Orientierungslauf
Ein Vorläufer und zwei Kandidatinnen

Der 27-jährige Baselbieter Fabian Hertner verhaut beim Weltcupsprint in St.Galler den WM-Sprint. Rahel Friederich und Ines Brodmann werden sich um den Startplatz duellieren müssen.

Rainer Sommerhalder
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Ines Brodmann am Weltcupsprint in St.Gallen.

Ines Brodmann am Weltcupsprint in St.Gallen.

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Simone Niggli-Luder ist in allen drei Einzelrennen die WM-Topfavoritin. Daneben sieht OL-Nationaltrainerin Maja Kunz das grösste Potenzial für eine weitere Frauen-Medaille im Sprint. «Dort haben es unsere Läuferinnen drauf», weiss die Chefin, die nach dem Weltcupsprint in St. Gallen einen heiklen Selektionsentscheid treffen muss.

Für die zwei Startplätze in Lausanne neben «Gold-Sime» drängen sich drei Läuferinnen auf. Die junge Bernerin Judith Wyder sowie die zwei Baslerinnen Rahel Friederich und Ines Brodmann. Vieles deutet darauf hin, dass sich Friederich und Brodmann ein direktes Duell um die begehrte Möglichkeit, in drei Wochen um Edelmetall zu laufen, liefern.

Brodmanns Empfehlungsschreiben

Beim Postfinance-Sprint in St. Gallen lagen die Vorteile auf Seiten von Brodmann. Die 27-Jährige aus Riehen distanzierte als Sechste ihre Clubkollegin von der OLG Basel um sechs Ränge und 28 Sekunden. An der Europameisterschaft vor einem Monat war es genau umgekehrt. Dort war Friederich als Fünfte acht Plätze und 26 Sekunden besser. Brodmann sieht ihre gestrige Leistung als «starkes Empfehlungsschreiben» für das WM-Team, «auf jeden Fall ist es ein guter Start in die letzte Testlaufserie».

Die ein Jahr jüngere Freundin zählt darauf, dass ihre starke EM-Leistung genügend berücksichtigt wird. «Ich hoffe schon, dass es für einen Sprint-Startplatz reicht. Sonst muss ich mich halt in einer der anderen Disziplinen aufdrängen. Auf jeden Fall haben wir ein starkes und ausgeglichenes Team.»

Hertner nur im Vorprogramm

Wie sich eine WM-Medaille anfühlt, weiss Fabian Hertner im Gegensatz zu den beiden Basler Frauen bereits. Der 27-jährige Baselbieter, der seit einem Jahr wie auch Friederich im neuen «OL-Mekka» Winterthur wohnt, gewann 2010 Silber im Sprint. Nun wird er aber zum zweiten Mal in Folge die Schweizer WM-Selektionshürde für diese Disziplin nicht schaffen. Nachdem im Frühjahr wegen einer Verletzung sogar das vorzeitige WM-Aus drohte, schien er rechtzeitig für die entscheidende Qualifikationsphase wieder bei den Leuten zu sein.

In St. Gallen musste Hertner aber bereits als Vorläufer ran, weil er aufgrund seiner Verletzungspause derzeit nicht in den Top 40 der Weltcuprangliste klassiert ist. Zwei Stunden vor dem Weltcupfeld «verhaute» er seinen Lauf mit zwei zeitraubenden Routenwahlfehlern zünftig und war im Quervergleich nur fünftbester Schweizer.

Die Form stimmt

Rein läuferisch bewegt sich Hertner – das bewies sein Rennen ebenfalls – durchaus bei den Weltbesten. Die Form stimmt also. Das muss auch so sein, denn der Pratteler steht morgen Dienstag und am Mittwoch ziemlich unter Druck. Vor einem Jahr versagte er ausgerechnet in diesen Testläufen und durfte an der WM in Frankreich nur in der Staffel ran.

Diese Story soll sich nicht mehr wiederholen, denn er habe schliesslich die ganze Planung auf die WM ausgerichtet. «Nun kommt das Gelände, das ich eigentlich im Griff haben muss. Es liegt in meinen eigenen Händen. Schaffe ich es über die Mittel- und Langdistanz nicht unter die ersten drei, dann habe ich an der WM auch nichts verloren», sagt Hertner vor seinen entscheidenden Auftritten in unmittelbarer Nähe der Lausanner WM-Wälder.

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