9. Dezember 2014

Gänsehaut trotz Corona: Als der FC Basel den FC Liverpool ins Tal der Tränen schoss

Fabian Frei vernascht Dejan Lovren. Sein FCB schmeisst Liverpool raus.

Fabian Frei vernascht Dejan Lovren. Sein FCB schmeisst Liverpool raus.

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 15 findet im Dezember 2014 statt. Dank des 1:1 in Anfield zieht der FCB ins Achtelfinale der Champions League ein. Liverpool scheidet aus, auch weil Tomas Vaclik in der Schlussphase glänzend pariert. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Die Bilder:

Die Highlights im Video:

Liverpool FCB 1:1

   

Das Telegramm:

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Das Zitat:

Der Matchbericht von damals:

Titel: Und am Schluss singen die Basler

Lead: Zum dritten Mal überwintert Basel in der Champions League. Sein Auftritt an der Anfield Road ist ein Mix aus Klasse, Widerstand und auch ein wenig Glück. Fabian Frei und Steven Gerrard schiessen die Tore in einer aufwühlenden Nacht.

von Michele Coviello (NZZ)


Mit einem Schmunzeln hatte der Captain Marco Streller seine Erinnerungen hervorgekramt. Vor dem Abflug Richtung England hatte er erzählt, wie laut es in Stadien auf der Insel zu und her gehen kann. «Doch am Schluss hat man nur noch unsere Fans gehört», sagte er verschmitzt. In den vergangenen drei Jahren erreichte Basel ein Unentschieden in Manchesters Old Trafford, ein weiteres an der White Hart Lane gegen Tottenham, und er siegte 2013 an der Stamford Bridge des Chelsea FC.

Streller überschätzte sich nicht mit dieser Zuversicht. Auch am Dienstag sangen lange nach Spielschluss nur die mitgereisten Basler Anhänger. Das 1:1 gegen Liverpool an der Anfield Road reiht sich ein in diese ausserordentliche Folge an positiven Resultaten gegen weitaus höher dotierte englische Teams und bringt den FC Basel nach 2002 und 2011 zum dritten Mal in seiner Geschichte unter die besten 16 Teams Europas. Er verdiente sich diesen Einzug in die Achtelfinals mit einem Selbstbewussten Auftritt in der ersten Hälfte, mit taktischem Verständnis, Tempo und Überraschungsmomenten gegen ein zwar finanziell viel reicheres Liverpool, dessen Qualität aber infrage gestellt werden darf. Der Spielzug zum FCB-Tor (25.) war die Synthese der Basler Fähigkeiten: Sie setzten die Liverpooler an deren Strafraum mit einer Ballstafette unter Druck, Fabian Frei dribbelte, spielte einen Doppelpass mit Luca Zuffi, placierte dann einen Flachschuss ins weite Eck. Vor ihm verstummte der gefürchtete Fan-Block «The Kop».

Es braucht auch eine Prise Glück

Doch in einem Stadion wie diesem brauchte der FC Basel neben seiner Klasse auch eine Prise Glück, selbst dann, wenn vieles für ihn zu laufen schien. In der 60. Minute erkannte man auf den Bildschirmen der TV-Reporter, wie Brendan Rodgers leer schluckte. Der Liverpooler Manager hatte soeben mit ansehen müssen, wie der Schiedsrichter seinen Mittelfeldspieler Lazar Markovic vom Platz schickte. Mit der rechten Hand hatte er nach dem Basler Verteidiger Behrang Safari ausgeschlagen, ihn vermutlich knapp mit den Fingerspitzen gestreift. Wenn auch hart, die Absicht wurde zu Recht bestraft.

Erst seit Wiederanpfiff stand der Ersatzspieler Markovic auf dem Rasen. Er hatte für Bewegung in einer trägen Mannschaft gesorgt. Und nun war er wieder weg, Liverpool in Unterzahl und immer noch 0:1 im Rückstand. Regen peitschte Rodgers um die Ohren, und vielleicht erlosch in jenem Moment zum ersten Mal die Hoffnung, den nötigen Sieg für die Qualifikation für die Achtelfinals der Champions League zu schaffen. Paradoxerweise folgte dann die beste Phase der Reds. Der Stolz dieses europäischen Riesen, betitelt mit vier Meisterpokalen, einer Champions-League-Trophäe und drei Pokalen im Uefa-Cup, erwachte in der letzten halben Stunde – angepeitscht von einer Kulisse, die bei jedem gewonnenen Zweikampf, jedem erkämpften Einwurf die Lautstärke so aufdreht, als wäre ein Tor gefallen. Raheem Sterling schickte Steven Gerrard alleine vor den Basler Goalie Tomas Vaclik. Dieser berührte mit der Hand zuerst den Ball, dann Gerrard. Das war eine Situation, die auch schon zu einem Penalty geführt hat.

Doch Fortuna war dieses Mal bei den Baslern – nicht wie vor einem Jahr, als die Ausgangslage in Gelsenkirchen gleich war und Schiedsrichterentscheide gegen Basel liefen, nicht wie in dieser Kampagne in Sofia bei der 0:1-Niederlage gegen Rasgrad, als ein strenger Platzverweis und ein spätes Gegentor Basel bestraften. Gerrard verwertete am Dienstag zwar einen phantastischen Freistoss via Pfosten (72.) zum Ausgleich. Anfield bebte, die Kämpfe wurden immer rauer. Doch Basel bewies Charakter und Widerstandskraft. Und am Schluss sangen die Basler.

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