Radball
Der Traum ist ausgeträumt – die Radballer aus Möhlin verpassen ihre Chance an den Schweizer Meisterschaften

Während die Radballer aus Möhlin das Podest verpassten, feierte Altdorf I den fünften Titel in Folge. Die Kunstradfahrerinnen sorgten für die optischen Highlights an den Schweizer Meisterschaften.

Stefan Salzmann
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Es hat nicht ganz gereicht: Pfungen mit Severin Waibel (im Bild) reichte es nur zum Vize-Schweizer-Meistertitel.
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Die "gelbe Wand" links oben auf der Tribüne peitschte die Altdorfer Teams zu Rang 1 und Rang 3.   
Zu spät gekommen: Torhüter Renato Bianco (rechts) ist gegen den Torabschluss machtlos.
Stefan Lützelschwab aus Möhlin schirmt den Ball gegen Simon Marty ab. Trotzdem reichte es den Melern nur zu einem Sieg bei drei Niederlagen.
Altdorfs Roman Schneider (links) und Mosnangs Lukas Schönenberger schenken sich in diesem Zweikampf nichts.
Das Podest der Radball-Schweizer-Meisterschaften (von links): Severin und Benjamin Weibel aus Pfungen, Roman Schneider und Paul Looser aus Altdorf, und Beda Planzer und Simon Marty ebenfalls aus Altdorf.
Das vereinsinterne Duell konnte Altdorf 1 mit 4:3 gegen Altdorf 2 gewinnen.
Hier muss sich Roman Schneider zwar geschlagen geben, sonst ist der Altdorfer aber ein sicherer Rückhalt und nun fünf Mal in Folge Schweizer Meister.   
Radball-SM 2018, Liestal
Gekonnt abgewehrt: Beda Planzer pariert einen Abschluss im Altdorfer Tor.

Es hat nicht ganz gereicht: Pfungen mit Severin Waibel (im Bild) reichte es nur zum Vize-Schweizer-Meistertitel.

Monika Schrott

Und dann muss der aufgestaute Frust einfach raus. Zu viel hat in diesem Spiel nicht funktioniert, nur schwer ist die 2:9-Klatsche in diesem Moment zu akzeptieren. Renato Bianco vom VCR Möhlin schmettert kurz nach dem Schlusspfiff den Ball mit voller Wucht in Richtung eigenes Tor, um sich sogleich mit einer Geste beim Schiedsrichter für den emotionalen Ausbruch zu entschuldigen. Was folgt, ist ein Abklatschen und eine herzliche Umarmung mit den späteren Schweizer Meistern Roman Schneider und Paul Looser von Altdorf I.

Der Traum ist ausgeträumt

Für Stefan Lützelschwab und Renato Bianco, welche mit dem Ziel aufs Podest zu steigen angetreten sind (die bz berichtete), ist es die dritte Niederlage im dritten Spiel. Der Traum von einer Medaille ist ausgeträumt. Viel schneller als erhofft. Da kann auch der abschliessende 4:2-Sieg gegen Mosnang nicht gross darüber hinwegtrösten.

Die geschilderte Szene ist eine, welche sich an diesem Samstagnachmittag in der Sporthalle Frenkenbündten in Liestal öfters abspielt: Spannende und hochstehende Duelle, ein Kampf um jeden Zentimeter Hallenboden, aber immer wieder auch kleine Nickligkeiten zwischen den Kontrahenten und kritische Worte gegenüber dem Unparteiischen – kurz nach dem Schlusspfiff ist jedoch alles vergessen.

Dies bestätigt Mathias Oberer, OK-Präsident der diesjährigen Schweizer Meisterschaft und langjähriger NLA-Radballer vom VMC Liestal: «Wir sind eine grosse Familie. Nach dem Spiel sind Vorfälle auf dem Feld kein Thema mehr.»

Bereits seit 13 Jahren spielen Stefan Lützelschwab (rechts) und Renato Bianco Radball – und das auf höchstem Niveau.
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Stefan Lützelschwab ist mit 41 Jahren der älteste Radballer in der NLA.
Seit 13 Jahren spielt das Duo zusammen in der NLA: «Unsere Freundschaft geht weit über den Radsport hinaus», betonen die beiden.
Für Bianco und Lützelschwab hat es bisher noch nicht für einen Podesplatz an einer Schweizer Meisterschaft gereicht.
Radball Stefan Lützelschwab und Renato Bianco
Die beiden Fricktaler hoffen auf die Unterstützung zahlreicher Fans: «Das pusht ungemein und gibt oft Gänsehaut-Momente», sagt Lützelschwab.
Kurz vor dem entscheidenden Tag haben die beiden im Training nur noch an den letzten Details gefeilt.
Lützelschwab und Bianco können sich blind aufeinander verlassen: «Das Zwischenmenschliche macht 50 Prozent des Erfolgs aus», so Bianco.
Bis 2020 werden die beiden sicher noch gemeinsam weiterspielen – dann findet in Möhlin nämlich der Weltcup statt.

Bereits seit 13 Jahren spielen Stefan Lützelschwab (rechts) und Renato Bianco Radball – und das auf höchstem Niveau.

Fabio Baranzini | Baranzini Fotografie und Texte | www.baranzini.ch

Fünfter Titel in Folge

Was die NLA-Teams auf den Hallenboden zaubern, beeindruckt. Schnelle Kombinationen wechseln sich mit taktischem Spiel ab. In hohem Tempo beherrschen die Radballer nicht nur ihr Fahrrad, sondern auch den eng mit dem Vorderrad zu führenden Ball. Und wenn eine Abschlusschance da ist, nehmen sie diese wahr und donnern den Ball mit dem Vorderrad wuchtig in Richtung Tor.

Doch wehe, man ist nach dem nicht erfolgreichen Torabschluss nicht bereit für den Gegenangriff. Dann kann es mit einem direkt verwandelten Torschuss sogleich auch hinten einschlagen. Dafür prädestiniert scheint Altdorfs Torhüter Roman Schneider. Mehrmals lässt er seinen Paraden direkt verwandelte Torabschlüsse folgen. Es ist wohl einer der Gründe, weshalb er nun zum fünften Mal in Folge Schweizer Meister geworden ist.

Hier muss sich Roman Schneider zwar geschlagen geben, sonst ist der Altdorfer aber ein sicherer Rückhalt und nun fünf Mal in Folge Schweizer Meister.   

Hier muss sich Roman Schneider zwar geschlagen geben, sonst ist der Altdorfer aber ein sicherer Rückhalt und nun fünf Mal in Folge Schweizer Meister.   

Monika Schrott

Kunstradfahrerinnen verzaubern

Szenenwechsel: Die Helfer des VMC Liestal haben in der Halle umgebaut, die Kunstradfahrerinnen sind an der Reihe und treten je nach Kategorie in Einer-, Zweier- oder Vierer-Formationen an.

Es wird still in der Halle. Musik ertönt, und neben dieser sind nur einzelne Anweisungen des «Teamcaptains» zu hören oder wird die Stille durch Szenenapplaus unterbrochen. Besonders in den Bann ziehen mag die Vorführung einer Sechser-Formation vom RV Sirnach und dem VC Rheineck.

Es ist ein Auftritt ausser Konkurrenz, denn die Formation tritt auf Wunsch von OK-Präsident Oberer in Liestal auf. «Ich habe sie am Weltcup in Hongkong gesehen und wollte sie unbedingt hier in Liestal haben», sagt Oberer und schwärmt von «höchster Präzision», als die sechs Kunstradfahrerinnen auf engstem Raum und in grosser Synchronität ihre Kür abspulen.

Schweizer-Meister-Titel und WM-Teilnahme für Altdorf

Danach wird es wieder laut. Die aus Altdorf angereiste «gelbe Wand» hat sich auf der Tribüne erhoben und feuert ihr Team gegen Pfungen mit dem Brüderpaar Severin und Benjamin Waibel lautstark an, die Fans aus Pfungen halten dagegen. Oberer ist beeindruckt: «Mit diesem riesengrossen Zuschaueraufmarsch haben wir nicht gerechnet. Das macht Freude.»

Die "gelbe Wand" links oben auf der Tribüne peitschte die Altdorfer Teams zu Rang 1 und Rang 3.   

Die "gelbe Wand" links oben auf der Tribüne peitschte die Altdorfer Teams zu Rang 1 und Rang 3.   

Monika Schrott

Am meisten Freude hat zum Schluss Altdorf I. Das 3:3-Unentschieden sichert ihnen den Schweizer-Meister-Titel und die Teilnahme an der Radball-Weltmeisterschaft.

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