Stabhochspringerin
Angelica Moser schafft nach nur zwei Trainings in Basel gleich 4.55 m

Die Hallen-Europameisterin von 2021 gibt am Pfingstmeeting ihr Comeback nach erneuter Verletzungspause. Sie holt sich das gewünschte Vertrauen und wird künftig dank einem ausgewiesenen Sprint-Fachmann noch schneller im Anlauf sein.

Rainer Sommerhalder
Drucken
Weil sie national keine Gegnerinnen hat, verbringt Angelica Moser die ersten 90 Minuten des Wettkampfs in Basel mit Warten.

Weil sie national keine Gegnerinnen hat, verbringt Angelica Moser die ersten 90 Minuten des Wettkampfs in Basel mit Warten.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Nationale Wettkämpfe sind für Angelica Moser auch eine gehörige Prise einer Geduldsprobe. Als die aktuelle Hallen-Europameisterin beim Pfingstmeeting in Basel knappe 90 Minuten nach der ersten Stabhochspringerin zu ihrem Premierensprung anläuft, sind zehn von elf Gegnerinnen bereits ausgeschieden. Während sich die Konkurrenz ab einer Höhe von 3.30 m versucht, kommt Angelica Moser erst ab 4.35 m ins Fliegen.

Erstmals seit ihrem vierten Rang an der Hallen-WM in Belgrad greift die 24-Jährige wieder zu den harten Wettkampfstäben. Unplanmässig spät, denn gleich zu Beginn des Outdoor-Trainings wurde sie Ende April von einem Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel ausgebremst. Nach dem schlimmen Unfall mit Stockbruch beim Absprung und schweren Oberkörper-Verletzungen als Folge im August 2021 ein erneuter gesundheitlicher Rückschlag.

Vertrauen gewinnen und Gewissheit erlangen

Doch einmal mehr lässt sich die Andelfingerin nicht entmutigen und überspringt bei ihrem Freiluft-Debüt bereits 4.55 m. Höher sprang Moser beim traditionellen Pfingstmeeting auf der Schützenmatte noch nie. «Dabei habe ich erst zwei Trainings mit langem Anlauf hinter mir», sagt die Athletin des LC Zürich.

Der Start in Basel war ihr aber sehr wichtig. «Quasi als Vor-Wettkampf, denn am Donnerstag starte ich am Diamond-League-Meeting in Rom. Und ich wollte vorher unbedingt eine gewisse Wettkampf-Routine erleben und die Gewissheit erlangen, dass die Muskulatur auch im Ernstkampf hält.»

Das Vertrauen konnte Angelica Moser mit ihrem ungefährdeten Sieg und einer passablen Höhe nur elf Zentimeter unter ihrer Freiluft-Bestleistung wie gewünscht aufbauen. Auch wenn für ganz hohe Sprünge die Sicherheit verständlicherweise noch fehlt. «Bei 4.55 m wechselte ich auf den härteren Stab. Da stimmte es bei den ersten Versuchen noch nicht», sagt die Athletin, die 2020 mit dem Outing ihrer Essstörung für Schlagzeilen sorgte.

Diese ist inzwischen definitiv überwunden. Seit Ende letzten Jahres ist sie nicht mehr in Behandlung. Dafür gehört Moser seit dem 1. Februar zum erlauchten Kreis von neun Olympischen Sommersportlerinnen und Sportlern, die während vier Jahren als Zeitmilitär zu 50 Prozent von der Schweizer Armee angestellt sind.

Für die Stabhochspringerin ist der Zugang zur Infrastruktur in Magglingen eine ideale Symbiose, trainiert sie doch unter Anleitung von Nationaltrainerin Nicole Büchler ohnehin im Leistungszentrum oberhalb des Bielersees.

Prüfungen zum Bachelor und der Job beim Militär

Nicht nur örtlich, auch terminlich passt der repräsentative Militärjob. Aktuell steckt Moser im Abschluss ihres BWL-Studiums. Nach der letzten von mehreren Prüfungen hat sie im September den Bachelor in der Tasche und kann sich danach voll auf den Sport fokussieren.

Nach dem kurzen Intermezzo mit dem französischen Startrainer Damien Incencio, der aus familiären Gründen sein Engagement als Schweizer Nationalcoach nach nur neun Monaten im August 2021 abbrach, kümmern sich neben der früheren Konkurrentin Nicole Büchler auch Krafttrainer Jan Seiler und seit diesem Jahr Adrian Rothenbühler einmal pro Woche spezifisch für den Sprint um Angeliga Moser.

Rothenbühlers Hauptjob ist die Betreuung der Kambundji-Schwestern Mujinga und Ditaji. «Da die Anlauf-Geschwindigkeit zu meinen Schwächen zählt, bin ich froh, hat sich diese Zusammenarbeit mit einem absoluten Experten ergeben», sagt Moser dazu.

Noch ist der Einfluss des Schnelligkeitstrainings überschaubar, weil der Muskelfaserriss keine kontinuierliche Arbeit in diesem Bereich ermöglicht hat. Steigerungspotenzial gibt es also zu Genüge. Da kommt es Angelica Moser noch so recht, dass sie quasi aus dem Stand schon mal 4.55 m im Sack hat.