändern. Dann ist Weber mittendrin und zwar von morgens bis abends. Der Frühaufsteher denkt von 6 Uhr bis 23 Uhr hauptsächlich an Hockey. «In den seltenen Fällen, in denen ich etwas anderes mache, spiele ich Golf», sagt er. Auch wenn es von Dübendorf, ZH, nur eine Stunde Fahrzeit ist, wird Weber mit seiner Frau Tina auf eigenen Wunsch nach Basel ziehen. «Es gibt so viel zu tun. Da ist es nicht gut, wenn der Trainer nicht in der Nähe ist», sagt Weber. Genau das wurde seinem Vorgänger vorgeworfen.

Als Spieler war Christian Weber eine grosse Nummer. Von 1983 bis 2001 spielte er über 607 Mal in der NLA. Davos, Ambri und ZSC hiessen seine Klubs. Mit Davos und Zürich wurde er je zweimal Schweizer Meister. Für die Nati spielte der Stürmer 102 Mal unter anderem auch an fünf Weltmeisterschaften. Nach seinem Karriereende 2001 wechselte er direkt an die Bande.

GCK, ZSC, Langnau, Rapperswil-Jona, Klagenfurt, Thurgau, Lustenau, Basel. Wer Webers Trainerstationen liest, kann eine absteigende Tendenz erkennen. «Ich hätte auch nach Deutschland wechseln können, doch ich war jeweils immer vom Projekt überzeugt. Jetzt freue ich mich zurück in die Schweiz zu kommen», entgegnet Weber mit einem Schmunzeln.

Das Projekt EHC Basel überzeugte ihn vor allem mit seinem Potenzial und seinen klaren Zielen. «Die Nachwuchsarbeit und die Strukturen sind super. Allein geografisch wäre es schön, wenn Basel irgendwann wieder in der Nati A spielt», sagt Weber. Er soll dafür sorgen, dass der Klub in den nächsten zwei Jahren den ersten Schritt zu diesem langfristigen Ziel macht und in die NLB aufsteigt. Weber will dieses Ziel mit offensivem und leidenschaftlichem Eishockey erreichen. «Als Spieler habe ich es gehasst, wenn der Trainer wollte, dass wir nur auf den Scheibenverlust des Gegners lauern. Das wird es bei mir nicht geben», sagt er. Für den Trainer, der 2008 mit Langnau ligaweit die meisten Tore schoss, und trotzdem die Playoffs verpasste, gilt nach wie vor: Ab die Post.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1