Er kann nicht mehr. Der letzte Sprint ist einer zu viel. Die Kräfte sind weg. Der unbedingte Druck beim Stand von 2:1 ebenfalls. Albian Ajeti lässt sich fallen. Drei Thuner stehen um ihn herum. Die 91 Minuten zu vor haben ihm alles abverlangt. Und er hat alles gegeben. In einem Spiel, in dem ihn niemand so wirklich von Beginn an auf dem Platz erwartet hatte.

Die letzten Wochen und Monate waren nicht einfach für den 22-Jährigen. Nach einer Hinrunde, in der er in jedem Spiel in der Startformation gestanden hatte, verlor er im Winter seinen Fixplatz. Plötzlich hatte Ricky van Wolfswinkel die Nase vorne, plötzlich war Ajetis Realität die Bank und nicht die grosse Bühne. Wenn man mit ihm in dieser Zeit sprach, sagte er immer wieder, «rasiert» worden zu sein.

Er sprach von Unverständnis seinerseits, von mangelnden Erklärungen. Obwohl er auch damals die meisten Tore innerhalb des Teams aufzuweisen hatte, blieb ihm nur noch die Ersatz-Rolle. Dennoch traf er weiter, lieferte in der Rückrunde acht Tore, zwei davon im Cup.

Erste Wahl aber war er kaum mehr. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mega zufrieden bin mit dieser Rückrunde. Aber mit diesem Sieg heute vergisst man vieles.» Dieser Sieg ist einer, den Ajeti eingeleitet hatte.

Positiver Druck

Weil Konkurrent van Wolfswinkel sich am Samstag kränklich fühlte, bekam Ajeti den Vorzug. Wenige Stunden vor dem Spiel habe er dies erfahren. Nicht von Cheftrainer Marcel Koller, sondern von dessen Assistenten. «Aber ich danke dem Trainer für das Vertrauen. Ich denke, ich habe dieses gut zurückgezahlt.» Ajeti ist es nämlich, der in der 23. Minute im Thuner Strafraum nach einer Stocker-Flanke zum Kopfball kommt und einnickt. 1:0 Basel. Das Spiel ist in die richtige Richtung gelenkt.

Es ist Ajetis fünfter Treffer im Schweizer Cup, der 21. wettbewerbsübergreifend. Er möge es «absolut», im Cup zu treffen. «Aber das trifft auf jedes Spiel und Training zu. Natürlich ist es aber umso schöner, in einem solchen Final zu treffen.»

Ajeti hätte mehrfach die Chance gehabt, den Deckel früher zuzumachen. Gelingen wollte ihm ein zweites Tor nicht mehr. Dennoch ist er einer der besten Basler, weil er sich mit jeder Faser seines Körpers für diesen Titel einsetzt. «Hauptsache wir haben diesen verdammten Kübel in den Händen!» Dass mit dem Cupsieg ein gewisser Druck abfällt, kann Ajeti nicht leugnen.

Jedoch spricht er von einem «positiven Druck, den wir vor dem Spiel hatten. Wir wussten, dass wir den Titel holen müssen. Aber wir wussten auch, was für eine Freude es auslösen würde.» Eine Freude, die Ajeti so zusammenfasst: «Es ist unbeschreiblich. Wir haben mega lange darauf gewartet und mega fest dafür gekämpft. Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Chapeau. Nach all dem, was wir durchgemacht haben, ist es so verdient. Es ist so wichtig.»

Champagner gibt neue Kraft

Ajeti steht umkreist von Journalisten im Bauch des Stade de Suisse. Endlich hat er auch den Cup gewonnen, der fehlte ihm bislang noch. Mit der Medaille um den Hals, einem Shirt voller Bier und Champagner, Letzteren noch in der Hand, verspricht er eine grosse Nacht. Was er dabei trinke?

«Ich nehme alles, was mir in die Hände kommt.» Und was genau der Plan ist? «Na saufen, was sonst? Und natürlich mit den Fans und der Mannschaft feiern.» Die Kräfte, die in den Schlussminuten auf den Schlussmetern fehlten, sie sind plötzlich wieder da.