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Barça-Fussballerin Crnogorcevic: «Eigentlich hätte ich mir ein Instrument kaufen sollen, nur verbessere ich mein Spanisch mit Netflix»

Die Schweizer Fussball-Nationalspielerin Ana Maria Crnogorcevic spielt beim FC Barcelona. Aufgrund des Coronavirus verbringt sie die Zeit aktuell bei ihren Eltern in Thun und häufig mit Freunden auf dem See.

Die Schweizer Fussball-Nationalspielerin Ana Maria Crnogorcevic spielt beim FC Barcelona. Aufgrund des Coronavirus verbringt sie die Zeit aktuell bei ihren Eltern in Thun und häufig mit Freunden auf dem See.

Wie Nationalspielerin Ana Maria Crnogorcevic, 29, die Krise ohne Fussball erlebt – und ihren Traum Barcelona lebt.

Am liebsten würde sie den ­kleinen Hund gleich mit nach Hause nehmen. Ana Maria Crnogorcevic sitzt auf einer Treppe am Ufer des Thunersees, als sie den herumsausenden Vierbeiner entdeckt. Sie posiert für die Fotografin, immer wieder blickt sie auf das Wasser hinaus und sagt: «Es ist nicht gerade die einfachste Zeit, so ganz ohne Fussball, so ganz für sich alleine zu Hause und ohne zu wissen, wann und wie es weiter geht. Da ist es immerhin ganz schön, die Tage in der Nähe dieses wunderbaren Sees zu verbringen.»

Der erfüllte Traum: Profi beim FC Barcelona

Crnogorcevic (ausgesprochen: «Sürnogortschewitsch») ist eine der derzeit herausragenden Schweizer Fussballerinnen. Schlüsselspielerin im Nationalteam, auf Klubebene erfüllt sie sich, kurz vor dem 30. Geburtstag, gerade einen Traum. Seit Anfang dieses Jahres spielt sie beim FC Barcelona. «Die Stadt ist grossartig, das Leben, die Architektur – ­alles wunderbar, einzig dass die Spanier erst um 21:30 Uhr zu essen pflegen, finde ich gewöhnungsbedürftig.»

Doch gerade als sie sich so richtig akklimatisiert hatte, kam der Lockdown. Am 6. und 10. März bestritt das Frauen Nationalteam noch zwei Testspiele gegen Österreich (1:1/2:1), ­danach konnte sie nicht mehr nach Barcelona zurückkehren – und lebt darum vorübergehend bei den Eltern in Thun.

«Wenn ich früher realisiert hätte, dass wir ziemlich viel Zeit für uns alleine haben werden, hätte ich mir wohl noch ein Instrument gekauft. Nun habe ich eben versucht, mein Spanisch ein bisschen voranzutreiben. Wobei die Gespräche im Real­life schon fehlen.» Dafür sind einige ihrer letzten Netflix-Serien spanischen Ursprungs, «Casa de Papel», «Elite» oder «Toyboy». Die Dokumentation über ­NBA-Star Michael Jordan durfte indes auch nicht fehlen auf der Playlist.

Ob Basketball, Football oder Fussball, Crnogorcevic hat ein Faible für Amerikanischen Sport. Vor ihrem Wechsel zu Barcelona spielte sie zwei Jahre in Portland (grösste Stadt des US-Bundesstaats Oregon, ganz im Westen der USA). Dort erlebte sie die Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer hautnah, gut 20000 waren bei Heimspielen jeweils im Stadion.

Die einzige Regel: «Trag dem Ball Sorge!»

In Barcelona sind es nicht ganz so viel. Doch auch in Spanien erlebt der Frauenfussball gerade einen ziemlichen Aufschwung. Einige Titel im Juniorinnen-­Bereich gingen nach Spanien. Seit vier Jahren ist die Frauen­abteilung von Barcelona professionell betrieben, erstmals hat das Team einen fixen eigenen Trainingsplatz in «La Masia» ­erhalten. Die Fussball-Kultur sei dieselbe wie bei den Männern, erzählt Crnogorcevic «Es gibt nur eine Regel: Trag dem Ball Sorge!»

Obwohl die Saison abgebrochen wurde, hat die Liga Barcelonas Frauen zum Meister erklärt. Zu gross war der Vorsprung auf die Konkurrenz. Nun ist noch die Frage offen, ob die Champions League weitergeht. Eine Möglichkeit wäre ein Turnier der verbliebenen acht Teams Ende August oder Anfang September. Geplant ist, dass die Spielerinnen zwischen 13. und 22. Juli wieder nach Barcelona zurückkehren, um mit der Vorbereitung zu starten.

Crnogorcevic ist ziemlich polyvalent einsetzbar. In Barcelona spielt sie als Aussenverteidigern, in Portland war sie Stürmerin. Auch im Nationalteam hat sie schon beide Positionen bekleidet. Seit Nils Nielsen ­Nationaltrainer ist, spielt sie regelmässig im Sturm. «Wir haben nicht so viele Spielerinnen, die derart regelmässig Tore schiessen. Und sie erzielt manchmal aus keiner Chance ein Tor», sagt Nielsen über Crnogorcevic.

Die grosse Vorfreude: Wiedersehen in der Nati

Die 29-Jährige ist mit 59 Länderspieltoren Rekordtorschützin. Geht es so weiter, kommen noch einige mehr dazu. In sechs Spielen unter Nielsen hat sie sechs Tore erzielt. Darunter in allen vier EM-Qualifikationsspielen. Die Evolution im Nationalteam beschreibt Crnogorcevic so: «Nielsen gibt zwar auch einige Dinge vor, aber er möchte, dass wir auf dem Platz selbst Entscheidungen treffen und uns nicht immer nach vorgegebenen Schemen verhalten.»

Nielsen ist froh, dass Crnogorcevic wieder in Europa spielt. «Dann sind die Reisen vor den Nati-Spielen nicht mehr so kräfteraubend.» Allein, die nächsten EM-Quali-Spiele finden frühestens im Herbst statt. Die Vorfreude darauf ist gleichwohl schon da. Auf den Fussball. Aber auch auf das Wiedersehen mit vielen Freundinnen.

Den Vierbeiner vom Thunersee hat Crnogorcevic dann doch nicht nach Hause genommen. Auf den Hund kommt sie in der Nati aber gleichwohl. Beim «Brändi Dog», dem Spiel, das sie mit einigen Nati-Kolleginnen immer wieder gerne spielt.

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