Kommentar
0:3-Pleite gegen ManUnited: Die Fussball-Schweiz muss darauf hoffen, dass sich der FCB fängt

Im ersten Champions League Spiel der neuen Saison verliert der FC Basel mit 0:3 auswärts in Manchester. Auch in der Liga sieht es nach sieben Spieltagen nicht freudig aus, für den FCB. Eine Einschätzung von Sébastian Lavoyer.

Sébastian Lavoyer
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Der FC Basel wehrte sich gegen Manchester United nach Kräften, bezog letztlich aber eine klare Niederlage.

Der FC Basel wehrte sich gegen Manchester United nach Kräften, bezog letztlich aber eine klare Niederlage.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Hier geht es zum Spielbericht.

Ach, was wäre es schön gewesen, wenn sich die Geschichte wiederholt hätte. Wenn alles gekommen wäre wie damals 2011. 0:2 lag der FCB damals in der Pause hinten. Nur waren damals erst 17 Minuten gespielt, als Danny Welbeck mit seinem Doppelpack den Favoriten zum vermeintlichen Dreier schoss. Gestern fällt das 2:0 durch Lukaku kurz nach der Pause. Und im Gegensatz zu damals, als Fabian und Alex Frei den FCB gar mit 3:2 in Führung schossen, kassiert der FCB kurz vor Schluss das 3:0. Bemüht, engagiert, teilweise auch mutig – aber letztlich chancenlos.

Damals holten die Basler einen Punkt im Old Trafford, gestern gehen sie leer aus.
Der FCB hätte einen Coup gebrauchen können. Wie damals unter Fink. Schon damals starteten die Basler nach einem Umbruch schwach in die Saison. Im Sommer 2009 ging Christian Gross. Nach zehn Jahren. Es war das Ende einer Ära. Vier Meistertitel und vier Cupsiege holte er in dieser Zeit mit dem FCB. Nie mehr sollte nach Gross ein Trainer einen so grossen Einfluss haben. In den acht Jahren seit Gross standen beim FCB vor Wicky fünf andere Trainer an der Linie. Acht Meistertitel hat der FC Basel seither aneinandergereiht.

Den letzten Umbruch hinter sich

Den letzten Umbruch hat der FCB hinter sich. Auch unter Fink startete der FCB schwach in die Saison, noch schwächer als jetzt unter Wicky mit nur neun Punkten aus den ersten sieben Spielen. Das Selbstvertrauen holte sich der FCB damals auch in der Champions League. Mit Auftritten wie beim 3:3 im Old Trafford. Ein ähnlicher Coup bleibt Wickys Team verwehrt. 0:3 ist ein deutliches Verdikt. Dennoch gibt es positive Lebenszeichen. Aber letztlich macht die individuelle Klasse der Engländer den Unterschied, die Erfahrung. Man denke nur daran, wie Riveros sich beim 0:1 von Young austanzen lässt.

Die FCB-Spieler in der Einzelkritik:

Tomás Vaclík: 4.5 Bei den drei Gegentoren machtlos. Verhindert mit einem Reflex gegen Lukakus Kopfball das 0:3, danach gegen Young das 0:4.
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Manuel Akanji: 4 Er ist vor dem 0:1 zwar bei Fellaini, kann ihn aber nicht am Kopfball hindern. Ganz zu Beginn Retter vor der Linie. Im Aufbauspiel steigerungsfähig.
Marek Suchy: 3.5 Auch er ist vor dem 0:1 zwar bei Fellaini, kann ihn aber nicht am Kopfball hindern. Beim 0:2 ist er noch näher bei Lukaku, aber wieder ohne Chance.
Éder Balanta: 4 Versucht seine Physis einzubringen, was er mit einer gelben Karte bezahlt. Beim 0:2 im Kopfballduell mit Lukaku ist dann kein Kraut gewachsen.
Michael Lang: 4 Es ist sicher auch sein Verdienst, dass die United über seine Seite eher selten gefährlich wurde. Nach der Pause offensiv etwas aktiver.
Blas Riveros: 4 Lässt sich vor dem 0:1 von Young vernaschen. Bezahlt bei seinem CL-Debüt etwas Lehrgeld. Schlecht aber ist er unter dem Strich gleichwohl nicht.
Taulant Xhaka: 4 Schlägt die perfekte Freistossflanke zu Elyounoussis erster Topchance. Defensiv ordentlich, vor dem 0:3 gegen Rashford aber etwas desorientiert.
Luca Zuffi: 4 Sollte mit seinem starken linken Fuss mehr aus seiner Schusschance aus 14 Metern machen. Sonst vorwiegend mit Löcherstopfen beschäftigt.
Mohamed Elyounoussi: 4.5 Sollte mehr aus seiner exzellenten Kopfballchance aus kurzer Distanz machen. Zwingt später mit guter Aktion De Gea zu einer starken Parade.
Renato Steffen: 5 Sehr quirlig und agil mit hoher Laufbereitschaft. Er traut sich etwas zu und liefert die perfekte Vorarbeit für Elyounoussis zweite Torchance.
Ricky van Wolfswinkel: 3 Zugegeben: Es ist kein Schleck, gegen diese United-Hünen zu spielen. Dennoch ist vom Königstransfer schon mehr Präsenz zu erwarten.
Kevin Bua: 4 Kommt nach 65 Minuten für Van Wolfswinkel. Ein, zwei gute Ansätze sind zu sehen, mehr aber nicht.
Dimitri Oberlin: - Kommt nach 77 Minuten für Riveros. Ohne Note.

Tomás Vaclík: 4.5 Bei den drei Gegentoren machtlos. Verhindert mit einem Reflex gegen Lukakus Kopfball das 0:3, danach gegen Young das 0:4.

Zur Verfügung gestellt

Nach dem Auftritt gegen Lausanne ist es ein kleiner Schritt nach vorne. Aber man muss weiter in diese Richtung gehen, im Cup Chiasso klar schlagen, Selbstvertrauen tanken. Das ist nicht nur im Interesse des FC Basel, sondern der ganzen Schweiz. Die Schweiz droht den wichtigen 15. Platz im Uefa-Ranking zu verlieren. Es würde das Einziehen in die Königsklasse für jeden künftigen Schweizer Meister erschweren, wenn der FCB nicht europäisch überwintern würde.