Curling
Bruno Schallberger: «Sogar das Ruhetagsgesetz wurde für die Curling-WM verändert»

Basel rüstet sich für die am Wochenende beginnende Weltmeisterschaft der Männer. Rund 80 Personen arbeiten seit letzten Freitag rund um die Uhr damit die Halle und besonders die Eisfläche parat ist für die am Samstag beginnende Curling-WM.

Alan Heckel
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Auf den Punkt genau: In der St. Jakobshalle laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren.

Auf den Punkt genau: In der St. Jakobshalle laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren.

Conrad Engler

Ob Rockkonzerte, Sportveranstaltungen oder Generalversammlungen: Die St. Jakobshalle war in den fast 40 Jahren ihres Bestehens der Austragungsort zahlreicher, teilweise spektakulärer Events. Doch so viel Detailarbeit im Vorfeld wie für die am Samstag beginnende Curling WM (WMCC) der Männer war nur selten nötig.

Eisfläche wird nonstop viermal 24 Stunden lang aufgebaut

Seit den frühen Morgenstunden des Freitags vergangener Woche arbeiten rund 80 Personen fast rund um die Uhr. Besondere Aufmerksamkeit erforderte die rund 1500 Quadratmeter grosse Eisfläche, die schichtweise von Samstag bis Dienstag nonstop viermal 24 Stunden lang aufgebaut wurde.

«Dafür musste sogar das Baselbieter Ruhetagsgesetz verändert werden», sagt Bruno Schallberger. Der Chairman der WM betont: «Es enorm wichtig ist, dass die Eisschichten besonders langsam aufgebaut werden. Je langsamer, desto besser.» Dass die UBS noch am Donnerstagabend ihre 150-Jahr-Gala in der Joggelihalle veranstaltet hatte, kam den Organisatoren entsprechend ungelegen. «Das hat uns 24 Stunden gekostet und vor echte Probleme gestellt», erklärt Schallberger.

Nachdem die 25 Schichten – jede ist ungefähr so dick wie ein Einfränkler und beansprucht eine Entstehungszeit von mindestens zwei Stunden – stehen, ist die Arbeit aber noch lange nicht getan. Ein Teppich muss am Rand verlegt und mit gefrorenen Wassertropfen kleine Reibungsflächen geschaffen werden.

Dazu gilt es die Oberflächentemperatur des Eises bei minus 3,9 Grad Celsius konstant zu halten und dafür zu sorgen, dass die Luftfeuchtigkeit nicht auf über 30 Prozent ansteigt. Aus diesen Gründen mussten eine Kühl- sowie eine Entfeuchtungsanlage organisiert werden, denn die St. Jakobshalle ist nicht klimatisiert.

250 000 Franken mehr Einnahmen

Dennoch haben sich die Organisatoren gegen die benachbarte Eishalle entschieden, wo 2006 die EM ausgetragen wurde. Die Gründe dafür liegen in der Grösse der Halle: Die Tribüne hinter dem Rink – der beste Platz um einen Curling-Spiel zu verfolgen – fasst 1800 Sitze, die Anzahl der VIP-Plätze beträgt 20. Zahlen, mit denen die Eishalle (450/10) nicht mithalten kann.

«Das bringt uns rund 250 000 Franken mehr Einnahmen, auch wenn zusätzliche Kosten anfallen», erklärt Schallberger. Der OK-Präsident spricht von einem «absoluten Pilotversuch, denn erstmals findet eine Curling-WM nicht in einer Eishalle statt». Dennoch ist er vom reibungslosen Gelingen des Events überzeugt: «Wir haben ja die Technik im Griff.»

Schallbergers Gelassenheit hängt auch mit der Person des Hallenchefs zusammen. Hans Wüthrich steht seit 1993 in Genf bei jeder WM in der Verantwortung.

Kein Wunder, dass ihm die anderen Voraussetzungen nicht mehr Kopfzerbrechen als sonst bereiten: «Es ist eigentlich wie immer. Kaum hat man ein Problem gelöst, taucht schon das nächste auf!» Dennoch gibt auch der Kanada-Schweizer zu, «dass man schon merkt, dass in dieser Halle nicht jeden Tag Eis gemacht wird».

«Ich werde täglich von fünf bis zwölf Uhr abend in der Halle zu tun haben»

Während Wüthrich an Rohre gewohnt ist, hat er es in Basel mit einem Holzboden zu tun. «Deshalb spürt man die Spannungen», erklärt er. Dass er nun immerhin die in diesem Fall besonders anspruchsvolle Aufschichtung der Eisfläche hinter sich hat, erleichtert ihn nicht. «Für mich gibt es hier noch so viel Arbeit. Ich werde bis zum Ende der WM täglich von fünf Uhr morgens bis zwölf Uhr abends in der Halle zu tun haben», lacht Hans Wüthrich.

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