Motorsport
Der Basler Nachwuchs-Rennfahrer Miklas Born startet durch: Mit Glauben, Realismus und Energydrinks

Miklas Born aus Basel ist erst 18 Jahre alt - trotzdem feiert er schon jetzt Erfolge im Motorsport. In seiner ersten Saison im Rennwagen hat der ehemalige Kartfahrer bereits einen internationalen Titel gewonnen, ein zweiter könnte am Wochenende folgen. Dennoch träumt der junge Basler nicht von der Formel 1.

Julian Förnbacher
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Miklas Born in der neuen Racing Lounge in Pratteln: Die virtuellen Fahrten im Simulator sind wichtiger Bestandteil seiner Trainings.

Miklas Born in der neuen Racing Lounge in Pratteln: Die virtuellen Fahrten im Simulator sind wichtiger Bestandteil seiner Trainings.

Kenneth Nars

Dass Miklas Born erst vor kurzem 18 Jahre alt geworden ist, merkt man dem Nachwuchs-Rennfahrer kaum an. Lediglich die Zahnspange verrät dem Gesprächspartner, dass er hier einen Teenager vor sich hat. Born wirkt enorm reif und beantwortet Fragen abgeklärt und räsoniert.

Kein Wunder, möchte man meinen, war er in den letzten Monaten doch bereits ein vielgefragter Interviewpartner. Der frühere Kartfahrer hat gleich in seiner ersten Saison im Langstrecken-Rennauto voll eingeschlagen – und fuhr in jedem der fünf Rennen mit seinem VW Golf GTI TCR aufs Podest.

Miklas Born sitzt erst seit einem Jahr im Rennwagen.

Miklas Born sitzt erst seit einem Jahr im Rennwagen.

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Im Team von Autorama Wetzikon sicherte sich Born in der TCR 24-Hour-Series mit dem Gesamtsieg in der Europa-Wertung seinen ersten internationalen Einzeltitel und kann am Wochenende auf der traditionsreichen Formel-1-Strecke im italienischen Mugello den Interkontinentaltitel folgen lassen.

«Dass ich im ersten Jahr so erfolgreich sein würde, damit hätte ich nicht gerechnet», sagt Born. Er hatte geplant, nach dem Wechsel vom Kart ein Lehrjahr einzulegen, sich erst an die veränderten Bedingungen im Rennwagen zu gewöhnen. Doch es kam anders.

Früher fuhr Miklas Born noch Kart, heute will er sich im GT-Bereich etablieren.

Früher fuhr Miklas Born noch Kart, heute will er sich im GT-Bereich etablieren.

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Gleichwohl will Born seine Erfolge nicht überbewerten – auch das eine beeindruckend realistische Einstellung für einen 18-Jährigen. «Die Podestplätze sind super, aber die wichtigen Anhaltspunkte sind momentan die Qualifyings. In einem Langstrecken-Rennen, wo sich mehrere Fahrer pro Team abwechseln, kann so viel passieren. Aber ich denke schon, dass wir auf einem guten Weg sind.»

Der Vater als entscheidende Figur

Wenn Born «wir» sagt, meint er damit in erster Linie sich und seinen Vater Christian. Dieser ist so etwas wie das Mädchen für alles in seiner Karriere: Er übernimmt Management-Aufgaben, sucht Sponsoren und koordiniert Presseanfragen. Zu Kart-Zeiten agierte er zudem als Mechaniker. «Ohne meinen Vater wäre es nicht möglich gewesen, meinen Weg so zu gehen», sagt Born dankbar.

Ein eingespieltes Team: Miklas Born und sein Vater Christian, hier noch zu Kart-Zeiten.

Ein eingespieltes Team: Miklas Born und sein Vater Christian, hier noch zu Kart-Zeiten.

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Der Vater fuhr früher selbst Kart-Rennen, zu denen ihn sein Sohn schon mit drei Jahren begleitete. Trotzdem brauchte es einige Anläufe, bis auch Miklas mit dem Rennfahrer-Fieber infiziert war: «Ich hatte nie diesen Klickmoment. Die Liebe zum Motorsport hat sich bei mir langsamer entwickelt», erzählt er.

Heute ist die gemeinsame Leidenschaft ein Hauptgrund für das hervorragende Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Auch Schwester und Mutter unterstützen die Passion der beiden. «Zuhause müssen wir uns im Kampf um die Fernbedienung manchmal schon geschlagen geben, wenn wir mal wieder zu viele Rennen schauen wollen», scherzt Miklas Born.

Die Strukturen werden professioneller

Mit dem Wechsel in den Rennwagen macht der Junge einen grossen Schritt zum Profi. Plötzlich hat der 18-Jährige ein Team im Rücken und unterschreibt Verträge, die Strukturen werden professioneller. Beim neuen Team ist man bereits voller Lob für den Basler: «Miklas ist die Ruhe selbst. Er setzt das, was wir von ihm erwarten, sehr gut um und ich bin mir sicher, dass er seinen Weg machen wird», sagt Teamchef Stefan Tanner.

Der Wechsel wird auch für Vater Born nicht ohne Folgen bleiben: Er wird als Manager kürzer treten. «Ich hoffe zwar, dass das noch eine Weile dauert, aber eines Tages werde ich wohl einen professionellen Manager brauchen», weiss Born. Der Manager soll ihm dereinst helfen, sich weiter zu vermarkten. «Nur, wer in der Szene einen Namen hat, kann sich etablieren und vom Sport leben», sagt Born.

Fahrerkollege und Mentor: Yannick Mettler (Mitte) ist eine wichtige Bezugsperson für Born.

Fahrerkollege und Mentor: Yannick Mettler (Mitte) ist eine wichtige Bezugsperson für Born.

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Unterstützend steht ihm schon heute sein 31-jähriger Teamkollege Yannick Mettler zur Seite. Er ist Borns Mentor und will ihm mit seinem Erfahrungsschatz helfen: «Ich musste am eigenen Leib erfahren, wie schwer es für Schweizer ohne die richtige Beratung sein kann. Deshalb habe ich es nun ein wenig zu meiner Mission gemacht, Junioren wie Miklas zu helfen. Er hat alle Ansätze, die es für eine Zukunft im Motorsport braucht», sagt er.

Weitsichtig, wie Born ist, hat er bereits mit der Selbstvermarktung begonnen. Zum Gespräch erscheint er mit eigenem Logo auf der Maske und bietet zur Erfrischung einen Miklas-Born-Energydrink an. Es sind erste Schritte auf seinem Weg zum grossen Ziel. Und dieses lautet nicht Formel-1-Weltmeister.

Miklas Born hat bereits seinen eigenen Energydrink auf dem Markt.

Miklas Born hat bereits seinen eigenen Energydrink auf dem Markt.

juf

«Die Wahrscheinlichkeit, dass ich einmal in der Formel 1 fahren werde, ist eigentlich gleich Null», sagt Born und ergänzt «Mein Traum ist es, vom Sport zu leben. Um es in die Formel 1 zu schaffen, braucht man heute so viel Sponsorengeld, das ist für einen Schweizer kaum realistisch. Ich fokussiere mich lieber auf den Tourenwagen-Bereich, wo meine Chancen grösser sind.»

Tatsächlich: Mit Hilfe seiner treuen regionalen Sponsoren kann Born bereits im kommenden Jahr in die GT3-Serie zu den Supersportwagen aufsteigen. Den Vertrag hat er am Montag unterzeichnet.

Gläubig aber trotzdem kompromisslos

Doch nicht nur sein Realismus ist prägend für Miklas Born – auch Zuversicht, die er aus dem Glauben an Gott schöpft, begleitet ihn als Konstante auf seinem Weg. Sitzt Born an einem Wochenende nicht irgendwo hinter einem Lenkrad, geht er zur Kirche, zudem engagiert er sich als Konfirmationsleiter.

Miklas Born in Aktion.

Miklas Born in Aktion.

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Auch als Rennfahrer ist ihm sein Glaube wichtig, obwohl die beiden Welten auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. «Ich denke, man muss da differenzieren. Auf der Rennstrecke muss ich trotz allem hart bleiben. Ich muss die Leute überholen und kann niemandem etwas schenken.» Zwar betet Born vor jedem Rennen, doch sobald die Startlichter aufleuchten, weiss er, dass er selbst Herr seines Schicksals ist.

«Im Rennen habe ich eine Verantwortung, die ich nicht einfach in Gottes Hände legen kann. Die Autos sind heute zwar enorm sicher gebaut, trotzdem muss man sich des Risikos bewusst sein: Niemand ist unsterblich. Respekt ist wichtig, Angst habe ich nicht», sagt er zum Abschied. Damit unterstreicht er das Gefühl, soeben nicht mit Jemandem gesprochen zu haben, der erst im August seinen Führerschein gemacht hat.

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